Dienstag , 25. Juli 2017
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Baselworld 2017 in der Krise

Medientag Baselworld 2017: Luxus in der Krise

Der Baselworld laufen die Aussteller davon. Anstatt mit 1500 musste sich die diesjährige Ausgabe der wichtigsten Messe der Welt für Uhren- und Schmuck-Profis, die vom 23. bis 30 März 2017 stattfand, nur mit 1300 Aussteller aus 40 Ländern und weniger Ausstellerfläche zufrieden geben.  In den letzten drei Jahren hat die Leitmesse 500 treue Aussteller verloren. Ist die weltweit wichtigste Uhren- und Schmuckmesse, die dieses Jahr ihr 100. Jubiläum feiert,  ein Auslaufmodell?

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Für mich war es die 41. Baselworld dieses Jahr. Die Stimmung war miserabel, der Kostendruck war allgegenwärtig. Über den Köpfen der Aussteller war das Balance Sheet ersichtlich. Die Baselworld hat auch mit ihrem ständig steigenden Kosten den Bogen völlig überspannt. „Die Kühe die bisher gemolken wurden, werden jetzt geschlachtet“, so ein Insider an der Baselworld.  „Die Messe ist viel zu teuer und der Messetermin ist zeitlich falsch gelegt“, so Ludovic Lesur, Managing Director der Genfer Marke Charriol. So würde zum Beispiel die Mehrheit der Bestellungen nicht während der Baselworld getätigt, sondern schon vorher. „Vielleicht muss die Messe vorverschoben werden zum Beispiel ganz nah am „Salon International de la Haute Horlogerie“ in Genf wie dies früher einmal war“, so Lesur.

Dass ein so treuer und wichtiger Aussteller der Uhren-und Schmuckmesse wie Dior nächstes Jahr nicht mehr dabei sein wird, kann Ludovic Lesur gut nachvollziehen. „Das Kosten Nutzen Verhältnis ist nicht mehr in Balance“, so Lesur. Die Messe müsse sich überlegen wie es weitergehen soll. Er mache sich ernsthafte Sorgen und frage sich, ob die Baselworld-Leitung die Probleme überhaupt erkennt hat. Die Berichte und Communiques der Messe seien schönfärberisch. Lesur ist ziemlich verärgert. „Für wen halten die uns?“

Sollte die französische Luxusmarke Dior der Baselworld nächstes Jahr den Rücken kehren, wäre dies ein schmerzhafter Verlust für den Veranstalter. Er könnte weitere Abgänge nach sich ziehen, vermuten Informanten. Auch Firmen wie La Montre Hermes, deGrisogono und Chopard denken laut über den Abgang nächstes Jahr nach.

Die hausgemachten Probleme der Baselworld wie Missmanagement, Geldgier, etc. prallen auch auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Uhrenexporte sind im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10 Prozent eingebrochen – es ist dies der 20. Monat in Folge mit einem Rückgang. Besonders betroffen ist der zweitgrösste Exportmarkt, die USA, mit einem Taucher von 26,2 Prozent im Vergleich zum Februar, wie am Dienstag veröffentlichte Zahlen des Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) zeigen.

Branchenfachleute wollen jedoch bereits Anzeichen der Erholung ausmachen. So haben die Exporte nach China, dem drittwichtigsten Markt, um 6,7 Prozent zugenommen. Diese vermochten jedoch das Minus nur teilweise eindämmen. Januar und Februar 2017 zusammengerechnet schrumpften die Ausfuhren um 8,3 Prozent auf 2,93 Milliarden Franken. Im Januar hatte sich die Einbusse noch auf 6,2 Prozent beschränkt. Für mich ist dies jedoch reiner Zweckoptimismus.

«Der Baselworld ist es gelungen, sich selbst neu zu erfinden, anzupassen, zu modernisieren, uns immer wieder aufs Neue zu verändern», sagt Sylvie Ritter, Managing Director der Baselworld.

Die diesjährige Uhren- und Schmuckmesse stand aber gleichzeitig an der Schnittstelle zwischen den glorreichen Zeiten, als es nicht zu gross, zu prunkvoll sein konnte und der Zukunft der Baselworld, die Qualität über Quantität stellen muss.

 

(InfoBox)

4000 Journalisten aus aller Welt

Diametral zur Abnahme der Aussteller steigt die Anzahl der Medienvertreter aus aller Welt exponentiell. Das Interesse an der Baselworld ist also noch immer ungebremst vorhanden. Zudem gewährleistet diese Masse an Medienvertreter eine weltweite Inseratekampagne im Wert eines dreistelligen Millionenbetrags, denn jeder der am Newsstand der Baselworld vertreten ist, muss zwei Gratis-Inserate sowie einen redaktionellen Bericht, der vorgegeben  ist, veröffentlichen.

Jedoch auch die Medienbranche ist einem Wandel unterzogen. Vor allem die Medienvertreter der Social Medias sind ständig am Zunehmen. Blogger, Twitter, Instagrammer, etc. berichten zeitnah von der Baselworld in Wort und Bild. Wobei sich leider jeder als Blogger, Twitterer, Instagrammer bezeichnen kann, um so Uhren abzugreifen.

Die Kriterien zur Erlangung einer Akkreditierung an der Baselworld sind schwammig ausgelegt und werden auch ohne Sorgfaltspflicht in der Praxis umgesetzt. Wobei man als Insider weiss, dass 30 Prozent der Medienvertreter teure Escortgirls sind, die auch zum Geschäft gehören.

Störender Faktor sind auch die Praktikantinnen der deutschen Uhren-Journaille, des Ebner Verlags (Uhrenmagazin, Chronos, watchtime.net, etc) die die Stände sinnlos gelegen und die Gänge der Messe blockieren und den normalen Ablauf behindern.

Auch Anzeigenakquisiteure vor allem der deutschen Uhren-Journaille zeigen Präsenz, die einfach nicht an die Baselworld gehören, und das Geschäft der Journalisten massiv stören.

 

 

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About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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