Sonntag , 20. August 2017
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„Big Bang“ bei Eterna

Das Schweizer Traditionsunternehmen Eterna in Grenchen, das von der Citychamp Watch & Jewellery Group – vormals im Besitze der Familie Porsche – akquiriert und damit gerettet wurde, soll erneut auf einen neuen Kurs gebracht werden, informierte mich Eva Zhang, Head of the Brand und Robert Dreyfuss von der Dreyfuss Group, der interiministisch zum Eterna CEO von Mr. Hon Kwok Lung bestimmt wurde, bei einem Gespräch in Grenchen. „Es werde kein Stein auf dem anderen bleiben“, versprach er mir. Der erneute Reanimationsversuch soll in die Geschichte eingehen. Der grosse Big Bang respektive der Uhrknall werde an der Baselworld 2016 gezündet. Lassen wir uns überraschen.

Robert Dreyfuss hört sich selbst gerne reden und lässt dann doch einiges durchsickern. So soll die Kollektion und das Preisniveau von 700 bis 7000 Schweizer Franken – bisher 700 bis 2800 Schweizer Franken (identisch mit dem Preisniveau von Frederique Constant) angehoben werden. Kernzielgruppe sollen nicht wie bisher die über 55 Jährigen sein, sondern man konzentriert sich auf die 35 bis 40 Jährigen.  Zudem sei eine eigenständige Damenlinie geplant. Ein weiteres Ziel sei, dass alle Eterna Uhren nur mit einem Eterna Uhrwerk ausgestattet sein soll. Mit der 2012 gegründeten inhouse Eterna Movement SA, die vom Uhreningenieur Samir Merdanovic, der schon seit 11 Jahren bei Eterna ist,  geleitet wird,  habe man das adäquate Werkzeug dazu. Er gilt als Vater des von Eterna in mehrjähriger Arbeit entwickelten Kalibers 39. Dieses wurde zunächst nur in die Top-Produkte der eigenen Marke eingebaut. «Vom Kaliber 39 können wir aber über 100 verschiedene Varianten herstellen», erklärt Robert Dreyfuss. Von der einfachen Zweizeigeruhr mit Handaufzug bis zum Chronographen mit Automatikaufzug und Schnellschalt-Mechanismus. «Dieser ist eine patentierte Entwicklung von Eterna Movement», betont Dreyfuss. Das Werk verfügt über beachtliche 35 Lagersteine, eine Gangreserve von 60 Stunden und natürlich den kugelgelagerten Rotor (inzwischen ein Standard bei vielen Uhren), der seit den 1950er-Jahren, das Eterna-Logo prägt. Das Werk schlägt mit 28 800 Halbschwingungen pro Stunde.

„Eine Uhrenmarke ist vergleichbar mit einem Menü. Entweder haben Sie ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller und eine schwache Beilage, oder die Beilage ist stark und das Fleisch ist eine schwache Leistung. Es gilt eine Harmonie zu erzielen, wo beide Menüpunkte stark sind“, so Dreyfuss, der die Englische und die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, denn seine Mutter kam aus der Gegend von Bern. Dreyfuss spricht auch, wenn er gut gelaunt ist, perfekt Berndeutsch.

„Deshalb sind wir auch daran, eine neue Kommunkationsstrategie zu erarbeiten, die sich dann in einer neuen Werbekampagne ausdrücken wird“, informiert mich Dreyfuss.

Zusammengefasst wird an der Baselworld 2016 „The New World of Eterna“ vorgestellt. „to wake up the sleep beauty“, das sei auch ein Abenteuer für Dreyfuss.

Abschliessend: Für Dreyfuss gebe es nur drei herausragende Persönlichkeiten in der Uhrenindustrie, das wäre – Dr. Nicolas G. Hayek (der verstorbene Senior), Dr. Ernst Thomke und last but not least Serverin Wundermann.

Citychamp Watch & Jewellery Group

Die Citychamp Watch & Jewellery Group (ehemals China Haidian) hat in den letzten vier Jahren mit Eterna (2011), Corum (2013) und der Dreyfuss Group (2014) drei Schweizer Uhrenfirmen gekauft und mehrfach durchblicken lassen, dass es weiter an Kaufgelegenheiten interessiert ist. Gerade das Beispiel Citychamp zeigt jedoch auch, wie hart das Pflaster in der Uhrenindustrie ist. Gemäss den Jahresberichten des Unternehmens stecken alle drei übernommenen Schweizer Uhrenfirmen – für die zusammengerechnet über 150 Mio. Fr. bezahlt wurden – tief in den roten Zahlen: Am besten sieht es dabei bei der Dreyfuss Group und ihren Marken Rotary und J&T Windmills aus. Bei einem Umsatz von 30 Mio. Fr. betrug der Verlust «nur» 600 000 Fr. Bei Corum stehen einem Umsatz von 40 Mio. Fr. Verluste von 20 Mio. Fr. gegenüber, bei Eterna ist der Verlust (10,6 Mio. Fr.) sogar grösser als der Umsatz (10,1 Mio. Fr.).

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.