Dienstag , 17. Juli 2018
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Audemars Piguet will den „pre-owned watch market“ zukünftig selbst kontrollieren

Während die Umsätze der aktuellen Uhren Produktion sich nur langsam wieder erholen, boomt der Markt für pre-owned Uhren seit Jahren. „Der Markt für gebrauchte Uhren ist schätzungsweise zehn bis zwanzigmal grösser als der Markt für neue Uhren“, meint Francois-Henry Bennahmias, Audemars Piguet CEO.

Audemars Piguet hat mit der Weltpremiere der ersten Luxussportuhr im Jahr 1972 eine neue Ära eingeleitet. Mit der Royal Oak und ihren Nachfolge-Kollektionen, sorgt der Schweizer Uhrenhersteller erneut für Aufsehen.

Auf der SIHH 2018 in Genf kündigte Audemars Piguet an, in diesem Jahr ein Second-Hand-Geschäft zu starten. Diese Entscheidung bedeutet einen gewaltigen Einschnitt in die bisherige Industrietradition, die lange den Wiederverkaufsmarkt aus Angst vor der Verwässerung der Markenexklusivität vermieden hat, und macht das Unternehmen zum ersten prominenten Luxusuhrenhersteller, der den wachsenden Markt für gebrauchte Premiumuhren selbst kontrollieren wird.

„Der Second-Hand-Markt ist die nächste grosse Herausforderung in der Uhrenindustrie“, sagte Chief Executive Francois-Henry Bennahmias bei einem Interview mit Tick-Talk.ch auf der Uhrenmesse.

Die Uhrmacher kämpften in den letzten Jahren mit einem branchenweiten Verkaufseinbruch und der schnellen Expansion des Luxusmarktes für Gebrauchtwaren (hauptsächlich durch Online-Plattformen wie Chrono24 etc. forciert). Und nach einer jahrzehntelangen Praxis, die „Drecksarbeit“ des Weiterverkaufs an unseriöse Dritthändler und Abzocker zu verkaufen, bereiten sich Marken darauf vor, selbst in den Gebrauchtbereich einzutauchen und zu kontrollieren.

„Im Moment überlassen wir den Handel völlig dem Graumarkt, um die Nachfrage nach gebrauchten Stücken zu befriedigen“, fuhr Bennahmias fort. „Jeder außer den Marken verkauft Second-Hand Uhren, der Konsument wird somit über den Tisch gezogen und erhält ein völlig falsches Bild des realen Werts der gebrauchten Uhren durch die gierigen Händler, die nur ihren eigenen Profit vor Augen haben“. „Die Uhrenhersteller haben da einen völlig anderen Approach, da sie die Uhr ja schon verkauft haben, geht es hier nicht um den Profit sondern um das Image der Marke“.

Bannahmias schätzt, dass das Gebrauchtgeschäft 10 bis 20 mal so groß sein könnte wie der Markt für neue Uhren. Zusätzlich zu den finanziellen Vorteilen würde es Audemars Piguet auch ermöglichen, während des gesamten Lebenszyklus mehr Kontrolle über seine Produkte zu behalten.

Es ist nicht die einzige Marke, die den Eintritt in diese schöne neue Welt erwägt. Jean-Claude Biver, Leiter der LVMH-Uhrenmarken TAG Heuer, Hublot und Zenith, sagte, er erwäge den Eintritt in den Markt. H. Moser & Cie und MB & F haben ebenfalls Interesse an der Untersuchung des Wiederverkaufshandels bekundet.

„Es ist wichtig, den Verkauf von gebrauchten Uhren zu kontrollieren, um die Eigentümer und den Wert von Uhren auf dem Markt zu schützen, indem der graue Markt in Schach gehalten wird“, sagte H. Moser & Cie-Chef Edouard Meylan gegenüber Tick-Talk.ch.

Der Konsumentenfreundliche TV-Sendung „Kassensturz“ hat den Markt 2015 der Gebrauchtuhrenhändler untersucht und festgestellt „Wer seine gebrauchte Uhr dem falschen Händlern zum Kauf verkauft, verliert Tausende von Franken“. Im Kassensturz Rating schnitt die Beyer Chronometrie Zürich am besten ab. Gemäss dem Rating zahlte Beyer die höchsten Preise für gebrauchte Uhren. Was jedoch nicht erwähnt wurde, ist, dass Beyer nur dann hohe Preise bezahlt, wenn man bei ihm eine neue Uhr die mindestens das Doppelte kostet, kauft.

Audemars Piguet hat bisher einen Testlauf in einem Geschäft in Genf durchgeführt, mit dem Ziel, das Geschäft im Laufe dieses Jahres auf weitere Filialen in der Schweiz auszudehnen. Wenn frühe Versuche erfolgreich sind, wird die Marke den Betrieb in den Vereinigten Staaten und Japan ausrollen“.

„Wir erleben einen sozialen und kulturellen Wandel, der uns dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie das Geschäft in fünf oder zehn Jahren aussehen wird“, sagte Bennahmias. „Die Zeit vergeht, wir müssen aufpassen.“

Mehr darüber in der Print-Ausgabe des TOURBILLON Magazin.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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