Freitag , 23. Juni 2017
Home / Uhren / Chronometrie Beyer: Schon wieder Opfer eines Raubüberfalls

Chronometrie Beyer: Schon wieder Opfer eines Raubüberfalls

Ein unbekannter Täter hat heute die Chronometrie Beyer an der Zürcher Bahnhofstrasse überfallen. Er entwendete rund ein Dutzend Luxusuhren im obersten Preis-Segment. Die Polizei tappt – wie so immer – im Dunklen.

Heute um 10 Uhr 45 überfiel  ein Unbekannter die Chronometrie Beyer an Zürichs Shoppingmeile Bahnhofstrasse. Der Mann circa 1,80 bis 1,85 Meter gross, von sportlicher Statur sprach gebrochen Englisch, trug eine schwarze Kappe und bedrohte die Angestellten mit einer Faustfeuerwaffe. Er erbeutet rund ein Dutzend neue Uhren im obersten Preissegment, unter anderem von Patek Philippe, der Mann hatte Stil und Geschmack. Er musste ein Kenner der Branche sein, was seine gezielte Auswahl betraf.

Das Photo, aus der Überwachungsfilmkamera der Chronometrie Beyer, das die Polizei auf Twitter danach veröffentlichte, könnte einem bekannten Uhrenfachjournalisten ähneln, den Rene Beyer in regelmässigen Abständen in sein Fachgeschäft einlädt, dem das Sicherheitsdispositiv bestens bekannt sein könnte. Möglicherweise handelte es sich um einen watch-insider. Die Polizei hat jedoch keinen Zugang in die Szene, die der Autor seit über 40 Jahren bestens kennt.

René Beyer, der Patron, bekannt für Adipositas und schlecht sitzende Anzüge „made in Hongkong“

Die Chronometrie Beyer war bereits einmal Ziel eines Raubüberfalls – im April 2002. Nach dem damaligen Überfall wurden an der Bahnhofstrasse Poller aufgestellt, um sogenannte Rammbock-Überfälle zu verhindern.

Die Beyers, die das Geschäft inzwischen in achter Generation betreiben, haben unliebsame Erfahrung mit Räubern. 1996 zum Beispiel drangen drei italienisch sprechende Maskierte ein und packten Schmuck und Uhren im Wert von 3 Millionen in Plastiksäcke. Darunter ein Diamantcollier, das 1,5 Millionen kostete. Danach flohen sie in einem gestohlenen Auto. Geschäftsführer René Beyer erzählte später einmal, bei einem Überfall entwendete Schmuckstücke seien später in der Wohnung eines italienischen Drogenbarons sichergestellt worden. Er nutzt geschickt die Überfälle für PR-Zwecke mit einer Doppelseite im der Sonntagsausgabe des Blick, damit er im Gespräch bleibt.

Edelsteine und Luxusuhren sind begehrte Beute. Der Raub im Zürcher Uhrengeschäft am Mittwoch war nur der letzte in einer langen Reihe von brutalen Überfällen. Ein Überblick.

Mittwoch, 22. Februar 2017: Uhrenatelier Rindermarkt
Am Nachmittag überwältigen zwei Täter den Geschäftsführer des Uhrenateliers Rindermarkt und einen Kunden, der sich zur Tatzeit im Laden aufhält. Die Räuber fesseln die beiden Männer und rauben mehrere Luxusuhren. Deren Wert liegt laut Schätzungen der Polizei im sechsstelligen Bereich. Gemäss Zeugenaussagen sprechen die Täter in einer slawischen Sprache miteinander. Die Ergebnisse der Spurensicherung liegen laut Polizei noch nicht vor. Die Täter sind flüchtig.

13. Juli 2016: Uhrenatelier Rindermarkt
Ein Täter gibt sich als Kunde aus und lässt sich im Uhrenatelier Rindermarkt mehrere Modelle zeigen. Ohne Vorwarnung schlägt er den Geschäftsinhaber nieder und erbeutet Luxusuhren der Marke Rolex im Wert von mehreren zehntausend Franken. Zu Fuss gelingt dem Räuber die Flucht. Die Polizei klärt zurzeit ab, ob Parallelen zwischen den zwei Überfällen auf das Uhrenatelier Rindermarkt bestehen. Zehn Jahre zuvor wurde das Geschäft auch schon einmal ausgeraubt: Der Täter war ein 32-jähriger Litauer.

28. Mai 2016: Bijouterie Graff
Vier Räuber rasen an einem Samstagnachmittag mit einem VW Touareg in das Schaufenster der Bijouterie Graff. Beim ersten Versuch bricht das Glas nicht, erst beim zweiten Anlauf gelingt es den Tätern, das Schaufenster zu zerstören. Die Nummernschilder des Fahrzeugs sowie die beiden Roller, welche die Täter zur Flucht benutzen, sind gestohlen. Der Überfall ist aus Sicht der Räuber nicht besonders erfolgreich: Die Angestellten der Bijouterie geben der Polizei später an, dass nur ein Schmuckstück vermisst wird. Zudem springt einer der beiden Roller nicht an, und zwei der Täter müssen zu Fuss flüchten. Es ist der erste Rammbock-Überfall an der Bahnhofstrasse seit über zehn Jahren.

20. Februar 2016: Schmuckgeschäft Harry Hofmann
Drei Unbekannte überfallen am Samstagnachmittag das Schmuckgeschäft Harry Hofmann an der Rämistrasse 33. Die Täter richten eine Faustfeuerwaffe auf das Verkaufspersonal und rauben Schmuckstücke, Edelsteine und Bargeld aus der Auslage. Die Beute hat einen Wert von mehr als einer Million Franken. Zu Fuss flüchten sie Richtung Heimplatz. Die Ermittlungen der Polizei weiten sich rasch nach Deutschland aus; ein Mann, der in Düsseldorf einen Raub verübt, gleicht einem der Täter aus Zürich. Dies stellt sich jedoch als falsche Spur heraus. Einer der mutmasslichen Täter, ein 35-jähriger Serbe, wird im April 2016 an der Grenze zu Österreich festgenommen. Ermittlungen weisen darauf hin, dass er Teil der «Pink Panther»-Bande ist, die auch als Drahtzieher hinter dem Überfall auf die Bijouterie Türler von 2013 vermutet wird.

4. Februar 2014: Bijouterie Chopard
Während der Geschäftszeiten an einem Dienstag rauben zwei Männer die Bijouterie Chopard an der Bahnhofstrasse aus. Einer der Täter trägt eine Faustfeuerwaffe auf sich; sein Komplize verdeckt sein Gesicht mit einem Motorradhelm. Mit mitgebrachtem Werkzeug schlagen sie eine Vitrine ein, packen Uhren und Ringe im Wert von über 100 000 Franken ein und flüchten auf einem Motorroller.

14. April 2013: Uhrengeschäft Türler
An einem Samstagmorgen öffnet ein Mitarbeiter des Traditionsgeschäfts Türler an der Bahnhofstrasse 28 einem «gepflegten» Herrn die Türe. Als der Mann eintritt, kommen drei weitere sofort hinterher. Die Täter ziehen sich Masken über und bedrohen die Angestellten mit Pistolen. Die Mitarbeitenden müssen sich auf den Boden legen. Darauf schlagen die Täter die Vitrinen ein und stehlen Schmuck und Luxusuhren im Wert von mehreren hunderttausend Franken. Nach dem Raub steigen die vier Männer in einen vor dem Laden wartenden Audi ein. Die Polizei ist rasch vor Ort. Es folgt eine Verfolgungsjagd über den Paradeplatz; die Polizei bricht die Aktion jedoch rasch ab, um keine Passanten zu gefährden. Bei den Räubern dürfte es sich um Mitglieder der «Pink Panther» handeln.

15. Mai 2010: Bijouterie Gübelin
Vier Räuber dringen an einem Samstagmorgen in die Bijouterie Gübelin an der Bahnhofstrasse ein. Sie bedrohen die Angestellten mit Faustfeuerwaffen und räumen die Vitrinen aus. Zur Tatzeit befinden sich keine Kunden im Geschäft. Danach stürmen die Männer aus dem Laden und flüchten mit einem Fahrzeug in Richtung Enge. Das Auto wurde wenige Tage zuvor im Kanton Luzern als gestohlen gemeldet. Die Täter erbeuten 56 Uhren und 46 Schmuckstücke im Gesamtwert von 5,5 Millionen Franken. Hinter dem Raub wird das international agierende Juwelenräuber-Netzwerk «Pink Panther» vermutet. Einer der Täter, ein 36-jähriger Serbe, wird im August 2011 in der Türkei verhaftet. Vor Gericht gesteht der Mann 2015 die Tat. Das Zürcher Obergericht erhöhte im Oktober 2016 zweitinstanzlich das Strafmass auf elf Jahre Freiheitsentzug.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

Schreibe einen Kommentar