Dienstag , 23. Mai 2017
Home / Allgemein / Filip Tysander: Uhren-Millionär mit „geklautem“ Marken-Namen

Filip Tysander: Uhren-Millionär mit „geklautem“ Marken-Namen

Die Schwedische Marke „Daniel Wellington“ hat letztes Jahr 3 Millionen Uhren verkauft. Die Marke wurde von Filip Tysander während seines Studiums vor fünf Jahren gegründet, bis heute hat der junge Schwede mehr als 150 Millionen Euro verdient. Der Erfolg basiert jedoch auf einem Diebstahl, das gibt er im Gespräch selbst zu.

Filip Tysander erzählt, wie er in nur fünf Jahren mit seiner Uhrenfirma „Daniel Wellington“ 170 Millionen Dollar schwer wurde: Man müsse nur eine Firma gründen, während man studiert. Die Idee für seine erfolgreichen Uhren kam dabei nicht einmal von ihm selbst.

Die Geschichte des „Daniel Wellington“-Gründers Filip Tysander beginnt mit einem zufälligen Treffen. Als der junge Schwede nach seinem Schulabschluss nach Australien reiste, lernte er den Engländer Daniel Wellington kennen, der eine Rolex mit einem Nato-Uhrband trug. Darin habe er sofort eine Marktlücke erkannt.

Dem schwedischen Wirtschaftsmagazin „Veckans Affärer“ sagte er, dass er von der Person Wellingtons begeistert gewesen sei. Sein Name wäre ideal für eine Uhrenmarke.

daniel-wellington-03-768x1152Er gründete seine Firma während des Studiums

Als Tysander wieder zurück nach Schweden kam, fing er ein BWL-Studium an, nachdem er beruflich keinen Fuß fassen konnte. In dieser Zeit habe er zwei Firmen gegründet, über die er Krawatten und Uhren verkaufte.

Wie der „Business Insider“ berichtet, habe er dadurch 24.000 Dollar verdient, die er 2011 in die Gründung der Marke „Daniel Wellington“ investierte. Das Logo entwarf er selbst und schickte es dann an eine chinesische Firma, die Nato-Uhrenbänder herstellte. Auf Facebook machte er Werbung für seine Uhren. Der Verkauf der „Wellington“-Uhren erfolgte über einen Online-Shop.

Aktuell beschäftigt die Uhrenmarke 300 Angestellte, hierzulande aber nur acht. Und die sind für den Vertrieb zuständig.

Das erfolgreiche Konzept wird ständig kopiert

Hipster und Stadtmenschen fahren auf Daniel Wellington ab. Kein Wunder, wird das Konzept ständig kopiert. Auf der ganzen Welt werden Uhren-Start-ups aus dem Boden gestampft. Doch egal, ob Kapten & Son, Cluse oder Komono: Alle setzen auf schlichtes Design und tiefe Preise.

Selbst etablierte Schweizer Marken sind auf den Zug aufgesprungen. Im Frühling hat Tissot mit der Everytime eine Uhr lanciert, die jenen von Daniel Wellington zum Verwechseln ähnlich sieht. Grösster Unterschied: Tissot produziert in der Schweiz, Tysander hingegen in China.

Warum springen Schweizer Produzenten nicht auf den Hipster-Zug auf? Weil sie auf exklusive Produkte setzten. So machen laut der Bank Vontobel Mode-Uhren zwar 66 Prozent der Uhrenexporte in Stückzahlen aus, aber nur sechs Prozent des Wertes.

Mehr als 150 Millionen Euro – in weniger als fünf Jahren

Schon 2015, keine fünf Jahre nach der Unternehmensgründung, war seine Firma 170 Millionen Dollar wert, das entspricht etwa 151 Millionen Euro. Heute besitzt der 31-Jährige das teuerste Penthouse über dem Stockholmer Hauptbahnhof: 12,8 Millionen Dollar soll die 418 Quadratmeter große Wohnung gekostet haben.

Doch den Namensgeber seines Unternehmens möchte er lieber nicht wiedersehen: „Ein Teil von mir will Daniel Wellington wiedersehen und ihm erzählen, was alles passiert ist. Aber gleichzeitig möchte ich keine schlafenden Hunde wecken. Wenn die Quelle meiner Inspiration eines Tages vor meinem Schreibtisch auftaucht, muss ich mich vermutlich irgendwo verstecken“ sagt er dem „Veckans Affärer“.

 

 

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

Schreibe einen Kommentar