Samstag , 17. November 2018
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Swatch-Group-Patron liebt die Pose des Gewinners

Der Uhrenkönig lässt sich feiern?

Während das seriöse „Wall Street Journal“ glaubt, dass es mit der Uhrenindustrie nicht zum Besten bestellt ist, jubeln die Schweizer Medien, zuvorderst das Ringier/Springer Blatt Handelszeitung die von der Swatch Group optimistisch dargestellte Jahresbilanz 2017, hoch. Swatch-Group-Patron Nick Hayek , 63, ist es wieder gelungen, die Medien für sich zu instrumentalisieren.

„Die Nachfrage nach hochwertigen mechanischen Uhren Schweizer Provenienz sei international ungebrochen“, so Nick Hayek anlässlich der Bilanzmedienkonferenz  2017 am Hauptsitz der Swatch-Tochter Omega in Biel. Der weltgrösste Uhrenhersteller hat Umsatz und Profitabilität markant gesteigert. Irgendwo im weit verzweigten Uhrenreich der Familie Hayek gibt es immer eine Marke oder einen Markt, der wächst. Aber: Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. Vor allem die Preise sind unter Druck – und damit die Margen. Die Swatch Group zum Beispiel war 2017 mit einer operativen Marge von knapp 13 Prozent unterwegs. 2013 lag sie bei über 27 Prozent.

Verdient Nick Hayek wirklich die 7 Mio. Schweizer Franken im Jahr?

„Die Geschäfte bei Swatch laufen wieder rund“, lässt uns Nick Hayek anlässlich der Medienorientierung wissen. Das zeigt sich auch beim Lohn des Managements. Der Chef des Schweizer Uhrenkonzerns Nick Hayek hat im letzten Jahr 7 Millionen Franken verdient. Das geht aus dem veröffentlichten Geschäftsbericht 2017 hervor. Für 2016 betrug die Vergütung an den Firmenchef noch 6,1 Millionen Franken. Der Lohn von Nick Hayek setzte sich aus einem unveränderten Basislohn von 1,6 Millionen Franken, einem Bonus von 3,12 Millionen, Aktienoptionen für 1,7 Millionen und sonstigen Bezügen von 610’000 Franken zusammen. An die gesamte siebenköpfige Geschäftsleitung zahlte Swatch 33,5 Millionen Franken nach 32,6 Millionen im Vorjahr.

5,2 Mio. Schweizer Franken für 6 Verwaltungsratsmitglieder

Im Bericht werden auch die Honorare für die sechs Verwaltungsratsmitglieder aufgeführt. Diese erreichten insgesamt 5,2 Millionen Franken und damit 600’000 Franken mehr als 2016. Davon gingen 4,4 Millionen Franken an Präsidentin Nayla Hayek, ebenfalls etwas mehr als im Vorjahr (3,9 Millionen Franken).

Die höheren Boni-Zahlungen überraschen nicht. Das Jahr 2017 stand im Zeichen der Erholung für die gesamte Uhrenindustrie. So erzielte Swatch vor allem dank der wieder erwachten Kauflust im Fernen Osten 2017 ein klares Umsatzplus von 5,4 Prozent und setzte damit rund 8 Milliarden Franken um, wie bereits im Januar bekannt wurde. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von 755 Millionen Franken.

Hayek vermisst auch die Wertschätzung der Uhrenindustrie in der Schweiz. „Neben einem weltweiten Image ist diese für eine Wertschöpfung von rund 20 Milliarden Schweizer Franken pro Jahr und 60’000 Arbeitsplätze verantwortlich“, meinte er. Auf die Situation angesprochen, dass die Produkte der Swatch Marken international 80 Prozent unter Preis verkauft werden, wollte er nichts wissen.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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