Mittwoch , 13. Dezember 2017
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Au revoir Johnny Hallyday!

Seine Konzerte waren legendär, seine Alben spielten Millionen ein: Johnny Hallyday hat es mit Rock auf Französisch zur Musikikone geschafft. Nun ist der Altrocker gestorben.

Generationen von Franzosen haben ihn angehimmelt und gefeiert. Mit seinen Konzerten füllte Johnny Hallyday die größten Säle und Stadien bis zum letzten Platz. Durch seine unerschütterliche Durchhaltekraft ist er in Frankreich zu einer Ikone geworden. Nun hat den Rock- und Schlagersänger der Krebs besiegt. Hallyday ist in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 74 Jahren gestorben.
Hallyday war ein Phänomen. Im Jahr 2000 feierte er mit mehr als einer halben Million Zuschauern auf dem Marsfeld sein 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Gratiskonzert. Zwei Jahre zuvor füllte er fünf Mal hintereinander das Pariser Fußballstadion Stade de France mit über 80.000 Plätzen aus. „In Frankreich ist Hallyday unerreichbar“, erklärte der britische Musiker Mick Jagger damals voller Bewunderung.Seine Konzerte waren einzig. Schweißgebadet riss er seine Fans stundenlang mit. Täglich trainierte er zwei bis drei Stunden, um fit für die Bühne und sein Publikum zu sein.

Showbusiness in die Wiege gelegt

Johnny Hallyday bei der Präsentation der Crazy Skull Uhr mit Fawaz Gruosi, DeGrisogono, in Paris

Hallyday hat den Rock auf Französisch interpretiert. Dabei hat er einen ganz eigenen Stil entwickelt, denn er integrierte in seine Musik die verschiedensten Trends: Dem Rock’n Roll folgten Country, Psychedelisches, Techno und Hip-Hop. Er arbeitete mit großen Pop-Stars wie Jon Bon Jovi und Patrick Bruel zusammen. Mit Songs wie „Quelque chose de Tennessee“, „Oh, ma jolie Sarah“ oder „Je t’aime“ schwankte er musikalisch zwischen Joe Cocker, Elvis Presley und Georges Brassens.
Jean-Philippe Smet, so sein bürgerlicher Name, wurde das Showbusiness gewissermaßen in die Wiege gelegt. Er wurde als Sohn eines belgischen Schauspielers, Sängers und Tänzers in Paris geboren, der die Familie verließ, als Hallyday acht Monate alt war. Weil die Mutter arbeitete und keine Zeit für ihn hatte, wuchs er bei ihrer Schwester auf, die mit ihren Töchtern und dem knapp einjährigen Johnny ab 1944 auf Tanztournee ging. Die Gruppe nannte sich „The Hallydays“.
Als Teenager kehrte er nach Paris zurück, wo er sich als Gelegenheitssänger und Pausenfüller in den Musikclubs um die Place Pigalle sein Geld verdiente. Was für die amerikanischen Jugendlichen die Beatles und Presley waren, war für die französischen Jugendlichen der Halbstarke Hallyday mit der Grölstimme.
Schwerarbeiter unter den Popmusikern
Als Vorbilder dienten Hallyday tatsächlich der US-amerikanische Rock ’n‘ Roll und Elvis Presley. Und so wie Elvis leistete auch er seinen Wehrdienst in Deutschland ab und nahm dort einige seiner erfolgreichsten Rock-’n‘-Roll-Platten auf. Hallyday galt unter den Popmusikern als Schwerarbeiter. In seiner über 55-jährigen Karriere ging er auf mehr als 180 Tourneen, verkaufte mehr als 110 Millionen Schallplatten und wurde mit rund 40 Goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Im Jahr 2009 begann er seine Abschiedstour, die nach einer Bandscheibenoperation jedoch ein jähes Ende fand, woraufhin er sich nach Komplikationen mehrere Tage im künstlichen Koma befand.

Johnny Hallyday’s Chalet in Gstaad wo er seine Zeit öfter verbrachte (keystone)

Der Weg zur Genesung war lang. Doch Hallyday war ein Kämpfer, wie auch einer seiner Freunde, der Regisseur Claude Lelouch sagte. Denn erst am 15. Juni 2010 zu seinem 67. Geburtstag stand der Starrocker wieder auf der Bühne, denn er musste durch die künstliche Beatmung über längere Zeit hinweg das Sprechen und Singen erneut erlernen. In dieser Zeit veröffentlichte er sein neues Album „Jamais Seul“, Niemals allein. Im selben Jahr wurde er wegen Darmkrebs operiert. Im März 2017 verkündete Hallyday, dass er an Lungenkrebs litt.
Traum von Freiheit verkörpert
Neben seinem Ruf als Rocker baute sich Hallyday auch eine Schauspielkarriere auf. So drehte er unter anderem mit Jean-Luc Godard, Costa-Gavras, Patrice Leconte und Claude Lelouch, mit dem er den im März 2017 erschienenen Film „Chacun sa vie“ drehte. Im Krimi „David Lansky“ war er auch im deutschen Fernsehen zu sehen.
Der Rocker hat sich ein Vermögen ersungen, weshalb er im Jahr 2006 versuchte, die belgische Staatsbürgerschaft zu bekommen, um Steuern zu sparen. Als das nicht klappte, verlegte er seinen Wohnsitz vorübergehend in die Schweiz, wo er sich in der Schickimicki-Stadt Gstaad niederließ, bevor er nach Los Angeles umzog. Steuerflucht, mehrere Scheidungen, Alkohol, Drogen, Vorwurf von Vergewaltigung: Seine Beliebtheit hatte nie Schaden genommen. Denn Hallyday verkörperte den Traum von Freiheit – und  den Erfolg des kleinen Mannes.

 

 

Update 11.12.2017

Fans folgen Sarg von Rockstar Johnny Hallyday auf Karibikinsel

Hunderte Fans sind eigens aus Frankreich auf die Karibikinsel Saint-Barthélemy gereist um beim Begräbnis ihres Idols dabei zu sein.

Der Sarg mit dem verstorbenen französischen Rockstar Johnny Hallyday ist am Sonntagabend auf der Karibikinsel Saint-Barthélemy eingetroffen, wo der Sänger begraben werden soll. Trauernde Fans empfingen den weissen, mit Blumen geschmückten Sarg.Von den hunderten Fans waren einige eigens von Frankreich aus angereist. „Ich wollte bis zum Ende bei ihm sein, weil er immer alles gegeben hat“, sagte Fan Fred Bouton. „Auch wenn es teuer war, haben wir nicht gezögert“, sagten die in Johnny-T-Shirts gekleideten Fans Jean Pierre und Chantal, die einen Acht-Stunden-Flug von Paris hinter sich hatten.

Hallydays Sarg traf in Begleitung seiner Angehörigen auf der Karibikinsel ein, wo der Rocksänger ein Anwesen hatte. Dort soll er am Montag bestattet werden. In Frankreich regte sich über die Bestattung in der Karibik vereinzelt Unmut. Viele Fans hatten auf eine Bestattung in der Nähe gehofft, um leichter zum Grab ihres Idols pilgern zu können. Viele Prominente sind auf Pariser Friedhöfen wie Père Lachaise oder Montparnasse beerdigt, die ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt sind.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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