Mittwoch , 20. Juni 2018
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Eric Vallat wird zum Leiter Fashion & Accessories bei Richemont ernannt.

Cartier und Van Cleef & Arpels Schmuck retten Richemont’s Jahresergebnis

Das Geschäft mit Uhren stagniert, genau wie jenes mit Leder- und Schreibwaren. Bei den Kleidermarken muss Patron Johann Rupert gar eine Schrumpfung verzeichnen. Mit Eric Vallat hat er einen Manager engagiert, der auf viel Mode-Erfahrung zurückblickt). Was Richemont antreibt – beim Umsatz und bei der Bottom Line –, ist das Geschäft mit Schmuck – allen voran bei der Mega-Marke Cartier gefolgt von Van Cleef & Arpels. Ohne deren Glanz wäre Richemont letztes Jahr kaum vorwärtsgekommen. Die Analysten und Anleger berücksichtigten zu wenig, dass Richemont nach der Uhrenkrise noch immer mit Aufräumarbeiten beschäftigt ist.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18, das Ende März abgeschlossen wurde, rapportierte der Luxusgüterkonzern am Freitag ein geringes Umsatzwachstum von 3% auf knapp 11 Mrd. €. Auffällig ist vor allem das schwache letzte Quartal. Nach den ersten neun Monaten hatte Richemont beim Umsatz noch einen Zuwachs von 7% vermeldet.Auch die Gewinn- und Margenentwicklung überzeugte nicht. Der Betriebsgewinn (Ebit) kletterte 5% auf 1,84 Mrd. €, die Ebit-Marge legte geringfügig auf 16,8% zu.

Umsatztreiber waren einmal mehr die beiden Schmuckmarken Cartier und Van Cleef & Arpels, die den Umsatz um 9% steigern konnten. Der Uhrenbereich mit Marken mit IWC, Vacheron Constantin, Piaget und Panerai erlitt wegen den Lagerrückkäufen ein Minus von 6%.

Ein Problemfall bleibt weiterhin der Geschäftsbereich «Andere», der alle anderen Aktivitäten (Leder, Schreibwaren, Bekleidung) umfasst. Mit dem Verkauf von der Marke Shanghai Tang ist ein erster Schritt gemacht worden. Weitere werden wohl noch folgen müssen. Man darf auf die nächsten Entscheidungen gespannt sein.

Drei Gründe sorgten für Enttäuschung

Es sind vor allem drei Faktoren, die das Ergebnis von Richemont verhagelt haben. Erstens drückte der über die vergangenen Monate erstarkte Euro, die Rechnungswährung des Konzerns, auf die Profitabilität. In Lokalwährungen wies Richemont wenigstens ein Wachstum von 8% aus.

Zweitens war Richemont in den vergangenen Monaten noch immer stark damit beschäftigt, die Auswirkungen der Uhrenkrise aus der Welt zu schaffen. Händler, die auf vollen Lagern sitzen, bestellen keine neuen Modelle. Deshalb bot Richemont weiterhin Hand, Ladenhüter zurückzukaufen. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich diese Rückrufaktion auf 208 Mio. €, ein Jahr zuvor belief sich das Volumen auf 249 Mio. €. Mit dem Rückkauf von Uhren will der Konzern verhindern, dass diese schliesslich auf Graumarkt-Kanälen veräussert werden. Denn dies könnte den Ruf der Marken beeinträchtigen, wenn Uhren auf Drittkanälen mit Preisabschlägen veräussert werden.

Drittens lahmte der Verkauf von teuren Uhren in Europa, wo der Verkauf um 3% nachgab – ganz im Gegensatz zu Asien (plus 12%).

Optimistisch in die Zukunft

Doch nun sollten die Aufräumarbeiten beendet sein. «Wir gehen davon aus, dass keine weiteren Lagerrückkäufe mehr nötig sind», sagte Finanzchef Burkhard Grund an einer Telefonkonferenz. Richemont sei nun für die kommenden Jahre und Jahrzehnte gut aufgestellt. Cartier-Chef Cyrille Vigneron sagte, dass er davon ausgehe, dass die demographische Entwicklung – immer mehr Leute, die sich teure Güter leisten können – der Luxusindustrie in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren Wachstum beschert.

Im Ausblick äussert sich Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär Johann Rupert gewohnt zurückhaltend. Nach wie vor sieht er die Richemont-Marken wie Cartier, IWC oder Piaget am Markt gut positioniert, um langfristige Erfolge zu erzielen. Weiter wird das Senior Executive Committee, also der Geschäftsleitung, um eine Funktion und Person ergänzt. Eric Vallat wird zum Leiter Fashion & Acceories ernannt.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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