Mittwoch , 22. Mai 2019
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Dr. Artur Worseg: Schönheit ist eine Frage des Feelings

Renommierter Schönheitschirurg mit Streitschrift gegen die eigene Branche (neues Buch)

• Artur Worseg: Konflikte mit dem eigenen Äußeren haben meist tiefere Ursachen

• Warnung vor Selfie-Trend und Anweisung in der Kunst des würdevollen Alterns

• Chirurg der Reichen und Prominenten gibt nach 25 Jahren Erfahrung Ratschläge für mehr Selbstliebe

Wie lernen wir, unser Äußeres zu lieben und warum tun wir es manchmal nicht? Unsere Unzufriedenheit damit hat meist tiefer liegende Gründe: Wer seine Nase nicht mag, lehnt vielleicht seinen Vater ab.

Frauen, denen ihre Brüste nicht gefallen, können ein Identifikationsproblem mit ihrer Mutter haben.

Der renommierte Schönheitschirurg Univ.-Doz. Dr. Artur Worseg, der heuer 60 Jahre alt wird, legt mit seinem neuen Buch „Deine Nase kann nichts dafür – Wie wir uns vor dem Schönheitswahn retten“ (edition a, 22 Euro) nach zwanzig Jahren Berufserfahrung eine Streitschrift gegen seine eigene Branche vor und empfiehlt den Weg nach innen, den mangelnde Selbstliebe weist.

Dr. Artur Worseg Deine Nase kann nichts dafür, Wie wir uns vor dem Schönheitswahn retten

224 Seiten gebunden, ISBN: 978-­‐‑3-­‐‑99001-­‐‑311-­‐‑3, Preis: 22 €

Erscheinungstermin: 17. März 2019

„Die Beschleunigung der Welt zwingt uns zur Oberflächlichkeit und reduziert uns stärker als jede Generation davor auf unser Äußeres“, sagt Worseg in Deine Nase kann nichts dafür. „Permanenter Frust ist die Folge. Schönheitschirurgie und Kosmetikindustrie geben eine schnelle, aber dekadente und oft falsche Antwort darauf.“

Warnung vor Phänomenen wie dem Selfie-Trend und ihren Folgen Er wisse, welcher Kritik innerhalb seiner Branche er sich mit seiner Offenheit aussetze, sagt Worseg. Er habe das Buch deshalb erst gegen Ende seiner Karriere veröffentlichen wollen, sich aber aus guten Gründen anders entschieden. „Derzeit

bringen bestimmte gesellschaftliche Strömungen immer mehr Menschen in ein Missverhältnis zu ihrem Äußeren.“ So würde der Selfie-Trend die Bedeutung etablierter Schönheitsideale und den Zwang, ihnen zu entsprechen, verstärken.

Dazu komme eine wachsende kollektive Unfähigkeit, mit dem Altern umzugehen.

Worseg: „Ein verantwortungsbewusster Schönheitschirurg muss in dieser Situation warnen.“ Entwicklung der Spiritualität und Toleranz sich selbst gegenüber Worseg glaubt, dass „nicht unsere Schönheit entscheidet, ob wir uns lieben, sondern unsere Liebe zu uns selbst entscheidet, ob wir uns schön finden“. Zudem sei „unsere Beziehung zu unserem Äußeren menschlichen Entwicklungsphasen unterworfen, von unseren aktuellen und früheren Beziehungen beeinflusst und abhängig von unserem Lebensstil im weitesten Sinne, von unserer Vision von Lebensglück und von unserer Art, danach zu suchen“.

Hart ins Gericht geht Worseg in diesem Zusammenhang auch mit den üblichen Empfehlungen für mehr Liebe zum eigenen Äußeren. „Schönheit von innen ausstrahlen, sich mit positiven Affirmationen schön denken oder die Schönheitsideale einfach vergessen funktioniert nicht“, sagt er. „Niemand kann auf Befehl strahlen, Affirmationen verändern vielleicht die Gedanken, aber nicht die Gefühle, und die Schönheitsideale haben wir viel zu sehr verinnerlicht, um sie vergessen zu können.“

Worseg empfiehlt stattdessen eine vertiefte Auseinandersetzung mit sich selbst und mit dem Sinn des Lebens, die Entwicklung der eigenen Spiritualität, Begegnungen mit der Natur und die Übung darin, bisher Gültiges loszulassen und Neues anzunehmen. Das ist für Worseg auch der beste Weg, die viel beschworene Schönheit von innen auszustrahlen. „Ich selbst überlege angesichts der Falten an meinem Hals auch manchmal, ob ich da etwas machen soll“, gesteht er, „aber dann besinne ich mich und lache über mich selbst.“ Auch Verwandten oder Freunden würde er so eine Operation eher auszureden versuchen.

Worseg berichtet aus seiner Berufspraxis, dass in den Wartezimmern von Schönheitschirurgen überdurchschnittlich viele Menschen mit narzisstischen, histrionischen, bipolaren oder Borderline-Tendenzen sitzen. Gerade bei ihnen sei es offensichtlich, dass eine Schönheitsoperation oft die falsche Entscheidung ist.

Der Autor. Univ.-Doz. Dr. Artur Worseg ist seit mehr als 25 Jahren Facharzt für Plastische Chirurgie. 1998 gründete er das Aesthetic Center Wien, seit 2016 leitet er die Privatklinik Währing in Wien. Trotz seiner Tätigkeit ist er für seine kritische Haltung gegenüber dem ausufernden Schönheitswahn bekannt.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.