Samstag , 18. November 2017
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Ford Mustang GT im Test: Der letzte Bulle

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Der Autor und Testfahrer legte einen Stopp bei Chronoart in St. Gallen ein, einem aussergewöhnlichen Uhren- und Schmuckhändler in der Ostschweiz.

Für die Amerikaner ist der Mustang mehr als ein Auto. Er ist eine Legende. Schon nach wenigen gefahrenen Kilometern in der Neuauflage wird klar: Sie haben recht.

Sieben Minuten dauert die berühmte Verfolgungsjagd im Polizeithriller Bullitt. Ganz ohne Musik, Worte, Tricktechnik und Explosionen. Nur das dunkle Grollen der V8-Motoren, die durch San Francisco und das Umland jagen. Unvorstellbar im heutigen Kino.

War der Ford Mustang zu diesem Zeitpunkt schon ein Publikumserfolg, so sollte er 1968 nach seinem Auftritt in dem Spielfilm zur Ikone aufsteigen. Sein Fahrer, „King Of Cool“ Steve McQueen alias Lt. Frank Bullitt, hatte ihn geadelt, die Verfolgungsjagd mit dem Dodge Charger gilt heute noch als eine der besten der Filmgeschichte. Und sie erklärt viel von der Faszination, die dieses Auto bis heute ausmacht. Kaum ein Fahrzeug gilt als so amerikanisch und so maskulin. Was für die Pioniere Amerikas das Pferd oder Pony war, ist für Nachfahren das „Pony Car“. Zu entdecken gibt es zwar nichts mehr, doch die endlosen Weiten und das Gefühl von Abenteuer warten noch immer auf den Straßen der USA – hinter dem Steuer eines Mustang.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Ford 2004 den Mustang optisch nah am Original wiederauflegte. Die amerikanische Autoindustrie lag darnieder, das Muscle Car versprach, den Glanz der glorreichen Vergangenheit aufleben zu lassen. Dass Ford zuvor immer wieder erbärmliche Mustang-Modelle auf den Markt brachte, die kaum etwas mit den Klassikern der Sechziger- und Siebzigerjahre zu tun hatten, war den Fans schlagartig egal. Plötzlich war er wieder da, der Mustang, so wie man ihn liebte: kantig, bullig, mit immenser Kraft. Steve McQueen hätte seine Freude daran gehabt. Die Amerikaner auch. Nur die Europäer blieben außen vor. Diese fünfte Mustang-Generation wurde jenseits des Atlantiks nie offiziell verkauft. Interessenten waren auf freie Importeure angewiesen.

Der Klang belohnt die Entscheidung

Das ändert sich jetzt. Der neue Mustang kann seit 2015 auch in der Schweiz regulär beim Ford-Händler gekauft werden. Die Wartelisten sind lang. Das Muscle Car gibt es in der Spritsparvariante mit vier Zylindern, mit 2,3 Liter EcoBoost-Motor und 317 PS sowie mit einem Fünf-Liter-V8 und 421 PS. Bei einem Preisunterschied von gerade einmal 4000 Schweizer Franken (44 000 statt 40 000 Schweizer Franken) muss ein echter Mustang-Enthusiast nicht lange überlegen. Bereits der Klang belohnt die Entscheidung. Dieses wohlige Dröhnen kann nur ein echter V8.

Nach dem Einsteigen legen sich die Hände aufs Lenkrad, der Blick gleitet über die Motorhaube und die beiden typischen Kerben, die sich über das ganze Blech ziehen. Schwer löst sich die Handbremse, noch schwerer rastet der Gang ein, selbst der Blinker scheint langsamer zu ticken. Aber so ist das nun einmal in einem Mustang: Er gibt nicht einmal vor, etwas anderes zu sein als ein Auto für Männer. Ein Macho auf vier Rädern, der letzte Bulle der Straße. Der Motor heult auf, der Mustang schießt nach vorn. Und ja, man kann nicht anders, als es zuzugeben: Das macht Spaß!

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Ford Mustang ist meistverkauftes Sport-Coupé der Welt; Nachfrage nach dem Pony Car steigt in Europa weiter an

  • Gemäss IHS Automotive war der Ford Mustang im Jahr 2015 das meistverkaufte Sportcoupé der Welt
  • Weltweit wurden insgesamt rund 140.000 Exemplare des verkauft, davon 110.000 Fastback- und 30.000 Convertible-Modelle

Im ersten Jahr seiner globalen Verfügbarkeit wurde der Ford Mustang gleich zum meistverkauften Sport-Coupé der Welt. So wurden im Jahr 2015 gemäss IHS Automotive rund 110.000 Fastback-Modelle verkauft sowie 30.000 Convertible-Modelle. Die Gesamtzahl aller weltweit zwischen Anfang Januar und Ende Dezember 2015 verkauften Mustang-Modelle beläuft sich auf exakt 141.868 Exemplare. Und die Nachfrage nach dem legendären Pony Car bleibt anhaltend hoch.

„In den USA interessierten sich Verbraucher in den letzten Jahrzehnten vor allem für ausländische Sportwagen, nun kehren die Amerikaner mit der weltweiten Markteinführung des neuen Ford Mustang auf globaler Ebene zurück“ sagte Erich Merkle, Ford Sales Analyst. „Die Märkte haben grossartig reagiert. Der Ford Mustang war im vergangenen Jahr das einzige Sport-Coupé der Welt mit mehr als 100.000 verzeichneten Neuzulassungen“.

Die globalen Zulassungszahlen lassen in diesem Jahr durchaus noch Raum für weiteres Wachstum. „Während ein Grossteil der Nachfrage in den Vereinigten Staaten verzeichnet wurde, und hier besonders in Kalifornien, wo sich jüngere Kunden auch für Modelle mit dem 2,3-Liter-EcoBoost-Motor interessieren, bevorzugen Kunden in anderen Ländern die Ausstattung mit dem hubraumstarken V8-Motor“, fügte Merkle hinzu. „Der unverwechselbare Sound des mächtigen V8-Aggregats ist ausserhalb der USA heiss begehrt“.

Mustang in der Schweiz und Europa

Gemäss offiziellen Statistiken wurden in der Schweiz 2015 423 Ford Mustang registriert. Davon waren rund zwei Drittel mit dem 5.0 Liter V8 motorisiert, ein Drittel mit dem 2.3 Liter EcoBoost. In ganz Europa wurden mehr als 16.600 Exemplare des Ford Mustang bestellt, seit das Fahrzeug im vergangenen Sommer zum ersten Mal auf den europäischen Märkten angeboten wurde. Die Auslieferung ab dem Ford-Werk in Flat Rock (USA) begann in der zweiten Hälfte des Jahres 2015. Von den 13.000 im vergangenen Jahr georderten Mustang-Modellen sind bereits 4.700 sind im Besitz europäischer Kunden.

Der neue Ford Mustang wird erstmals in seiner über 50-jährigen Modellgeschichte in Europa angeboten und steht in zwei Karosserievarianten zur Auswahl – als Fastback und als Convertible. Darüber hinaus sind zwei Motorisierungen erhältlich: der 5,0-Liter-V8-Motor mit 421 PS oder der 2,3-Liter-EcoBoost-Turbovierzylinder mit 317 PS. Sein Design greift viele klassische Elemente seiner Urahnen auf und interpretiert sie auf moderne Weise neu. Dies betrifft zum Beispiel die langgestreckte Motorhaube und das eindrucksvolle Heck. Zu den typischen Mustang-Merkmalen gehören ausserdem die niedrige Dachpartie sowie die breite Spur, die dreigeteilten Rückleuchten und der unverwechselbare Haifisch-Kühlergrill in der für Ford charakteristischen Trapezform. Zudem ist der Ford Mustang in zahlreichen attraktiven Aussenfarben erhältlich. Ab Sommer wird der Ford Mustang überdies mit dem Kommunikations- und Entertainmentsystem Ford SYNC 3 mit Touchscreen bestellbar sein.

Erfolg rund um den Globus

Im vierten Quartal 2015 war der Ford Mustang das meistverkaufte Sport-Coupé in China, wo er gemäss IHS Registrierungsdaten bevorzugt als Version mit 2,3-Liter EcoBoost-Motor geordert wurde. In Australien ist die Nachfrage so stark, dass der Ford Mustang bis 2017 ausverkauft ist, es ist jedoch eine zusätzliche Lieferung von 2.000 Stück nach „Down Under“ geplant. Mehr als 90 Prozent der Käufer in Australien und Neuseeland haben sich für die V8-Version entscheiden. Der Verkauf in Südafrika, Zypern und Malta sorgt ebenso für gesteigertes Verkaufsvolumen. In den Vereinigten Staaten von Amerika kletterte der Ford Mustang an die Spitze im Sportwagen-Segment, alleine im März 2016 wurden dort 12.563 Exemplare zugelassen. Erfolge feierte der Ford Mustang auch in Mexico und Kanada – damit zählt er zu den beliebtesten Sportwagen in Nordamerika.

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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