Montag , 23. Oktober 2017
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Davide Traxler, Corum CEO und Interims CEO von Eterna musste gehen, obwohl er einen hervorragenden Job geleistet hat. (Bild: Karin Hofer / NZZ)

Citychamp Jewelery & Watch Group fährt Eterna an die Wand und sucht nach neuem Corum CEO

Die Chinesische in Hongkong börsenkotierte Citychamp Jewelery & Watch Group schreibt 200 Millionen Schweizer Franken Verlust, stellt alle Eterna-Aktivitäten ein  und feuert den Corum CEO und Eterna Interims CEO Davide Traxler auf respektlose Art und Weise.

Die Unruhe um die Grenchner Traditions-Uhrenfirma Eterna war gross: Nach dem Rücktritt des CEO, Robert Dreyfuss, war Eterna führungslos, gleichzeitig türmten sich Betreibungen in der Höhe von über 700’000 Franken auf. Fragen nach der Zukunft der 2011 von der chinesischen Citychamp Group übernommenen Uhrenfirma und der Arbeitsplätze blieben unbeantwortet.

Jetzt gibt der neue CEO ad interim, Davide Traxler, Entwarnung. Er ist gleichzeitig Chef der Uhrenfirma Corum in La Chaux-de-Fonds, die ebenfalls zur Citychamp Group gehört.

«Spätestens in zwei Monaten sind alle Rechnungen bezahlt», erklärte er laut Medienberichten am Eterna-Stand an der Baselworld. Insgesamt hätte Eterna vier Millionen Franken an offenen Rechnungen gehabt. Die Zahlungen würden alle getätigt, eine Million im letzten Monat, zwei Millionen im März und eine Million bis spätestens Ende April. Eterna sei angeschlagen gewesen und deshalb hätten die chinesischen Besitzer im vergangenen Herbst die Notbremse gezogen und alle Zahlungen gestoppt. Wie berichtet, wies Eterna 2015 bei einem Umsatz von umgerechnet 21 Millionen einen Verlust von 8 Millionen Franken aus.

Künftig sollen Corum und Eterna enger zusammenarbeiten, insbesondere in der Distribution. Zudem wollen die Grenchner ihre Uhren künftig auch über den Onlinehändler Amazon verkaufen. Was die Zusammenarbeit für die Eterna-Angestellten bedeutet, ist offen. Traxler sagte aber in Basel: «Eterna bleibt in Grenchen.» Bei Eterna arbeiten 23 Angestellte und bei der Uhrwerkherstellerin Eterna Movement Company 33 Beschäftigte.

Davide Traxler, CEO von Eterna,  wurde heute mit sofortiger Wirkung freigestellt, wie Marie-Alexandrine Leibowitch, PR-Leiterin der Schwesterfirma Corum in La Chaux-de-Fonds, auf Anfrage bestätigt. Traxler hat auch sein Amt als CEO von Corum niedergelegt. Aus dem Hause Eterna und Corum wurde bestätigt, dass Citychamp alle Aktivitäten der Eterna einstellen wird. Die City Champ ist bereits schon wieder auf der Suche nach einem neuen CEO, es soll wieder ein dieser unglücklichen Schweizer CEO’s sein, die sich seit einiger Zeit suchend auf dem Markt befinden. Mehr darf darüber nicht kommuniziert werden.

Rückblickend: warum hatte Eterna – eine Ikone der Schweizerischen Uhrenindustrie – das Glück schon wieder verlassen? Das eigentliche Problem war Robert Dreyfuss der seine Dreyfuss Gruppe (mit den Uhrenmarken Rotary, Dreyfuss & Co., und J & T Windmills) am 11. April 2014 an die City Champ verkaufte und selbstverständlich ausschliesslich interessiert war, dass seine Braut gut dasteht. Das befristetet Mandat als interims CEO bei Eterna kam ihm sehr gelegen. Einerseits konnte er die Dreyfuss Gruppe mit den zur Verfügung stehenden Eterna Mitteln und Budgets ausstatten, sanieren und in die Citychamp integrieren. Auf der anderen Seite konnte er den chinesischen Eigentümer Hon Kwok Lung beweisen, dass er keine Mittel zur Sanierung von Eterna benötigt  hat und wurde als Top-Sanierer gefeiert. Was blieb von Dreyfuss nach seinem Abgang, ein Haufen von nicht bezahlten Eterna Rechnungen hatte sich zwischenzeitlich angehäuft.

Gaosheng Yan, der Vertreter der Haidian- heute Citychamp Gruppe bei Eterna, erklärt den Niedergang damit, dass „am Anfang keiner wusste, was zu tun war, um der Marke wieder neues Leben einzuhauchen. Was uns interessierte, waren das Know-how und der Wert der Marke“. Die Übernahme sei keine einfache Sache gewesen, sagt Yan: „Zu Beginn konzentrierten wir uns auf die finanzielle Situation und haben dadurch die spezielle Kultur der Uhrenindustrie etwas vernachlässigt. Dazu kamen die unterschiedlichen Philosophien der westlichen und der östlichen Kultur, was zu Kommunikationsproblemen zwischen den Managern führte.“

Um die Situation zu verbessern, hat Citychamp ex-Haidian entschieden, seinen CEO Jianguang Shang ins Management von Eterna zu integrieren. Yan unterstützt ihn und koordiniert die Kommunikation zwischen den Management-Equipen. Die Chinesen verfolgten eine rigorose Kostenkontrolle und Gewinnoptimierung, sagt Shang: „So kommt man zu Geld“, sagen die Chinesen. Die Schweizer hingegen argumentierten, dass, wer einen Baum pflanze, mehrere Jahre warten müsse, um die Früchte ernten zu können. „So fabriziert man Uhren“, sagen sie. „Um Vertrauen und gegenseitiges Verständnis aufzubauen, habe ich den Schweizern die Ideen von Haidian näherbringen müssen und umgekehrt“, sagt Yan. „Jetzt hat sich die Situation stark verbessert,“ so das Fazit von Yan vor dem rigorosen Aus der Eterna.

„Die Situation bei Eterna zwingt uns, die Personalkosten zu senken“, sagt Traxler. Um das Synergiepotenzial zwischen beiden Firmen optimal zu nutzen, sei die Integration von IT-Abteilungen, Verkauf, Marketing, Logistik und Produktion im Gang. Und zwar offensichtlich in La Chaux-de-Fonds. Dabei würden aber Eterna und Corum am Markt weiterhin autonom als Marken auftreten. Ende April seien ingesamt 22 Personen bei Eterna beschäftigt gewesen, 7 davon in der Abteilung après-vente, sprich Reparaturdienst. „In wenigen Monaten wird diese Abteilung die wichtigste  Aktivität der Eterna AG in Grenchen sein“, hält Traxler vage fest.

Der abrupte Abgang von Traxler reiht sich nahtlos in den häufigen Managementwechsel in den vergangenen Jahren ein. Auch ich durfte in der Vergangenheit bei 7 verschiedenen Eterna CEO’s einflüstern.

Ich persönlich habe nie an die chinesische Lösung für die Schweizer Uhrenmarken Eterna und Corum  geglaubt. Und bin auch traurig darüber, dass ich Recht bekommen habe.

Auch meine Erfahrungen mit Chinesischen Geschäftsleuten waren nur negativer Natur.

Die CWCF China Watch & Clock Fair in Shenzhen engagierte mich für den Swiss Pavillon für deren Schweizer Aussteller, Mitglieder des AHCI, ich verantwortlich zeichnen sollte. Doch als ich vor Ort war konnte ich mich von den Gegebenheiten überzeugen. Sehr viele Aussteller, die Imitate an den Mann und die Frau bringen wollten, störten unser europäisches Gleichgewicht. Ich informierte den Inhaber darüber, er sah jedoch nicht ein, dass er auf diese Aussteller verzichten sollte. Um glaubwürdig renommierte Schweizer Hersteller aus der Uhrenindustrie für diese Messe zu akquirieren, hätte man auf die Aussteller mit den Imitaten verzichten müssen. Das sah der Chinesische Eigentümer jedoch nicht ein. Er wollte an den Plagiatoren festhalten, verlor mich und die Zukunft mit ernstzunehmenden Ausstellern aus der Schweizerischen Uhrenindustrie.

Der chinesische Präsident der CWCF China Watch & Clock Fair in Shenzhen, Mr. Zhu Shun Hua, war auch sehr interessiert, das Tourbillon zu erwerben, da er grosse Synergien zwischen meiner Zielgruppe und seiner Zielgruppe erkannte. Jedoch auch hier – alles nur Blabla und keine Performance.

Eine Chinesische Gruppe mit 20 Flagship Stores in China (Omega, Panerai, Vacheron Constantin, Cartier, etc.), die Ningbo Ruixing Watch & Clock Co., Ltd, sah Synergien zwischen meinem Magazin TOURBILLON und Ihrer Zielgruppe. Die Delegation wurde auf meine Kosten verköstigt, das Teuerste war gerade gut  genug (Dolder Zürich) und abends bespasst. Doch ausser Spesen wiederum nichts gewesen.

Für mich kommt eine Nachfolge-Regelung durch Chinesen nie und nimmer zustande. Zu gross sind die mentalen und kulturellen Unterschiede. Vor allem eines haben die Chinesen nicht erkannt, bevor man erntet muss man sähen, sonst kann man nichts ernten. Dieses Verständnis ist den Chinesen völlig fremd.

P.S: Das was Andrea Martel über das Thema Eterna und Corum in der NZZ schreibt, zeugt davon, dass die Frau keine Ahnung von der Uhrenindustrie hat. Sie versteigt sich nur in Spekualtionen, keine Fakten, stützt sich auf zweifelhafte Quellen wie Business Montres, die von einem selbstverliebten Tunesisch-Marrokanischen Gastarbeiter in Genf betrieben wird, der Gründungsmitglied des Syndikat WWMG ist, einem Syndikat, das den weltweiten Uhrenjournalismus steuert.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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