Samstag , 17. August 2019
Home / Allgemein / Graff Uhren: auf der Suche nach dem unverkennbaren Gesicht
Typisch Graff. Kompliziert und auf Diamanten spezialisiert, der GraffGyroGraff

Graff Uhren: auf der Suche nach dem unverkennbaren Gesicht

Die kleine Genfer Uhrendivision der Englischen Marke Graff hat bislang noch keine wirklich klare optische Sprache für ihre Kollektion gefunden. „Der Schweizer Uhrendesigner Emmanuel Gueit soll als künstlerischen Leiter den Graff-Uhren die Unverwechselbarkeit neu schenken“, so Francois Graff, der Graff Diamonds CEO.

Graff ist bekannt für Hochkarätiges. Aussergewöhnliche Diamanten und unverwechselbaren Schmuck. Die wenigsten bringen den Markennamen Graff mit Uhren in Verbindung. Lediglich 1000 Uhren in einer limitierten Stückzahl von 20 Exemplaren werden von Graff im Jahr hergestellt. Komplikationen, alle mit dem Swiss Made Label.

Diese rasante Entwicklung war erst möglich, nachdem sich zwei Männer getroffen hatten: Laurence Graff, ein Diamantjuwelier und Gründungsvater der Marke, und Michel Pitteloud, ein angesehener Name in der Schweizer Uhrmacherkunst. Letztere verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Dienst der grössten Schweizer Uhren. Der Schlüssel war ihre gemeinsame Leidenschaft, gemischt mit einem internationalen Vertriebsnetz. Ihre grenzenlose Kreativität erledigte den Rest.

Der Mix von Komplikationen und Schmuck ist im Markt nicht angekommen: die GyroGraff Endangered Species 48mm

Mit hochwertigen Schmuckuhren wie GyroGraff, MasterGraff, GraffStar, ChronoGraff und ScubaGraff wollte Graff den Markt aufmischen. Die Rechnung ging sich jedoch nicht auf, keiner will dies bei Graff zugeben. Graff-Uhren mit Tourbillons, extraflache Stücke etc. wird es also kaum mehr geben, auch wenn man nicht ganz auf Komplikationen verzichten will. «Aber sie werden die Ausnahme bleiben», so der CEO of Graff Watches seit 3. Juni 2019, Nicolas Sestito.

Das Ziel ist keineswegs, die Stückzahlen zu erhöhen oder dem JetSet nachzulaufen. Ganz im Gegenteil, die Positionierung ist auf Erstklassigkeit ausgerichtet, und Emmanuel Gueit stellt allen den Kunden in den Vordergrund: «Wenn man eine Uhr erschafft, muss man sich immer vorstellen, wer sie tragen wird». Bei Graff sei es einfach, «der Kauft ist hier immer eine Herzensangelegenheit, man kauft, weil die Stücke und die Steine schön gut sind.» Gueit sagt es so: alle Kardashians dieser Erde können warten, die Kundschaft von Graff bestehe aus gekrönten Häuptern und diskreten Leuten mit riesigen Vermögenswerten: «Wir machen wertvolle Stücke für eine wertvolle Kundschaft».

Emmanuel Gueit, Uhrendesigner und Ausnahmetalent

Die Familie Graff hat Emmanuel Gueit als Künstlerischen Leiter der Graff Uhren eingesetzt. Gueit ist einer der renommiertesten Uhrendesigner der Schweiz. Er hat für sehr grosse Marken gearbeitet, aber auch für sehr kleine – von Rolex bis Ikepod. Sein grösster Leistungsausweis ist, für Audemars Piguet die Royal Oak Offshore entworfen zu haben, eine Uhr, die in der Branche sehr viel verändert hat. Es war die Uhr, welche in den 1990er Jahren den Startschuss für den XXL-Trend gab. Und gleichzeitig die Uhr, welche die ursprüngliche Royal Oak, ein Kind der 1970er Jahre, erst richtig zur Geltung brachte und damit Audemars Piguet in den Rang der Marken mit einem Umsatz von einer Milliarde katapultierte.

Ist Gueit wirklich der richtige Mann für den Job? Wahrscheinlich. Zum Beispiel, man weiss weniger, weil er auch schon mit Juwelieruhren zu tun hatte. Bei Audemars Piguet entwarf er auf Bestellung entsprechende Stücke.

Wie werden die Graff-Uhren aussehen? Im Herbst ist es dann soweit, die ersten Modelle können dann betrachtet werden, wenn Gueit dann immer noch bei Graff ist.

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.