Sonntag , 19. November 2017
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Cvstos, Lady Charm Skull

Happy Halloween: Das „gruselige“ Geschäft mit Halloween

Ich streite mich mit meinen Freunden über Sinn und Unsinn der aus den USA eingeführten (Un)Sitte des Halloween-Feierns. Natürlich gehen meine Freunde an Themenpartys, verkleidet als Zombies, Geister, Hexen und allerlei anderes Kitschig-Gruseliges. Jede Beiz in der Stadt hat ihren eigenen Halloween-Anlass mit speziellem Halloween-Drink, vorzugsweise mit «Blut» oder «Tod» im originellen Namen, und eine Dekoration aus Plastik-Totenköpfen.

Nun, ich als nüchterner, griesgrämiger, zwinglianischer Ex-Zürcher halte das für eine M-Budget-Version von Fasnacht. Wobei die Fasnacht wenigstens noch etwas mit unserer Kultur zu tun hat.

«Aber Halloween ist etwas Ur-Europäisches!», kontern meine Freunde. Damit spielen sie auf den alten christlich/keltischen Brauch des «All Hallows Eve» an, dem Abend vor Allerheiligen, bevor die Türen zwischen dem Reich der Lebenden und dem Reich der Toten kurz geöffnet wurden, und man einen Blick ins Totenreich werfen konnte. Im heidnischen Irland und in der Bretagne wurde es als Samhain gefeiert.

Nur, was haben Plastikmasken und das Betteln um Süssigkeiten mit dem Reich der Toten zu tun? Eben, nichts.

Ich argwöhne hinter Halloween eine weitere überflüssige Einführung des Detailhandels. Jedoch was sich die Uhren-Industrie für Halloween einfallen liess, finde ich jedoch wieder lustig.

Ivan Arpa ist einer der kreativsten Köpfe in der Uhrenindustrie und stellt dies mit seinem Unternehmen Artya täglich unter Beweis. Hinter der kleinen Firma mit knapp zehn Angestellten steht Yvan Arpa. Der Genfer hat zuvor für andere Brands Mondstaubuhren entwickelt und war leitender Manager bei Hublot. 2010 entschloss er sich, sein eigenes Unternehmen zu gründen, mittlerweile hat Artya sechs Produktlinien im Programm. Für Holloween 2015 zauberte er wieder ein Trio von Uhren aus seinem Hut.

Die Marke Romain Jerome, die von Manuel Emch seit Jahren erfolgreich geführt wird, will sich auch vom Halloween Geschäft 2015 eine Scheibe abschneiden.Die Firma ist jung, lag schon einmal am Boden und erlebt, seit Manuel Emch am Ruder steht, einen famosen Aufschwung. Der Grundstein des Erfolgs dieser Nischenprodukte liegt im ebenso augenzwinkernden wie innovativen Umgang mit Legenden. Und in schier unerschöpflicher Kreativität, gepaart mit Fleiss und akribischer Umsetzung.

Bei Cvstos handelt es sich um einen jungen, in Meyrin ansässigen Uhrenhersteller, der von Sassoun Sirmakes und Antonio Terranova 2005 gegründet wurde. Der Name Custos steht im Lateinischen für „Hüter“. Sassoun Sirmakes ist Sohn von Vartan Sirmakes, dem Mitbesitzer und Vorstand der Franck Muller Watchland Group, und kam somit von Kindesbeinen an in engen Kontakt mit Uhrmacherei der Luxusklasse sowie mit deren Vermarktung. Antonio Terranova hat als Konstrukteur und Designer bei TAG Heuer und freiberuflich für Firmen wie Breitling, Ebel oder Zenith gearbeitet. Die Modelle von Cvstos verbinden auf neue Weise avantgardistisches Design mit den klassischen Werten der Schweizer Uhrmacherkunst.

Die Hauptlinien sind Challenger und Pagani, beide vorwiegend in Tonneau-Form mit sehr großem Gehäuse. Bei der Fertigung kommen auch moderne Materialien wie Titan, Palladium oder Gummi zum Einsatz.

Die Modelle von Cvstos verbinden auf neue Weise avantgardistisches Design mit den klassischen Werten der Schweizer Uhrmacherkunst. Die Hauptlinien sind Challenger und Pagani, beide vorwiegend in Tonneau-Form mit sehr großem Gehäuse. Bei der Fertigung kommen auch moderne Materialien wie Titan, Palladium oder Gummi zum Einsatz.

Fawaz Gruosi, Gründer und Kreativ Direktor von de Grisogono hat sich wiedereinmal mit dem „Crazy Skull“ selbst übertroffen. Das Prunkstück ist wahrlich ein Meisterwerk. Kunstvoll gestaltet, aus seltenen und wertvollen Materialien. Der „Crazy Skull“ benötigte fast ein Jahr der Forschung und Entwicklung und es waren rund 250 Stunden komplizierten Schmuckarbeiten erforderlich. Bis zu 45 Karat Steine, aus denen der Schädel und die Zunge gemacht wurden, einige wurden aus rohen Steinen geschnitten, um die Nase und jeden einzelnen Zahn zu schnitzen. Sein komplizierter Mechanismus  wurde maßgeschneidert,  komplett neu ergedacht und von den hochqualifizierten De Grisogono Master Juweliere entwickelt. Sein Mund ist mit einer unsichtbaren Einfassung von 7,70 Karat strahlend weißen Baguette-Diamanten besetzt. Wenn seine Unterkiefer ausgelöst wird,  streckt der „Crazy Skull“  spielerisch seine Zunge heraus. Es handelt sich hier um eine limitierte Edition – Uhr, die wieder einmal erfolgreich die Geschichte von Fawaz Gruosi markiert – den lukullischen Juwelier und Schöpfer. Auch der Preis ist unverwechselbar und nichts für limitierte Portemonnaies: 633‘000 Euro.

Die Marke Speake-Marin wurde 2002 durch den englischen Uhrmacher Peter Speake-Marin in der Schweiz gegründet. Nach seiner Ausbildung zum Uhrmacher in London wechselte Peter in die Schweiz, um sein Wissen über uhrmacherische Komplikationen am Schweizer Aus-und Weiterbildungszentrum für Uhrmacher WOSTEP in Neuenburg zu vertiefen. Anschließend kehrte er nach London zurück, um bei Somlo Antiques in Piccadilly die Restaurierungsabteilung aufzubauen und zu führen. Nachdem er dort sieben Jahre lang antike Uhren restauriert hatte, ging er 1996 erneut in die Schweiz und eröffnete zur Jahrtausendwende nahe des Genfer Sees sein eigenes Atelier.

Auch er wagt sich an das Thema Halloween: Die komplexe Gravur der beiden Totenköpfe auf dem Zifferblatt der Face to Face Kollektion ist mithilfe einer innovativen chemischen Ätztechnik entstanden. Die detailreiche Darstellung mag uns zwar an unsere eigene Sterblichkeit erinnern, doch die Botschaft, die dahintersteht, ist positiv: Genießen wir die Zeit, die wir haben. Ein unterschiedliches Finish sorgt dafür, dass jede Face-to-Face-Uhr in dieser limitierten Auflage ein Unikat ist.

speake-marin-skull

Und last but not least: Fiona Kruger. Zufällig bin ich auf die absolut umwerfenden Arbeiten von Fiona Krüger gestoßen. Sie hat ihren Master in Luxus Industrie und Design an der ECAL/University of Arts and Design gemacht. Die Abschlussarbeit wurde inspiriert von den Schädel-Uhren aus dem 17. Jhd. der schottischen Königin Mary und der Kunst des Día del los Muertos (Tag der Toten). Junge und zukünftige Designer, schaut euch Fionas   Skizzenbücher genau an! So könnt ihr einem kreativen Kopf beim Denken zusehen und das ist viel Wert. Fiona Krüger hat bei ihrer Arbeit die Unterstützung eines Schweizer Uhrenherstellers erhalten. Was, glaubt ihr, hat sie bestimmt zu ihrem Meeting mit den Geldgebern aus der Industrie mitgenommen? Genau!  Das Skizzenbuch.

Ich finde Fionas Uhren einfach großartig. Diese elegante und raffinierte Wiedergabe des menschlichen Schädels, auf dem die Zeit abgemessen wird, um auf diese Art und Weise eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erschaffen.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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