Donnerstag , 17. August 2017
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Das Haus Cartier hat sich völlig verzockt, unverbesserliche Managementfehler sind die Uhrsache!

Genfer Luxusgüterkonzern Richemont baut erneut Stellen ab

Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont kommt nicht zur Ruhe, nach einer Gewinnwarnung von 43 Prozent, und nachdem das Top Management (Manager mit Jahresgehälter von 9 bis 12 Mio. Schweizer Franken) in einer Nacht und Nebel Aktion gefeuert wurde –  Johann Rupert will zukünftig selbst den Richemont CEO spielen, wie schon vor 2009, – baut der Luxusuhren und Luxusgüterkonzern 210 Stellen ab. Betroffen vom Abbau sind primär Mitarbeiter der Uhrenmarken Piaget, Vacheron Constantin und wiederum Cartier.

Die Angestellten seien am vergangenen Freitag über die Massnahme informiert worden, sagte Alessandro Pelizzari von der Gewerkschaft Unia. Er bestätigte damit Meldungen in verschiedenen Westschweizer Medien. Richemont selbst hat sich zu den Abbauplänen noch nicht geäussert. Gemäss einer vertrauten Quelle war der Auslöser der starke Nachfragerückgang der noch lange nicht seine Talsohle erreicht hat vorwiegend im Segment der Luxusuhren.

„Das Unternehmen Richemont kämpft mit enormen Überkapazitäten und personellen Entlassungen im Bereich der Luxusuhren“, so Johann Rupert am 4. November 2017 in einem Telefongespräch zum TOURBILLON Blog Tick-Talk.ch.

Die Schweizer Uhrenindustrie macht in diesem Jahr die schwierigste Zeit, seit der Quarzkrise der 1970er und 1980er Jahre durch, als batteriebetriebene Uhren die mechanischen Uhren gefährdeten und alt aussehen liessen. Der verheerende Nachfragerückgang in Asien hat sich in diesem Jahr nun auch auf Europa und die USA ausgeweitet und führte bei Richemont dazu, den unverkauften Inventar der Einzelhändler zurückzukaufen und sich auf preiswertere Levels bei den Uhren zu konzentrieren.

Richemont gehört zu den grössten Luxusgüterkonzernen (rangiert im Ranking an dritter Stelle nach Swatch Group und LVMH) der Welt. Piaget hat seinen Hauptsitz im neuenburgischen La Côte-aux-Fées. Das Traditionsunternehmen Vacheron Constantin – es existiert seit 1755 – ist in Genf angesiedelt. Das Haus Cartier hat den Sitz in La Chaux-de-Fonds, Das Unternehmen hat sich mit der Entscheidung im weltweiten Zirkus der Haute Horlogerie mitzumischen mit 150 Mio. Schweizer Franken verzockt, der Markt hatte die Produkte nicht angenommen.

Bereits im Februar hatte der Konzern angekündigt, 300 Stellen abbauen zu wollen. Gewerkschaften kämpften dagegen an, worauf rund 200 Stellen erhalten bleiben konnten.

„Man wolle sich von Richemont Luxus-Immobilien in Paris trennen, um so das operative Richemont Ergebnis um 150 Millionen Euro zu verbessern“. Das Tafelsilber wird bereits vergoldet.

Kommentar: Ist Stellenabbau wirklich die richtige Lösung bei Konsumzurückhaltung in den verschiedenen Märkten? Nein, denn es ist am Einfachsten die Mitarbeiter, die das Unternehmen gross gemacht haben auf die Strasse zu stellen. Beim Top Management wurde bereits schon mit einem Spar-Tsunami angesetzt, Manager mit Gehältern von 9 bis 12 Mio. Schweizer Franken im Jahr wurde entweder frühzeitig in die Rente geschickt oder auf die Strasse gestellt. Auch der Rückkauf der vollen Lager bei den Händlern ist keine Lösung. Ich finde, man sollte wieder vermehrt auf die „wants und needs“ der Konsumenten achten und nicht immer nur seine eigenen Taschen füllen. Man sieht wo dies hinführen kann.

Sind die Reichen wirklich nützlicher? In seinem Essay „Vom Luxus“ (1752) griff David Hume das Playdoyer des Londoner Arztes Bernard Mandeville zugunsten der Reichen als Schöpfer des Wohlstands auf. „In einem Land, wo kein Bedarf an Luxus besteht, versinken die Menschen in Lethargie, verlieren sie alle Freude am Leben und sind für das Gemeinwesen nutzlos, das seine Flotten und Heere nicht mehr erhalten oder ernähren kann“. Vierundzwanzig Jahre später vertiefte sein Landsmann Adam Smith diese These mit seiner „Untersuchung über das Wesen und die Uhrsachen des Reichtums der Nationen“ (1776) – vielleicht der bestechendsten Verteidigungsschrift des Nutzens der Reichen, die je verfasst wurde. Smith begann mit dem Zugständnis, dass grosse Geldsummen nicht unbedingt Glück bringen. „Reichtümer liefern den Menschen stets genauso sehr und manchmal noch stärker der Angst, Furcht und Sorge aus“. Mit Spott überzog er die Narren, die ihr ganzes Leben der Jagd nach „Tand und Kinkerlitzchen“ widmeten, aber gleichzeitig zeigte er sich höchstens beglückt, erklärte sich sogar dankbar, dass an ihnen kein Mangel herrsche. 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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