Montag , 23. Oktober 2017
Home / Uhren / Fiona Kruger mit Vanitas-L’Epée 1839
Vom Handgelenk an die Wand

Fiona Kruger mit Vanitas-L’Epée 1839

Fiona Kruger ist die Protagonistin der Skull Watch. Mit der Vanitas-L’Epée 1839 geht Sie gemeinsam mit L’Epée 1839 / Swiza in einer Kooperation erstmals vom Handgelenk an die Wand.

Fiona’s Skizzenbuch

Möglicherweise widerspiegelt das Uhrendesign den momentanen Zustand der Uhrenindustrie, in der es ein Symbol wie den Totenschädel braucht. Konventionelle Pracht haben wir alle zur Genüge gesehen. Sie reißt immer noch zu Bewunderung und Kauflust hin, aber wenn mit der Pracht ein bisschen Schock verbunden ist, weckt das natürlich mehr Aufmerksamkeit. Eine Zeitlang wurden kleinere Schockmomente durch die unkonventionelle Verbindung von sehr kostbaren mit sehr wertlosen Materialien erzielt. Aber das Thema ist durch, diesbezüglich sind wir mittlerweile abgebrüht. Da sorgt es vielleicht für mehr Adrenalin, wenn man sein Geld für ein Juwel mit einem schaurigen Motiv hinlegt. Und zwar nicht irgendeinem Motiv, sondern mit einem Symbol, das alles hat: spirituelle Tiefe und kulturelle Tragweite, Unterwelt-Charme, eine aufregende Gefährlichkeit, die irgendwie sexy ist, und dazu Fashion-Appeal. Einer, der den Totenkopf ähnlich verwendet hat wie die Uhrendesigner, ist Damien Hirst. Der englische Künstler, der früher für Cool Britannia stand und heute Inbegriff des Artworld-Millionärs ist, hat 2007 einen Platinschädel unter dem Titel „For the Love of God“ ganz mit Diamanten besetzt und damit das ultimative künstlerische Talking Piece geschaffen: ein Stück, das zwar nach Subversion riecht, dies aber auf eine höchst glamouröse, mainstreamtaugliche Weise.

Damien Hirst Skull Kunstobjekt

Der Mainstream, den Damien Hirsts Skull fesselt, ist natürlich reines Betrachterpublikum. Die Totenkopfuhren sprechen schon allein deshalb keinen Mainstream an, weil der potentielle Käuferkreis aus finanziellen Gründen beschränkt ist. Und unter denen, die es sich leisten können, wollen viele sich dann doch lieber nicht vom Totenschädel die Zeit anzeigen lassen. Sprich: Die sehr kreativ gestalteten Totenkopfuhren der Stunde wenden sich an eine spezielle Gruppe von Personen, die Sinn für ihre Symbolik haben, Spaß an modisch-morbiden Appeal und ein gewisses Kapital. Diese Kombination von Voraussetzungen scheint in der Luft zu liegen. Und wenn der Trend vorbei ist, behält der Schädel als altes Menschheitssymbol seine Gültigkeit.

Das Ausnahmetalent Fiona Kruger

Fiona Kruger hat ihren Master in Luxus Industrie und Design an der ECAL/University of Arts and Design gemacht. Die Abschlussarbeit wurde inspiriert von den Schädel-Uhren aus dem 17. Jhd. der schottischen Königin Mary und der Kunst des Día del los Muertos (Tag der Toten). Fiona Krüger hat bei ihrer Arbeit die Unterstützung eines Schweizer Uhrenherstellers erhalten. 2013 trat sie in den Markt ein. Ihre Armbanduhren kosten je nach Ausstattung ca. 20’000.00 Schweizer Franken.

Ich finde Fionas Uhren einfach großartig. Diese elegante und raffinierte Wiedergabe des menschlichen Schädels, auf dem die Zeit abgemessen wird, um auf diese Art und Weise eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erschaffen.

Was mich jedoch an ihr stört, ist die Tatsache, dass sie nichts ins Marketing investieren will. Sie ist, ich kann es nicht mehr hören, auch ein Start-up, und erwartet von Ihrer Umwelt, dass man sie unterstützt – free of Charge. Sie hat noch nicht gelernt, dass auch die Uhrenindustrie ein „given and taken“-Business ist. Sie wird es jedoch noch lernen!

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

Schreibe einen Kommentar