Dienstag , 18. Dezember 2018
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Baselworld: die letzte Chance

Ich bin kein Fan der Baselworld, 2019 wird es meine 44. Ausgabe (wenn ich dies noch erleben darf), und bin auch keinesfalls über die hausgemachten Probleme der Baselworld erfreut. Die ungewollte Schrumpfkur von der achttägigen Messe mit 1500 Ausstellern zu einer Diatausgabe – sechstätige Messe mit 650 Ausstellern – wäre zu verhindern gewesen.

Aber ich stimme auch zu, dass die MCH Group, die die Baselworld besitzt und organisiert, und die Stadt- und kantonalen Verantwortlichen von Basel, eine Kuh, die  Ihnen jahrelang ohne viel Anstrengungen ausreichend Milch gegeben hat, nun schlachten wollen, indem sie den Ausstellern horrende Summen abnehmen mit dem Fazit dass Gruppen von Ausstellern der Baselworld den Rücken kehren.

Die einzige Neuerung und Innovation in den letzten Jahren, die die Baselworld verbessert hat, war die Entstehung von Airbnb, die die Anzahl der in den letzten Jahren zu vermietenden Räume erhöht hat und es für schwer bedrängte Juweliere und Journalisten erschwinglich gemacht hat.

Nick Hayek, CEO der Swatch Group, hat den Baselworld-Managern Arroganz und Snobismus vorgeworfen, da sie die Schreie von Ausstellern und Besuchern ignorierten.

Die Swatch Group gibt Berichten zufolge rund 50 Millionen US-Dollar für den Bau von Ständen aus und verlagert ihre Mitarbeiter an die Baselworld. Das ist eine astronomische Zahl, wenn man darüber nachdenkt, wo man sonst noch Omega, Longines, Tissot und all die anderen Marken auf der Welt an einem Ort sehen könnte.

Ich hoffe, dass die Baselworld und die Stadt und der Kanton Basel eine einvernehmliche Lösung finden, um mit der Swatch Group ab 2020 zusammenzuarbeiten. Das könnte bedeuten, dass sie, ähnlich wie der SIHH in Genf, der SIHH macht es vor, VIP-Besucher einzuladen und sie wie „Könige“ behandeln.

Warum kann zum Beispiel der SIHH jeden Tag kostenlose Erfrischungen nach freier Wahl, Qualitätsweine von Alain-Dominique Perrin (Ex-Cartier-CEO), Champagner in Strömen und ein ausgezeichnete Drei-Gänge Gourmet-Menüs Mittagessen für die Besucher bieten. An Baselworld müssen Sie die Hallen durchforsten, um ein ausgetrocknetes Sandwich zu finden, das ihr Messebudget sofort mit 15 Schweizer Franken belastet. Auch die Medienvertreter werden mit einem Fastfood Futterttrog abgespeist.

Der SIHH bietet einen kostenlosen Transport, um die Besucher von und zu ihren Hotels zu bringen, während die Stadt Basel es den Taxis erlaubt, während der Baselworld-Woche die Fahrpreise wesentlich zu erhöhen. Ein Shuttlebus vom Flughafen in die Innenstadt von Basel war bis vor zwei Jahren noch frei. Restaurants und Bars haben Menüs speziell für die Baselworld Woche mit höheren Preisen als den Rest des Jahres. Hotels erhöhen die Preise während der Baselworld, Studenten vermieten ihre Wohnungen für die 50-fachen Preise an Aussteller und Medienvertreter.

Diese Beispiele, die sich fortsetzen liessen, widerspiegeln die Summe eines falschen geschäftstüchtigen Verhaltens, das sowohl bei Ausstellern, Besuchern und Medienvertretern nicht goutiert wird und auf die Herr Hayek, der 50 Millionen Schweizer Franken in die Baselworld investiert  auch anspielt.

Eine Änderung dieser kleinen Dinge wird die Baselworld sicher nicht retten, aber sie würde den Ausstellern, den Besuchern und Medienvertretern das Gefühl geben, dass die Verantwortlichen der Veranstaltung die Bedürfnisse der Aussteller und Besucher Ernst nehmen und in den Mittelpunkt ihrer Sanierungspläne stellen.

Die zentrale Frage jedoch ist, wie wichtig ist diese Baselworld für die Swatch Group und soll man an einem Mythos weiterhin festhalten, dies obwohl die Swatch Group überall auf der Welt vertreten ist, um mit Verbrauchern und Handelsvertretern zu sprechen, wie Herr Hayek immer wieder betont.

Hier muss die Schweizer Uhren Industrie aufpassen, dass sie das Kind nicht mit dem Bade ausschüttet, weil es wichtig ist, dass die Schweiz ihre Rolle als Uhrmacherin der Welt behält. Das jährliche Schaufenster in Basel ist Teil dieser Geschichte, und es wäre bedauerlich, wenn die Branche als Ganzes nicht in der Lage wäre, ihr unglaubliches Ausmaß, ihre Fähigkeiten und ihre Kreativität bei einer jährlichen Veranstaltung unter Beweis zu stellen.

Ich sorge mich auch im Namen von Einzelhändlern, wenn der Veranstaltungskalender mehr zersplittert als heute. Der Besuch von SIHH im Januar und der Baselworld im März ist überschaubar, aber es gibt bereits Veranstaltungen, die von Gruppen wie MGS und Festina in verschiedenen Ländern abgehalten werden.

Die Probleme der Baselworld sind hausgemacht und die Baselworld muss einen Weg finden, ihre Reputation in einer digital vernetzten Welt wiederzugewinnen. Käufer und Presse werden auch weiterhin nach einer Möglichkeit suchen, jedes Jahr neue Uhrenkollektionen zu sehen und zu spüren. Sie ärgern sich nur über den mangelnden Respekt, den ihnen die Baselworld und die Stadt Basel entgegenbringen.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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