Montag , 26. Juni 2017
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Alexander Ivanov, Oligarch und Karl Heinz Nuber, TOURBILLON Magazin Herausgeber & TOURBILLON Blogg Tick-Talk Gründer

Besuch bei einem russischen Oligarchen

Eine Begegnung mit dem russischen Sammler Alexander Nikolajewitsch Iwanow, der fern seiner unsicheren Heimat ein Fabergé-Museum unterhält.

DSC06144DSC06136 (1)Der vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes auf zurückhaltende geschätzte drei Milliarden Euro schwere Oligarch hiess uns in seinem 2009 eröffneten Fabergé Museums, das in einem imposanten spätklassizistischen um 1900 gebauten Gebäude in der Sophienallee liegt – in unmittelbarer Nähe der Fussgängerzone Baden-Baden‘s – persönlich herzlich willkommen. Fabergé-Museums Geschäftsführer Sergej Avtonoshkin sorgte für eine reibungslose Übersetzung, da Iwanow nur Russisch spricht und Elionora Vettermann war besorgt uns alle Artefakte detailliert zu erklären.

Mit einer Citizen Ecodrive WR200 Uhr am Handgelenk und in legerer Freizeitbekleidung – einem Leinenhemd und einer Leinenhose von der Stange – sitzt er bescheiden in der modernst gestylten Cafeteria mir gegenüber. Ich finde, keiner beherrscht das Instrumentarium des Understatement so perfekt und glaubwürdig wie er, ausser den Schweizern. Und doch wird Alexander Iwanow in einem Atemzug mit grossem Respekt international mit dem Namen Fabergé in Verbindung gebracht, denn er besitzt mit über 1000 Exponaten die welweit grösste Fabergé Sammlung.

Zum gegenseitigen spontanen Uhren-Check, einer sogenannten «maladie professionnelle»: Iwanow spürte meinen diskreten Blick auf sein Handgelenk und fing die Unterhaltung sofort an. «Ich besitze 11 Tourbillons von unterschiedlichen  renommierten Schweizer Uhrenmarken wie Patek, Vacheron, etc.. Mein Lieblings-Tourbillon ist jedoch das sehr spezielle Tourbillon von Audemars Piguet Royal Oak in Platin mit Diamanten ausgefasst und Platin Armband. Das Uhrwerk ist auch komplett aus Platin. Es gibt nur zwei Exemplare davon weltweit, ich habe mir die Uhr an einer Auktion erworben. Die Uhr, die einen Versicherungswert von 2,5 Millionen Euro besitzt, befindet sich zur Zeit für eine Revision bei Türler an der Züricher Bahnhofstrasse. Türler hat die Uhr sicher zu AP ins Valle de Joux gesandt.»

Warum gerade Standort Baden-Baden und nicht Moskau, wollte ich von ihm wissen. «Die Ordnung hier, die Sicherheit schätze ich sehr an Deutschland», sagt Alexander Iwanow. «Die lokalen Regierungsvertreter sind äusserst kooperativ und unterstützend,» fügt er hinzu. In seiner Heimat sei ein solches Privatmuseum kaum denkbar. In Baden-Baden, wohin es den russischen Geldadel ohnehin seit Generation zu Spielbank und Kur zieht, habe er beste Konditionen gefunden und alles aus eigener Tasche bezahlt. In Russland böte auch das teuerste Alarmsystem keine Gewähr für die Unverletzbarkeit des Eigentums.

Europa, Deutschland, Baden-Baden, Portrait des Kunstsammlers, Inhaber und Kurator des Faberge Museum, Alexander Nikolajewitsch Iwanow (51 Jahre). A. Iwanov haelt die Silberhaesin-Karaffe aus der Hasengruppe von Faberge in seinen Haenden, 27.03.2014 (c) 2014 Christoph Pueschner / Zeitenspiegel
Kunstsammlers, Inhaber und Kurator des Faberge Museum, Alexander Nikolajewitsch Iwanow (52 Jahre). Iwanov haelt die Silberhaesin-Karaffe aus der Hasengruppe von Faberge in seinen Haenden.

Auch in Deutschland geben wir viel Geld für Sicherheitssysteme aus. 17 Millionen Euro habe es gekostet, das Museumsgebäude zu kaufen und zu renovieren, davon wurden 1 Million Euro in das Sicherheitssystem investiert.

Während der ersten zwölf Monate hatte das Fabergé Museum in Baden-Baden einen Gewinn von etwa 500‘000 Euro gemacht, statt den zu erwartenden Gewinn von ca. 1 Million Euro. Zum grossen Teil lag dies wohl am Prozess mit der Firma Fabergé Ltd. Nur einen Monat vor der offiziellen Eröffnung des Museums 2009, hat nämlich die auf der Cayman Islands registrierte Ltd. die dem Finanzinvestor Pallinghurst gehörte, einen Rechtsstreit über die Rechte an der Marke Fabergé initiert. Während des Rechtstreits konnte das Museum den Namen Fabergé nicht verwenden; das bedeutete keine Werbung, aber auch kein Schild an der Tür. Im Jahre 2010 hat das das Frankfurter Oberlandesgericht den Prozess zu Gunsten des Fabergé Museums beendet, und das Museum begann sofort mit vollem Recht, den Namen Fabergé zu nutzen.

Iwanow ist ein Fabergé Besessener -Jäger und Sammler, der alles Schöne haben muss und detailliert katalogisiert. Er sammelt Donosaurierfossilien, sammelt alte Meister, sammelt Ikonen, sammelt Oldtimer, hat über 100 Urfahrzeuge in der Garage und eine komplette Kollektion präkolumbianischer Goldartefakte in der Vitrine, und kein anderer Reicher auf der Welt besitzt so viele Schmuckstücke aus den legendären Goldschmiedewerkstätten des Carl Peter Fabergé.

1993 als er gerade mal 30 Jahre alt war, gehörte ihm bereits die grösste Fabergé-Sammlung Russlands. Ein Ei war jedoch nicht dabei. 2004 dann wollten die Forbes-Erben neun Eier bei Christie‘s versteigern lassen. Dies schien die Gelegenheit. Ivanov hatte sogar schon ein Hotelzimmer in London gebucht. Doch dann kam ihm ein anderer Oligarch zuvor: der in der Schweiz lebende Viktor Vekselberg, dem unter anderem der Aluminiumkonzern Rusal gehört. Er schnappte ihm die neun Eier vor der Nase weg, kaufte sie für rund 100 Millionen Dollar, noch vor der angesetzten Auktion. Ivanov wollte jedoch unbedingt eines der Eier haben, koste es was es wolle. Und so blätterte er im November 2007 bei einer Auktion den Rekordbetrag von 17,7 Millionen Dollar für das sogenannte Rothschild-Ei hin, das von Fabergé einst für den Bankier angefertigt worden war.

Das letzte mit Gold und Diamanten verzierte Fabergé-Ei aus karelischer Birke, das für Ostern 1917 für die Mutter von Zar Nikolaus II. angefertigt wurde, erwarb Alexander Ivanov 1995 in Frankreich. Als Ivanov das karelische Ei kaufte, bezweifelten einige Experten dessen Authentizität, da die Existenz des karelischen Eis vorher nicht bekannt war. Ivanov entdecket jedoch im russischen Staatsarchiv Dokumente, welche die Authentizität des Eis bewiesen.

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Handelt es sich bei dem vom Kunsthaus Wartski um ein „Kuckucksei“? Ein Sammler bezahlte trotzdem 33 Mio. Dollar.

Als ihm jedoch erst kürzlich ein skurriles Gold-Ei mit eingebauter Uhr des Meisterjuweliers Peter Carl Fabergé vom Kunsthaus Wartski angeboten wurde hielt er sich bedeckt zurück. Das als eines von acht angeblich seit 1922 verlorene für den Zaren angefertigte und identifizierte Faberge Ei war mit einem Vacherin Constantin Uhrwerk ausgestattet, mehrheitlich wurden jedoch Zaren Eier mit einem Moser Uhrwerk ausgeliefert. Das «Kuckucksei» wurde von einem anonymen Kunden erworben: Schätzwert 33 Millionen Dollar, so der Londoner Fabergé-Experte Kieran McCarthy. Das Ei, angeblich vom Petersburger Hof-Kunstschmied Carl Peter Faberge gefertigt, hatte Zar Alexander III. im Jahr 1887 seiner Gemahlin Maria Fjodorovna zu Oster geschenkt.

Eigentlich kommt Iwanow aus ganz einfachen Verhältnissen: in der russischen Provinz wurde er als Einzelkind geboren und erhielt so ungeteilt die volle Zuwendung seiner Mutter. Als er zwei war, starb sein Vater. Mit seiner Mutter wohnte er in einer Barackensiedlung mit Gemeinschaftsklo auf dem Hof. Er studierte Jura, wollte Beamter werden, hatte Ideale. «Dann kam die Perestroika mit Gorbatschow, der das Land ins Chaos stürzte», so Ivanov.

Während seiner Studienzeit ist er zu unermesslichem Reichtum gekommen, indem er Schwachstellen des neuen Russland erkannte und für sich nutzte. Er importierte Computer vom Westen in den Osten. «Die Räume unserer Wohngemeinschaft waren bis unter die Decke voll mit Rubel», erinnert sich Ivanov noch heute. «Aber wohin mit dem Geld»? «Um viel Geld im neuen Russland anzulegen, gab es zwei Möglichkeiten. Man plündert die Ressourcen , Rohstoffe, des Landes wie es heute noch die Oligarchen machen oder man geht seinen eigenen Weg und bleibt unabhängig». Iwanow entschied sich für den Letzteren und fing mit Antiquitäten und Fabergé an, so der heutige anerkannte Professor des russischen Kultusministerium.

Iwanow ist selbst ein begnadeter Künstler. Er hat eine eigene Form der abstrakten Malerei, die geometrische Bilder mit extrem lebendigen Farben nutzt, deren Pigmente zum Teil aus sehr teuren und seltenen Mineralien erstellt werden. Das ist einer der Gründe, warum sein erstes Gemälde am 1. Dezember 2010 in London auf einer Auktion bei Bonhams für 60.000 Pfund verkauft wurde.

Seit zwanzig Jahren sei er verheiratet, vor drei Jahren entdeckte seine russische Frau die Unabhängigkeit und liess sich von ihm scheiden, was einen Rosenkrieg nach sich zog. Die Hälfte seines offiziellen Vermögens kostete ihn dies, obwohl eine klare Gütertrennung vorhanden war. Iwanow ist ein Gentlemen durch und durch.
Aus dieser Ehe stammen 2 Söhne, 16 und 18 Jahre, die bei ihm in Moskau und Baden-Baden leben und Kunstgeschichte studieren. Die Nachfolge ist damit schon geregelt. Nun sei er auf der Suche nach einer Frau. Eine ehrliche unabhängige Frau, die weiss wer sie ist, zu finden, das sei sein grösster Wunsch, womöglich eine Deutsche, denn er hat sich in die Mentalität der deutschen Frauen verliebt. «Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert», an das muss ich mich erst gewöhnen, so der erfahrene Schatz Jäger.

peter-ilyic-caykovski-kugularin-dansi-hd-351226-e1338369026531Carl Peter Fabergé

Peter Carl Fabergé (russisch Петер Карл Фаберже; * 18. Maijul./ 30. Mai 1846greg. in Sankt Petersburg; † 24. September 1920 in Lausanne) war ein russischer Goldschmied und Juwelier. Berühmtheit erlangte er durch seine überaus kunstvollen und opulenten Schmuckstücke, insbesondere die sogenannten Fabergé-Eier.

Sein Leben

Fabergé wurde in St. Petersburg geboren. Sein Vater Gustave Fabergé, der einer hugenottisch-stämmigen deutsch-baltischen Juwelierfamilie entstammte, und seine dänische Mutter zogen 1860 nach Dresden, wo die beiden Söhne Peter Carl und Agathon ihre Ausbildung erhielten. 1861 wurde Peter Carl Fabergé in der Dresdner Hofkirche gefirmt. 1870 kehrten sie nach Sankt Petersburg zurück, wo Peter Carl Fabergé 1872 das Juweliergeschäft der Familie übernahm.

Zunächst arbeitete Fabergé als Juwelier, daneben in der Petersburger Eremitage. Gemeinsam mit dem Bruder setzte er die umfangreiche Schmucksammlung instand, restaurierte zahlreiche Stücke, schätzte ihren Wert und katalogisierte sie. Diese Tätigkeit inspirierte die Fabergés, Geschmeide in altrussischem Stil nachzuempfinden und in der eigenen Werkstatt anzufertigen, teilweise als originalgetreue Kopien. Dies brachte ihnen ersten Reichtum.

Der Durchbruch gelang den Fabergés, nachdem sie auf der Allrussischen Ausstellung 1882 in Moskau einige kostbare Arbeiten an den Kaiser Alexander III. verkaufen konnten. Für das erste der Fabergé-Eier verlieh er Peter Carl Fabergé eine Goldmedaille. Diese Ehrung verdankte das Atelier u. a. Eric Kollin, einem finnischen Goldschmied, der die Idee hatte, das traditionelle russische Osterbrauchtum mit Goldschmiedekunst zu verbinden.

In der Folge entstand zu jedem Osterfest ein Fabergé-Ei, das der Zarin Dagmar von Dänemark zum Geschenk gemacht wurde. Fabergé gewann dafür renommierte Juweliermeister wie Michail Jewlampjewitsch Perchin und Henrik Wigström. Nach 1895 ließ Alexanders Sohn und Nachfolger Nikolaus II. je zwei Eier anfertigen, die er der Zarin Alexandra und seiner Mutter schenkte.

Mit den Kronjuwelen, den offiziellen Krönungsgeschenken an Nikolaus II. und vielen von der Zarenfamilie in Auftrag gegebenen Arbeiten, zumeist originalgetreuen Kopien – nicht einmal der Zar selbst konnte seine Tabakdose von einer Replik zum Gebrauch in der Sommerresidenz unterscheiden –, entstanden bis 1916 die meisten Werke Fabergés, der nun den Titel des Kaiserlichen Hofjuweliers trug. Auf der Höhe seines Erfolgs, als Fabergé neben Tafelsilber, Tischuhren und dekorativen Skulpturen auch Metallschnitzereien nach Vorbildern der russischen Volkskunst herstellte – daneben aber auch billigen Modeschmuck in „westlichem“ Stil aus der Serienproduktion mit Strass und unedlen Metallen –, unterhielt die Familie Niederlassungen in Moskau, Odessa, Kiew und London mit mehr als 700 Mitarbeitern, davon alleine 500 am Stammsitz in Sankt Petersburg. Von 1882 bis 1917 entstanden ungefähr 150.000 Stücke. 1897 verlieh das schwedische Königshaus Peter Carl Fabergé den Titel des Königlichen Hofgoldschmieds. Sein Werk war im Jahr 1900 der Beitrag Russlands bei der Weltausstellung in Paris.

Die Russische Revolution beendete Fabergés Handwerk. In den Wirren der Oktoberrevolution verkaufte er seine Geschäftsanteile an seine Angestellten und floh nach Finnland und später nach Wiesbaden. Er starb in Lausanne in der Schweiz und wurde mit seiner Frau Augusta auf dem Cimetière du Grand Jas in Cannes bestattet. Seine Söhne Eugène und Alexander gründeten das Juwelierunternehmen nach seinem Tode neu.

Fabergé im 20. und 21. Jahrhundert

Die Tradition Fabergés wurde von 1989 bis 2009 durch die Pforzheimer Juwelenmanufaktur Victor Mayer − als einzigem von Fabergé autorisiertem Werkmeister − nach längerer Unterbrechung wieder aufgegriffen und weitergeführt. Während dieser zwei Dekaden entstanden Werkstücke unter Verwendung der gleichen, heute äußerst seltenen Handwerkstechniken.

Das erste Fabergé-Ei, das nach der Oktoberrevolution wieder offiziell Einzug in den Kreml hielt, war das «Gorbatschow-Friedens-Ei», das dem ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion 1991 anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises überreicht wurde. Das aus Gold, Silber, Email, Diamanten und Rubinen gestaltete Gorbatschow-Friedens-Ei ist auf fünf Exemplare limitiert. Nur zwei Exemplare sind weltweit ausgestellt: Gorbatschows persönliches Exemplar in der Kreml-Rüstkammer in Moskau sowie das Werksexemplar, das 1993 dem Schwabacher Stadtmuseum[1] übergeben wurde.

Die Wiedereinführung von Fabergé in Russland wurde zu Ostern 2001 am 12. April bei einer Galaveranstaltung in der Rüstkammer des Kremls gefeiert. Zu den Exponaten in der Rüstkammer des Kremls gehört auch das bislang aufwändigste von Werkmeister Victor Mayer für Fabergé geschaffene Ei-Objekt: das «Mondphasen-Ei». Für die Fertigstellung benötigten die Kunsthandwerker mehr als 18 Monate. Die Mondphasen zeigt das Kunstwerk in einer Kuppel aus geschliffenem Bergkristall, die Stunden werden in einem kleinen Sichtfenster aus Bergkristall angezeigt.

2009 beendete Fabergé die Praxis der Lizenzierung und übernahm die direkte Kontrolle über Design, Herstellung und Distribution. Victor Mayer bleibt dennoch ein wichtiger Zulieferer für Fabergé.

Eine der bedeutendsten Privatsammlungen von Fabergé-Eiern war die des amerikanischen Medienunternehmers Malcolm Forbes. 2004 verkauften dessen Erben die neun Eier für etwa 90 bis 120 Millionen US-Dollar an den heute in der Schweiz lebenden russischen Geschäftsmann Wiktor Wekselberg.

Am 9. Mai 2009 wurde das Fabergé Museum in Baden-Baden eröffnet.

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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