Sonntag , 20. August 2017
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China’s Börsencrash bremst Schweizer Uhrenindustrie

Die Kurse an Chinas Börse fahren Achterbahn. Nach Einbrüchen in zweistelliger Prozenthöhe haben sie sich dank kräftiger staatlicher Interventionen zwar stabilisiert. Dennoch liegen sie noch 20 bis 40 Prozent unter den Höchstständen von Anfang Jahr. «Die Korrektur könnte und sollte auch positive Auswirkungen haben», sagt Martin Brasser, Geschäftsführer von Connect China, einer Plattform, die Unternehmern hilft, in China Fuss zu fassen.

Die Aussage überrascht, die Begründung weniger: «Die börsenkotierten ­Unternehmen in China sind staatliche Konglomerate mit riesigen Administrationsapparaten.» Man wisse nicht genau, wie wettbewerbsfähig diese seien und wie viel Vertrauen die Chinesen in deren Geschäft haben. Kein Wunder also, komme es zu einer Korrektur. «Das ist ein Anreiz, dass die grossen Staatsunternehmen effizienter und nachhaltiger werden», sagt Brasser, der regelmässig in China ist. Ob dies gelinge, hänge im Wesentlichen von der Regierung ab und sei Inhalt eines aktuellen politischen Richtungsstreits.

Wichtige Player seien aber auch die Kleinanleger, die wegen des Crashs um ihre Ersparnisse fürchten. Wie angespannt die Lage vor Ort ist, zeigt ein Beispiel eines Schweizer Unternehmers mit Standort in China. Der Firmenchef, der anonym bleiben möchte, erzählt von ­einer Sitzung mit seinen chinesischen Managern. «Sie verfolgten auf ihren Handys quasi ständig die Börsenkurse.» Als der Firmenchef intervenierte, antworteten ihm seine Manager: Sie hätten in der zweistündigen Sitzung 1,2 Millionen Yuan verloren. Das sind fast 2 Millionen Franken. «Seither sage ich Sitzungen nur noch nach Börsenschluss an», sagt der Firmenchef.

Gemäss Kurt Haerri, langjähriger Präsident der Handelskammer Schweiz-China, ist die Stimmung sehr emotional. Auswirkungen erwartet er vor allem auf die Konsumentenstimmung: «Das sonst schon tiefe Vertrauen wird durch die Börsenbaisse noch stärker geschmälert.» Es bestehe eine grosse Gefahr, dass die Regierung das geplante Wachstum des Binnenkonsums nicht erreiche.

So habe etwa die Handelsfirma DKSH, die stark in Asien verankert ist, «keine nennenswerten Auswirkungen» gespürt, sagt ein Sprecher. Man trennt sich von der Uhrendivision respektive von den Uhrenmarken Maurice Lacroix und der erst kürzlich akquirierten Glycine, da die asiatischen Märkte Einbrüche erleiden und Managementfehler, Fehler in der Strategieausrichtung und gravierende Fehler der Berner PR Agentur Gretz Communication zu diesem Schritt führten.

Selbst im Luxus- und Konsumgüterbereich, für welchen Experten aufgrund der verunsicherten Anleger die grössten Auswirkungen erwarten, will man sich die Stimmung nicht vermiesen lassen. So sagt beispielsweise Swatch-Chef Nick Hayek: «Wenn es Auswirkungen hat, dann wären diese für uns langfristig gesehen eher positiv. So lernen auch die Chinesen, dass es besser ist, in Schweizer Uhren zu investieren, als an der Börse zu spekulieren.» Hayek spricht aus Erfahrung: Diesen Effekt habe Swatch seinerzeit in den USA schon beobachtet, bei Beginn der US-Subprimekrise in den Jahren 2006/07. «Damals verkauften wir substanziell mehr Uhren in den USA.»

Immerhin: Im Gegensatz zu Hongkong, wo Swatch im ersten Halbjahr einen deutlichen Nachfragerückgang verzeichnete, zeigte sich der Swatch-Chef bei der Präsentation des Ergebnisses Mitte Juli mit dem Wachstum in China zufrieden.

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