Donnerstag , 29. Juni 2017
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Frische Uhren am SIHH 2016_Tag 2

IWC, die Uhrenmarke aus Schaffhausen, feierte auf dem Genfer Uhrensalon die neuen Piloten Uhren. 2016 dürfen sich Uhrenliebhaber in aller Welt nun auf eine breite Palette an IWC-Fliegeruhren freuen, die mit innovativem Design, anspruchsvollen Komplikationen und hochwertigen Materialien begeistern. In der Pilot’s Watch Timezoner Chronograph setzt IWC erstmals die im letzten Jahr von der Marke Vogard gekaufte Weltzeitfunktion ein. Das System basiert auf einer Drehlünette, mit der sich 24 ganzstündige Zeitzonen auswählen . Die Schaffhauser Marke hat das System jedoch in der Handhabung vereinfacht: Musste man bei Vogard noch einen Schutzbügel am Gehäuse öffnen, bevor man die Lünette drehen konnte, so reicht es jetzt, den Ring herunterzudrücken und ihn dann in eine beliebige Richtung zu bewegen. Der kleine Zeiger stellt keine weitere Zeitzone dar, sondern dient in Kombination mit der kleinen 24-Stunden-Skala als Tag-Nacht-Anzeige für die einzige dargestellte Zeit. Kombiniert wird die Weltzeitfunktion mit dem Flyback-Chronographen des IWC-Manufakturkalibers 89760, das die gestoppten Stunden und Minuten in einem gemeinsamen Zähler bei der Zwölf anzeigt. Die Uhr misst 46 Millimeter und kostet 13.300 Euro. Das Armband steuert der italienische Lederwarenhersteller Santoni bei.

Hannes Bantli, IWC Uhrgestein, seit 44 bei IWC informierte mich im persönlichen Gespräch, dass das neue IWC Produktions- und Forschungszentrum im Mershausertal, dessen Bau 2015 gestoppt wurde, weiter gebaut wird. Die Wiederaufnahme ist seit Februar 2016 in vollem Gange. 2015 sei die IWC die Marke mit dem besten Ergebnis im Richemont Konzern gewesen. Die Umsätze in China seien knapp unter dem Vorjahr gewesen, ansonsten verteilen sich die Umsätze 1/3 auf Amerika, 1/3 auf Asien und 1/3 der Rest.

Piaget

Philippe Leopold-Metzer, CEO von Piaget, liess es sich nicht nehmen, einen kurzen Überblick über das Geschäftsjahr zu geben. Danach prasselten die Neuheiten auf die Gäste nieder. Zur Feier des 40-jährigen Jubiläums seines ersten Quarzwerks präsentiert Piaget die Emperador Coussin XL 700P. Diese auf 118 Exemplare limitierte Konzept-Uhr erscheint mit einer Kombination aus Mechanikwerk und Quarzgenerator. Als Hommage an die Doppelkompetenz von Piaget wurde das mechanische Herz des neuen Modells mit einem Hochfrequenzregulator aus Quarz ausgestattet, der mit einer Frequenz von 32.768 Hz pulsiert und die Umdrehungen des Generators kontrolliert. Demnach genau 5,33 pro Mal Sekunde. Hinter der auf 118 Exemplare limitierten Emperador Coussin XL 700P stehen zwei Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit in der Manufaktur, Dutzende Patentanmeldungen und ein original Schweizer Konzept, das seit 1972 geschützt ist. Die Stunden und Minuten werden dezentriert von spitz zulaufenden Zeigern auf feinen, sich strahlenförmig verjüngenden Indexen angezeigt. Die Abwesenheit eines Zifferblatts gibt den Blick auf das kissenförmige, schwarz beschichtete Uhrwerk frei, das nach bester Uhrmachertradition veredelt wurde: Guillochierter Mikrorotor mit Piaget-Wappen, anglierte Brücken mit satiniertem Sonnenschliff, kreisförmig geschliffene Räder und versilberte Schrauben. Passend zum Schwarz des Uhrwerks wurde auch die Lünette aus Gold mit schwarzem DLC beschichtet. Das Gehäuse misst stattliche 46,5 mm-Gehäuse und ist aus Weißgold gefertigt.

Van Cleef & Arpels

„Ende Februar wurde die Boutique in London eröffnet“, informierte Guy Chatillon, President of Van Cleef & Arpels Europe, Russia and Middle East. Van Cleef & Arpels präsentiert auf dem diesjährigen Salon International de la Haute Horlogerie Genf (SIHH 2016) eine einzigartige Secret Watch, das Rubis Secret Watch Bracelet, ein Haute Joaillerie Stück, bei dem die Grenzen zwischen Schmuckstück und Uhr verschwimmen. Die Uhr ist in einem massiven Armreif aus Weißgold versteckt, der über und über mit Rubinen aus Mozambique und Diamanten besetzt ist. Das lebhaft leuchtende Rot der Rubine zieht die Blicke auf sich. Insgesamt 115 Rubine von 151.25 kt. wurden verarbeitet; geschliffen in verschiedenen Schliff-Formen (oval-kissenförmig), damit die drei Reihen von Rubinen auf dem Armreif eine perfekte Perspektive entwickeln. Dazwischen befinden sich zwei Reihen mit Diamanten, die jeweils rund und eckig geschliffen sind. Das weiße Funkeln der Diamanten intensiviert das Glühen der Rubine. Der Clou des Rubis Secret Watch Bracelet ist, dass sich im Inneren eine Uhr verbirgt, eine Kunst, die das Haus Van Cleef & Arpels seit den 1920’er Jahren pflegt und der sie mit diesem Unikat Tribut zollt. Auf der Rückseite des Armreifes verbirgt eine Platte aus Weißgold, die mit Art Déco Motiven verziert ist, die Edelsteinfassung und sie erlaubt es gleichzeitig, dass sich das durch die Steine einfallende Licht ausbreitet. Im Inneren des Armreifes befindet sich ein kleines Fach, in dem sich die Uhr verbirgt. Drückt man sanft auf die Rubine, so öffnet sich dieses und die Uhr wird sichtbar. Um das Rubis Secret Watch Bracelt herzustellen, benötigte Van Cleef & Arpels 1.500 Arbeitsstunden, das Ergebnis ist ein exquisites Haute Joaillerie Stück.

Hautlence

Ausflug in den Carré des Horlogers, wo die Genfer „Abtrünnigen“, die sonst in Basel im Palace zu finden waren, nun in den SIHH integriert wurden. Eigentlich gehe ich ungern dorthin, da es sich ausschliesslich um Start-up Unternehmen – keines über 15 Jahre – handelt, das heisst, sie wollen alles geschenkt. Haben nie Budgets für Werbung und Marketing. Ausgenommen Hautlence und Moser & Cie., die zur MELB Holding gehören.

Doch der Reihe nach. Sandro Reginelli von Hautlence, er ist erst seit kurzem als CEO im Amt, war vorher bei Maurice Lacroix – was mit dem Unternehmen momentan passiert ist eine Schande für die gesamte Schweizer Uhrenindustrie – empfängt mich warm und herzlich am Gemeinschaftsstand mit Moser & Cie., wir kennen uns auch schon seit geraumer Zeit.

2004 gegründet, hat sich Hautlence aus La Chaux-de-Fonds schnell mit retrograden und springenden Anzeigen einen Namen gemacht. Dementsprechend kombiniert die Vortex 02 – der rotgoldene Nachfolger der 2015 vorgestellten Vortex in Titan – eine springende Stunde bei neun Uhr mit einer retrograden Minutenanzeige in der oberen Zifferblatthälfte. Hinzu kommen eine Gangreserveindikation bei zwei Uhr sowie eine sichtbare Hemmung, die ähnlich einem Tourbillon in einem rotierenden Käfig arbeitet. Hier dreht sich allerdings der Käfig nicht kontinuierlich, sondern bewegt sich jede Stunde um 60 Grad weiter. Drei Patente schützen die Technik des Manufaktur-Automatikkalibers HLR2.0: Eines bezieht sich auf die in drei bis vier Sekunden wechselnde Stundenanzeige, die die Vorteile von schleichenden Anzeigen (beobachtbares mechanisches Schauspiel) und augenblicklich springenden Indikationen (eindeutige Darstellung der Stunde) vereint. Das zweite Patent schützt den mit der Stundenanzeige verbundenen Positionswechsel der Hemmung, der Schwerkraftfehler ausgleicht, und das dritte die zwei Federhäuser, von denen eines die Hemmung antreibt und das andere ausschließlich Energie für die Stunden- und Minutensprünge liefert. So viel Erfindergeist kostet in Rotgold mit sechs Saphirgläsern genau 200.000 Euro. Es gibt 28 Exemplare der Hautlence Vortex 02.

H. Moser & Cie.

H. Moser & Cie. ist auch im Carré des Horlogers. Edouard Meylan erwartet mich schon. Georges-Henri Meylan, Vater von Edouard, hat heute einen Geburtstag, und Edouard steht trotzdem auf dem Stand. Schnell war ich mit Edouard im Gespräch und waren gleich beim Thema Smartwatches. Edouard reagiert auf ganz eigene Weise auf die Apple Watch: Die Schweizer Marke baut ein Modell, dessen Gehäuse an die Smart Watch des amerikanischen Elektronikkonzerns erinnert. Mit einem Augenzwinkern geben die Schweizer bekannt, die Uhr verfüge über keine Apps und zeige nur die Zeit. Die Swiss Alp Watch ist mit ihrem 38 mal 44 Millimetern großen Weißgoldgehäuse größer als die Smartwatch und verfügt über ein feinverziertes Manufakturkaliber HMC 324 mit Handaufzug. Moser erreichte damit ein Medienecho, das die Marke vielen Menschen bekannter machte. 50 Stück zum Preis von 24.900 Franken werden gebaut. Von den Anwälten von Apple hat Moser übrigens noch nichts gehört. Er glaubt auch nicht daran, dass sich Anwälte bei ihm melden werden, denn er macht ja damit Werbung für die Apple Watch.

H. Moser & Cie. erinnert mit der Endeavour Perpetual Calendar Concept an die Endeavour Perpetual Calendar, die vor zehn Jahren erstmals vorgestellt wurde. Das neue Modell der Schaffhauser Manufaktur erscheint in einer auf zehn Exemplare limitierten Sonderedition. Sein Weißgoldgehäuse misst 40,8 Millimeter im Durchmesser. Bei dieser Uhr verzichtet H. Moser & Cie. auf Logo, Indexe und kleine Sekunde. Stattdessen befinden sich nur noch zwei Zeiger für die Stunden und Minuten, ein Datum bei drei Uhr und eine Gangreserveanzeige bei der Neun auf dem Zifferblatt. Ein kleiner Zeiger aus der Mitte weist die Monate aus. Werkseitig ist die Anzeige der Schaltjahre untergebracht. Den Antrieb gibt das Handaufzugskaliber HMC 341. Es zeigt sich durch einen gläsernen Gehäuseboden, an dessen Rand die Limitierung eingraviert ist. Jedes der zehn Exemplare kostet 60.000 Schweizer Franken

Greubel Forsey

Am Greubel Forsey Stand: Stephen Forsey schaute kurz in die Präsentation herein, bevor die Präsentation richtig losging. Hinter der neuen Signature-Kollektion steckt eine besondere Idee von Greubel Forsey: Zwar innerhalb der Manufaktur-Strategie, aber mit einer beträchtlichen Portion Freiheit hinsichtlich technischer, architektonischer und dekorativer Aspekte können talentierte Uhrmacher ihre eigenen Zeitmesser entwerfen und dabei auf die Ressourcen des Hauses Greubel Forsey zurückgreifen. Für die Signature 1 steht mit Didier J. G. Cretin ein genialer Uhrmacher und langjähriger Mitarbeiter von Greubel Forsey. Seine Kreation zeigt einen neuen Auftritt von Greubel Forsey: Zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens gibt es eine schlichte Handaufzuguhr mit drei Zeigern. Stunden und Minuten sowie eine sehr kleine Sekunde werden auf zwei dezentralen Zifferblättern angezeigt. Das Werk trägt den gleichen Namen wie Uhr selbst und wird demnach folgerichtig mit GFS1 abgekürzt. Seine Unruh oszilliert mit 18.000 Halbschwingungen in der Stunde sichtbar auf der Zifferblattseite. Sie trägt mit ihrer Gestaltung und ihrem Finish ebenso die Signatur des Uhrmachers Cretin wie die gesamte Brückenkonstruktion des Werkes, spezielle Verzahnungen der Räder oder die Streifendekore auf dem Uhrwerk. Die Mechanik steckt in einem 41-Millimeter-Gehäuse von nur sieben Millimetern Höhe, was für Greubel Forsey wirklich klein ist. Jeweils elf Mal erscheint die Uhr in Rotgold, Weißgold und Platin zum Preis von 170.000 beziehungsweise 190.000 Schweizer Franken (ohne Mehrwertsteuer). Ein Edelstahlmodell in 33-facher Auflage soll 155.000 Franken (ohne Mehrwertsteuer) kosten. Mit der Limitierung wird der Seltenheitswert von Greubel-Forsey-Uhren auch in der neuen, schlichten Linie Signature aufrecht erhalten. Aufgrund der begrenzten Stückzahl werden die Preise auch nicht in anderen Währungen kommuniziert.

Bei Greubel Forsey zeigt man sich zufrieden. «Wir hatten pessimistischere Ziele als diejenigen, die wir erreicht haben», sagte der Produktmanager der Uhrenmarke aus La-Chaux-de-Fonds, Patrick Graells. «Wir haben uns stärker auf die Herstellung neuer Modelle konzentriert, weil wir wissen, dass sie sich besser verkaufen», sagte er.

Richard Mille

Im Jahre 2015 hatte die Genfer Uhrenmesse ihre Tore erst wenige Tage nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurse geöffnet. Ein Jahr später steht fest, dass das Luxussegment weniger stark vom Einbruch der Exporte getroffen wurde als preisgünstigere Uhren. „Ich wurde verschont“, sagte Richard Mille, der Gründer und Leiter der gleichnamigen Marke im jurassischen Breuleux der Nachrichtenagentur sda. Wegen der Frankenstärke und des daraus resultierenden Nachfragerückgangs mussten einige Uhrenhersteller ihre Preise nach oben anpassen. „Ich erwartete viele Beschwerden, aber es gab nur eine, von einem französischen Händler“, erklärte Mille. Sein Rezept lautet: eine gleichmässige Verteilung der Einnahmen zwischen Europa, Asien und Amerika. Zudem achtet er darauf die Schwelle von 5 Prozent Umsatz in China nicht zu überschreiten, daher traf ihn das schwächelnde Wirtschaftswachstum in diesem Land nicht so stark. Als eigentlicher „Hit“ hat sich laut Milles das im November in Shanghai neu eröffnete Ladengeschäft erwiesen. Auf Produktebene scheint alles in Bewegung zu sein. In diesem Jahr ist das Haus mit Airbus eine Partnerschaft eingegangen, um Uhrenmodelle herzustellen, die hauptsächlich aus Materialien konstruiert werden, die in der Luftfahrt verwendet werden. Die Kunden „wollen Kunstwerke“, heisst es. Preislich ist Richard Mille in den letzten Jahren ziemlich entrückt, aber er hat immer noch Ideen und die Uhrwerke sind einfach genial.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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