Sonntag , 23. September 2018
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Erneuter harter Schlag gegen die Schweizer Uhrenindustrie

Nachdem sich die Uhrenindustrie im angeblichen Optimismus schon ausruhen wollte, kommt schon wieder die nächste Hiobsbotschaft: Chinesen dürfen neu im Ausland nur mehr umgerechnet 15 000 US Dollar in einem Jahr von ihren Konto abheben.

Chinas neue Mittelklasse ist auf Luxus und Statussysmbole aus – und viele Menschen suchen nach Wegen, ihr Geld im Ausland zu sichern. Die Chinesische Regierung will rigoros die Kapitalflucht eindämmen. Dieser Schachzug der limitierten Barbezüge im Ausland an ATM Automaten ist gegen die galoppierende Kapitalflucht und kommt vom Amt für Devisenverwaltung.

Seit einigen Jahren versucht die chinesischen Führung, die Kapitalflucht einzudämmen. Die neue Mittelklasse möchte ihr Geld lieber sicher im Ausland wissen, zumal es in der Volksrepublik – abgesehen vom völlig frei drehenden Immobilienmarkt – kaum Anlagemöglichkeiten gibt. Im Juni 2014 waren Chinas gehortete Fremdwährungen mit etwa vier Billionen Dollar der mit Abstand größte Devisenschatz der Welt. Um mehr als 900 Milliarden Dollar ist der Betrag seitdem abgeschmolzen, weil die Chinesische Volksbank versucht mit Stützkäufen die eigene Währung zu stabilisieren, die durch das abgeflossene Kapital unter Druck geraten ist. Das meiste Geld ist aufgrund von manipulierten Im- und Exportzahlungen außer Landes geschafft worden. Seit 2012 dürften so knapp zwei Billionen Dollar die Volksrepublik verlassen haben, schätzen Ökonomen. Bislang ging das recht einfach: Ein Unternehmen bestellt zum Beispiel Waren im Wert von 15 Millionen Dollar in Europa, geliefert werden allerdings nur Güter für zehn Millionen, der Rest des Geldes landet auf einem Konto im Ausland. Um das zu verhindern, müsste man jedes Schiff, jeden einzelnen Container überprüfen und den realen Wert der Waren kennen, oder man verschärft die Devisenkontrollen erheblich. Dafür hat sich Peking entschieden. Seit Ende November dürfen Unternehmen nur noch fünf Millionen Dollar ohne Genehmigung ins Ausland überweisen. Ein anderes Schlupfloch wurde einen Monat zuvor geschlossen, bis dahin konnte man mit einer chinesischen Kreditkarte in Hongkong Lebensversicherungen in Millionenhöhe abschließen. Um 160 Prozent stiegen die Umsätze der Versicherer im Vergleich zum Vorjahr. Natürlich wurden nicht auf einmal so viele Policen benötigt, aber man konnte sie als Sicherheit für einen Bankkredit hinterlegen – 80 Prozent bekam man ausbezahlt. Seitdem die Regierung damit angefangen hat verstärkt, gegen die Kapitalflucht vorzugehen, kursieren täglich neue Gerüchte in China. Bitcoins, hieß es, sei eine Möglichkeit, Geld außer Landes zu schaffen. Aus chinesischen Yuan können schließlich über den digitalen Umweg Dollar und Euro werden. Jetzt geht aber die Angst um, dass der Staat wieder eingreift. Wird die Notenbank ein Exempel statuieren? Insgesamt geht es um 12,9 Milliarden Dollar. So viel Geld geht mit Im-und Exportbetrügereien manchmal in einer Woche verloren.

Betroffen von der Regelung ist wiederum die internationale Luxusartikel Branche, weil die Chinesen Weltmeister im Kauf von Uhren und Schmuck sind. Diese neue Regelung wird nach dem Anti-Korruptions-Gesetz, der Schweizerischen Uhren Industrie erneut Schaden zufügen.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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