Montag , 23. Oktober 2017
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Betrachtet Nick Hayek die Zukunft zu stark durch die rosarote Brille? (Ruben Sprich / Reuters)

Gewinnhalbierung bei der Swatch Group. Hayek übt sich in Zweckoptimismus.

Die Swatch Group hat ein schlechtes Jahr hinter sich: Der Gewinn hat sich fast halbiert. Die Prognosen fürs neue Jahr sind aber wie immer optimistisch – diesmal wohl sogar zu Recht.

Trotz knapp 600 Mio. Fr. Gewinn: Die Swatch Group hat für einmal ein richtig schlechtes Jahr hinter sich. Dies gilt sowohl gemessen an sich selbst als auch im Vergleich zur Schweizer Uhrenindustrie als Ganzem.

Keine Marktanteilsgewinne mehr

Der Umsatz sank 2016 um knapp 11% auf 7,6 Mrd. Fr., nachdem die Verkäufe bereits 2015 um 3% zurückgegangen waren. Dies ist ein deutlich stärkerer Einbruch als im letzten Krisenjahr der Branche, 2009. Damals hatte der Umsatzrückgang bei der Swatch Group nur rund 6% betragen. Das Resultat wurde diesmal zudem nicht durch eine weitere Erstarkung des Frankens zerzaust, denn in Lokalwährungen betrug das Minus ebenfalls 11%.

Für einmal kann sich die Swatch Group auch nicht brüsten, die Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie übertroffen und somit Marktanteile gewonnen zu haben. Die Uhrenexporte bildeten sich im vergangenen Jahr mit einem Minus von 9,9% nämlich sogar etwas weniger zurück als die Verkäufe der Swatch Group.

Operative Marge auf 20-Jahre-Tief

Der Betriebsgewinn brach um 44,5% auf 805 Mio. Fr. ein, womit sich die operative Marge um 650 Basispunkte (6,5 Prozentpunkte) auf 10,7% reduzierte. Laut Vontobel-Analytiker René Weber ist dies der niedrigste Wert seit 20 Jahren. Der Reingewinn lag bei 593 Mio. Fr. (–47%).

Mit diesen Zahlen hat die Swatch Group nicht nur die Prognosen der Analytiker verfehlt. Auch die eigenen Erwartungen sind enttäuscht worden, hatte der Konzern in seinem Ausblick für das zweite Halbjahr 2016 doch noch geschrieben, er erwarte «ein klares Wachstum in Lokalwährungen im zweiten Halbjahr» und damit «ein Jahresergebnis näher oder gleich zum Vorjahr».

Berechtigter Optimismus

Vor diesem Hintergrund ist auch der jetzige, wiederum optimistische Ausblick der Swatch Group «cum grano salis», das heisst mit etwas Vorsicht, zu geniessen: Wie es im Pressecommuniqué heisst, zeigten die Monate November, Dezember und Januar, insbesondere in Festlandchina (+20%), sehr gutes Wachstum im Segment Uhren und Schmuck, mit einer substanziellen Verbesserung der operativen Marge. In Anbetracht dieser positiven Entwicklung verspreche 2017 ein Jahr mit gesundem Wachstum zu werden.

Unrealistisch scheint dieser Ausblick allerdings diesmal nicht, denn auch andere Uhrenhersteller berichten von einer positiven Tendenz, vor allem ausgehend von China, aber auch vom Nahen Osten und von den USA.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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