Sonntag , 20. August 2017
Home / Uhren / Briten kaufen Schweizer Traditionsmarke Breitling

Briten kaufen Schweizer Traditionsmarke Breitling

Der Ausverkauf der Schweizerischen Uhrenindustrie geht weiter. Nachdem die Luxusmarken Eterna und Corum, Ikonen der Schweizerischen Uhrenindustrie,  für viel Geld und mit hohen Schulden in chinesische Hände (Citychamp) gingen, erwarb am Freitag der britische Finanzinvestor CVC – in der Schweiz bekannt als einstiger Besitzer von Sunrise – 80 Prozent  der Aktien von Breitling. Die Luxusuhrenmarke ist eines der letzten unabhängigen Unternehmen der Branche, das in Familienbesitz ist.

Breitling Hauptsitz in Grenchen SO

Doch ganz verabschieden wird sich die Besitzerfamilie Schneider nicht aus dem Unternehmen. Théodore Schneider, Chef seit 1998, wird im Zuge der Transaktion „in Breitling reinvestieren und so mit einem Anteil von 20 Prozent weiter am Unternehmen beteiligt blieben“, so der Firmenchef. Théodore Schneider ist der Sohn des Piloten Ernest Schneider, der den Uhrenhersteller 1979 von der Gründerfamilie Breitling gekauft hatte. Zum Verkauf nun haben ihn wohl einerseits familiäre Gründe bewogen. So sollen zwei Schwestern den Wunsch haben, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Jedoch meiner Meinung nach sind es eher wirtschaftliche Gründe die dazu beigetragen haben.

Interessant ist dabei, dass kein etabliertes Uhrenunternehmen Breitling zum geforderten Preis kaufen wollte – und jetzt eine Finanzfirma zugreift.

TICK-Talk wies anhand der Anzahl an Uhrwerken, die Breitling der Chronometer-Prüfstelle COSC vorlegt, nach, dass die Geschäfte wohl nicht mehr so rund liefen.

TICK-Talk berichtete bereits erstmals im November und dann konkret im Dezember 2016 über einen möglichen Verkauf der Aviatik-Chronographenmarke, die damals für 1 Mrd. Schweizer Franken zur Disposition stand.

Breitling stand in Verhandlungen mit verschiedenen Banken. Meldungen über einen möglichen Verkauf wurden gebetsmühlenartig von Breitling CEO Jean-Paul Girardin immer wieder dementiert.

2. Dezember 2016

Jetzt ist es sicher: Uhrenmarke Breitling wird verkauft

25. November 2016

Ist Breitling der nächste Übernahme-Kandidat?

Lassen wir die Zahlen sprechen. Breitling liess in den goldenen Jahren bis 2008 bis zu 234’000 Uhrwerke pro Jahr zertifizieren. Bis 2010 war die Zahl auf 122’600 gesunken und bis 2015 wieder auf 148’000 gestiegen.

Breitling selbst gibt offiziell keine Zahlen bekannt. Laut Schätzungen erwirtschaftet der Uhrenhersteller einen jährlichen Umsatz von über 400 Mio. Schweizer Franken. Breitling ist historisch stark mit der Luftfahrt verbunden und bezeichnet sich selbst als offiziellen Lieferanten der Luftfahrt.

Breitling betreibt zwei Fertigungsstätten, eine in La Chaux-deFonds NE und eine weitere am Firmensitz in Grenchen SO. Insgesamt beschäftigt die Uhrenmarke 900 Mitarbeitende.

Auch zu den finanziellen Details der Transaktion haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass der Unternehmenswert von Breitling bei etwa 870 Mio. Schweizer Franken liegt.

CVC wiederum ist in der Schweiz kein Unbekannter. Der Finanzinvestor – 1981 in London gegründet – hatte 2010 den Telecomanbieter Sunrise übernommen und fünf Jahre später an die Börse gebracht.  Zudem war CVC jahrelang Hauptgesellschafter der Formel 1; derzeit ist die Beteiligungsgesellschaft beispielsweise an der Parfümeriekette Douglas beteiligt.

Die treibende Kraft hinter dem Deal um Breitling sind der ehemalige Deutschlandchef bei der Investmentbank Goldman Sachs und heutiger Deutschland-Chef von CVC, Alexander Dibelius, und der CVC-Senior Managing Director Daniel Pindur.

Die Private-Equity-Firma CVC Capital Partners geht offenbar davon aus, dass sein internationales Netzwerk dazu beitragen wird, das Wachstumspotenzial von Breitling sowohl in bestehenden wie auch in noch zu erschliessenden Regionen besser zu nutzen. „Die Uhrenfirma soll so auf «eine neue Entwicklungsstufe» gehoben werden, und dabei will man die Marke weltweit noch bekannter machen“, so Alexander Dibelius.

Are you ready for the flight with Breitling?

„Das Ziel ist, die Unabhängigkeit von Breitling zu wahren, und die Zukunft als eigenständige Marke zu sichern“, so Daniel Pindur, Senior Managing Director CVC, zu TICK-Talk. Dass jetzt auch Breitling zum CVC-Portfolio gehört, mache ihn «sehr, sehr happy und stolz», sagt Senior Managing Director Daniel Pindur zu TICK-Talk.

Gemäss Daniel Pindur hat CVC mit Breitling dasselbe vor wie mit Sunrise: Man wolle «die sehr gute Firma noch besser machen» und nach einigen Jahren an die Börse bringen. Pindur rechnet mit einer Investitionszeit von vier bis sechs Jahren.

CVC verwaltet heute Vermögen in mehreren Fonds von insgesamt rund 50 Mrd. US-Dollars.

Nichts ändern dürfte sich aller Voraussicht nach an der Philosophie und Strategie der Marke und Manufaktur. Ob Jean-Paul Girardin , der bisher das Unternehmen als CEO geleitet hat, weiterhin als Garant für die Bewahrung der bewährten und erfolgreichen Breitling Werte an der Spitze stehen wird, wird sich zeigen. Denn Aldo Magado, der als CEO beim turn-around von  Zenith  versagt hat und von Jean-Claude Biver kurzer Hand geschasst wurde, könnte als neuer Breitling CEO gehandelt werden, so die Spekulationen. Auch Valerie Burgat, die für die Kommunikation von Breitling bisher verantwortlich zeichnete, könnte ein Opfer einer möglichen Neuausrichtung sein.

John Travolta, Hollywood Star und Breitling Markenbotschafter

Inszenierung eines Super Deals

Es war einmal eine hübsche Braut, die mehr sein wollte als sie war, bis sie abhob, bis ihr das Geld, das sie ausschliesslich in ihr Aussehen und die Attraktivität investierte, ausging. Also sah sie sich um und fing ein Verhältnis mit dem wohlhabenden Bräutigam Rolex an. Man tauschte sich aus und hatte gemeinsam Spass und erkannte sehr schnell, dass man viele Gemeinsamkeiten besass. Heute würde man sagen eine win-win-Situation ist eingetreten. Einziger Schönheitsfehler, Rolex war mit der Stiftung verheiratet. Die Stiftung war offiziell gegen die Ehe mit Breitling und die Kinder, die sie in die Ehe einbringen sollte. Eine Scheidung kam also nicht in Frage. Also wie konnte man das Problem lösen, Rolex fing an Breitling Gefallen zu finden und wollte von der Braut die Finger nicht mehr lassen. Viele Kinder waren geplant. Also musste man jemanden finden, der die beiden zusammenbringen konnte, ohne dass dies die Öffentlichkeit mitbekam. Ein guter und glaubwürdiger Freund aus dem fernen United Kingdom, die CVC half aus. Rolex zahlte die Aussteuer, Breitling fand einen potenten Bräutigam, mit dem man weiterhin Baby’s, Uhrwerke austauschen und herstellen konnte und die Öffentlichkeit respektive der Konsument wurden wieder einmal hinters Licht geführt.

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

Schreibe einen Kommentar