Sonntag , 20. August 2017
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Jean-Claude Biver

Biver sieht in der Konsolidierung eine Herausforderung

Jean-Claude Biver, Chef des Uhrensegments beim französischen Luxuskonzern LVMH, sieht aufgrund der Abschwächung in China ein schwierigeres Jahr 2016 auf die Schweizer Uhrenindustrie jean-claude biverzukommen.

Zwar sollte der Umsatz bei Uhrenmarken von LVMH, darunter Hublot, 2015 weiterhin zweistellig wachsen, aber das „Problem könnte nächstes Jahr sein“, sagte Biver am Dienstag im Interview mit Bloomberg TV. „Nicht nur für uns, sondern auch für die gesamte Branche.“

Die Einführung der Smartwatch von Apple, zusammen mit dem Anstieg des Schweizer Franken und dem Konjunkturabschwung in China, haben den Ausblick für Schweizer Uhren umwölkt. Die Exporte waren im August gesunken und nehmen Kurs auf den ersten jährlichen Rückgang in sechs Jahren. Die Manager in der Schweizer Uhrenindustrie sind so pessimistisch wie seit vier Jahren nicht mehr, geht aus einer Studie von Deloitte hervor, die im September vorgestellt wurde.

„Hongkong leidet“, sagte Biver, der im August angekündigt hatte, dass TAG Heuer dort ein Geschäft schliessen wird, da hohe Mietkosten und eine abnehmende Zahl von Kunden die Marge beeinträchtigen. „Es gibt auch ein Problem in China“, ergänzte Biver.

 

Den Chinesen nachreisen

Die Schweizer Uhrenindustrie kämpft mit einem schrumpfenden Markt in China, seit die Regierung 2012 begann, überzogen teure Geschenke an Funktionäre an den Pranger zu stellen. Zuletzt heizte die Abwertung des Yuan Sorgen über eine Konjunkturabkühlung an, was die Aktienmärkte weltweit belastete. Laut Biver geben die Chinesen aber weiterhin Geld aus.

„Wir sehen, dass der Verbraucher aus China überall in der Welt umherreist, in jedes Land“, sagte er und verwies auf Nachfrage aus Ländern wie Finnland. „Sie kaufen ausserhalb Chinas.“ Daher werde LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton im japanischen Ginza und in Melbourne in Australien Geschäfte eröffnen.

„Wir werden dem chinesischen Verbraucher dorthin folgen, wohin er geht“, sagte Biver, „wir wollen präsent sein und wir wollen ihm die Möglichkeit geben, eine unserer Uhren zu kaufen.“ Als Antwort auf die Apple-Watch wird die Smartwatch von TAG Heuer am 9. November in New York in den Verkaufsstart gehen – und sie wird wie eine normale Uhr aussehen.

„Das war unsere grösste Herausforderung“, sagte Biver, „wie können wir eine Uhr mit Anbindungen herstellen, die wie eine normale Uhr mit der normalen DNA der Schweizer Uhren aussieht“.

Die TAG Heuer Smartwatch wird nicht wie angekündigt $ 1.400 sondern $ 1.800 kosten. Apple meinte, dass man Smartwatches ab $ 1.500 verkaufen, die Preisrange bei Apple bewegt sich zwischen $ 1.099 und $ 17.000 für die limited Edition. Die Smartwatch wird mit ihrem Google Android-Betriebssystem gegen Apple antreten.  Biver meinte auch, es sei lächerlich zu versuchen die Apple Watch zu konkurrenzieren, jedoch könne er keine besseren Partner wie Google und Intel im Boot haben. TAG Heuer wird auch gegen Gucci mit einem Smartband antreten.

Zur Kooperation von Apple mit Hermès meinte er: „Ich liebe die Apple Hermès Ausführung, weil sie aufzeigt, dass die Smartwatch den Luxusmarkt geknackt hat!“

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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