Dienstag , 19. September 2017
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Die Gier nach Luxus lässt nach ….

Fang Ying hat eine große Wunschliste, doch die ist nicht (nur) für Weihnachten. Auf der Liste der 33-jährigen Sekretärin aus Shanghai tummeln sich Louis Vuitton-Taschen und teures Chanel Parfüm. Eine solche Liste gibt Fang ihren Freunden und Familienmitgliedern mit – immer, wenn diese wieder einmal in Urlaub fahren.

Fang ist mit ihrer Gier nach Luxus nicht allein. Laut einer von dem Consultingunternehmen Bain & Co veröffentlichten Marktforschung zum Thema Luxusprodukte werden zwei Drittel aller von Chinesen gekauften Luxusartikel auf Auslandsreisen gekauft. Auf dem chinesischen Festland warten die Konsumenten lieber ein bisschen, wenn es um Luxusprodukte geht – und lassen sich diese von Freunden aus dem Ausland mitbringen. Oder, man plant eine Reise nach Hongkong. Oder man beauftragt gleich eine der sogenannten „Einkaufsagenturen“ damit, das gewünschte Produkt aus Übersee mitzubringen. So kann man die enorm hohe chinesische Luxussteuer umgehen.

„Manchmal schaue ich mir auf chinesischen Shopping-Seiten im Internet die Produkte an, die mir gefallen. Aber wenn es dann ans Kaufen geht, lasse ich mir die Sachen lieber von einem gerade im Ausland reisenden Freund mitbringen“, sagt Fang.

China ist inzwischen zum größten Markt für Luxusgüter geworden. Niemand liebt Luxus so sehr wie die Chinesen – etwa 29 Prozent aller weltweiten Ausgaben für Luxusprodukte werden in China getätigt. Für Hennessy, Louis Vuitton, Gucci, Cartier, Burberry, L’Oreal und Co. ist der chinesische Markt schon längst zum wichtigsten „Schlachtfeld“ der Welt geworden.

„Die Läden dieser berühmten Marken mögen alle in China sein, aber die Kassen klingeln nicht wirklich in Shanghai oder Wuhan, sondern in Los Angeles, New York und London“, sagt Sage Brennan, geschäftsführender Direktor von ‚China Luxury Advisors‘, einem Beratungsunternehmen, das amerikanischen und europäischen Luxusmarken dabei hilft, chinesischen Kunden zu gewinnen.

Im Zuge der Anti-Korruptions-Kampagne der chinesischen Regierung haben die Verkaufszahlen der Luxusmarken in China im laufenden Jahre aber deutlich nachgelassen. So sehr, dass Firmen wie Bentley und Lamborghini – aber auch der Spirituosenhersteller Pernod Ricard – ,Warnungen wegen schlechter Verkaufszahlen herausgegeben haben. Auch die Zahl der 2013 neu eröffneten Luxus-Geschäfte ging deutlich zurück, so dass der Markt in diesem Jahr nur 2 Prozent wachsen dürfte. Verglichen mit den 7 Prozent vom letzten Jahr ist das schon ein herber Rückgang.

Vorbereitungen laufen

Die Luxus-Geschäfte auf der Londoner Bond Street oder New Yorks 5th Avenue bereiten sich schon jetzt auf den Ansturm chinesischer Shopper vor, der zum chinesischen Neujahrsfest, das nächstes Jahr auf den 31. Januar fällt, erwartet wird. Das berühmte Londoner Kaufhaus Harrods will das chinesische Frühlingsfest sogar extra zum Shoppingthema machen und dem Anlass entsprechende Produkte und Menüs anbieten.

Chinesische Touristen haben 2012 über 300 Millionen Pfund in Großbritannien ausgegeben – die britische Regierung hat derweil die Regeln für die Visumsvergabe gelockert, um noch mehr chinesische Besucher ins Vereinigte Königreich locken zu können.

„Eine Strategie bezüglich der chinesischen Touristen zu haben macht einen enormen Unterschied. In der ersten Jahreshälfte haben sich die Ausgaben chinesischer Besucher gegenüber 2012 um 132 Prozent erhöht“, sagte Jeremy Gordon, Direktor des Londoner ‚China Business Service‘, welcher britischen Firmen dabei hilft, mehr chinesische Kunden zu gewinnen. „In einer konjunkturell schwachen Zeit ist dieser Teil des Geschäfts natürlich für die Gewinne der Unternehmen extrem wichtig geworden“, erklärte Gordon.

‚Tiffany & Co‘ auf der New Yorker 5th Avenue beschäftigt inzwischen Chinesisch sprechende Verkäufer. Tiffanys Umsätze auf dem chinesischen Markt waren in den vergangenen Jahren dank der chinesischen Diamanten-Kauflust schon sehr schnell gewachsen. Im New Yorker Hauptgeschäft der Firma waren es nach eigenen Angaben vor allem Touristen aus Europa und China, die im vergangenen Monat die Umsätze nach oben trieben.

Laut dem US-Wirtschaftsministerium haben 1,5 Millionen chinesische Touristen 2012 die USA besucht – fünfmal mehr als noch im Jahr 2005.

Auf der Jagd nach chinesischem Geld

‚Saks Fifth Avenue‘, das berühmte Kaufhaus der großen Hudson’s Bay Company, hat sich für das chinesische Neujahr eine klare Strategie mit einem Fokus auf Schönheitsprodukte zurechtgelegt, während man bei ‚Macy’s‘ auf ein Besucherzentrum mit Informationsprodukten in chinesischer Sprache setzt. Das Kaufhaus ‚Barneys‘ ist 2014 zum ersten Mal mit einer Marketing-Kampagne zum chinesischen Neujahr am Start – das Unternehmen hat Werbeanzeigen in chinesischen Magazinen geschaltet und versucht derzeit, mit dem chinesischen Bezahlsystem UnionPay, mit dem man seit neustem in dem Kaufhaus bezahlen kann, die Umsätze zu erhöhen.

Die Luxusmarken versuchen mittlerweile auch, die chinesischen Kunden über das Internet für sich zu gewinnen. Tiffany hat eine App für Verlobungsringe, Chanel bietet einen Onlinekurs fürs richtige Schminken an. Die italienische Modefirma Fendi hat bereits auf Weibo, dem chinesischen Twitter-Pendant, Gesprächsrunden organisiert, während man auf den Webseiten von Prada und Christian Dior sogar Videos in chinesischer Sprache findet.

„Chinesische Konsumenten interagieren viel häufiger online mit den Firmen, als man das im Westen tut“, sagt Arnold Ma, dessen Arbeitgeber ‚Qumin‘ westlichen Unternehmen hilft, den chinesischen Markt ins Visier zu nehmen. „Das gilt selbst im Luxussektor – chinesische Kunden schauen sich häufig zuerst den Web-Auftritt einer Firma an, bevor sie sich endgültig entscheiden.“

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.