Dienstag , 19. September 2017
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Der ehemalige erfolglose Film-Regiesseur und exzentrische Unternehmer Nick Hayek

Hayek’s Journalisten-Schelte, „ZeroTwo“ und „One More Thing“

Der heute 60-jährige Nick Hayek CEO der Swatch Group ist eine Provokation auf zwei Beinen. Ständig macht er sich auf Kosten anderer lustig und versucht so Schlagzeilen in den Medien zu machen.*

So zum Beispiel hält Nick Hayek den Smartwatch-Hype nur von Journalisten für herbeigeredet und der Trend sei schon lange pase, entwickelt aber trotzdem eigene Modelle. Nicht von einem Silicon-Valley-Giganten abhängig zu werden, ist dabei nur eine der Vorbedingungen. Nach der Lancierung einer eigenen Smartwatch Ende Juli relativiert Swatch-Chef Nick Hayek die multifunktionalen Uhren der Konkurrenz. Er kündigte an, die Swatch «Touch Zero One» sei noch längst nicht das Ende der Entwicklung, es gäbe «Platz für Zero Five» oder mehr.

«Die nächste Version, die Swatch Touch Zero Two, werden wir an den Olympischen Spielen in Rio lancieren», sagte Hayek in einem Interview mit «Tages-Anzeiger» und «Bund» vom Samstag. Ende Juli hatte das Unternehmen die erste Version in Klagenfurt anlässlich der Beachvolleyball-Europameisterschaft vorgestellt.

Die Uhr habe nicht den Anspruch, alles zu können und zu revolutionieren. Es sei ein «sehr sorgfältig gefällter strategischer Entscheid» gewesen, kein Telefon, keinen Computer fürs Handgelenk zu produzieren. «Diese Geräte, die alles können, fressen so viel Strom, dass sie keine 24 Stunden ohne Steckdose aushalten.» Die Batterie der Swatch hingegen hält laut Hayek neun Monate und könne vom Besitzer selber gewechselt werden.

Den Vorwurf, sein Unternehmen habe die Entwicklung auf dem Smartwatch-Feld verschlafen, lässt Hayek nicht gelten. Ein Zukunftsmarkt der multifunktionalen Uhren existiere «vorerst nur im Kopf der Analysten und Journalisten», es seien vor allem Amerikaner, die glauben, dass die Leute eine Uhr nur wegen der Funktionalität kaufen würden. «Uhren werden zuallererst wegen der Emotionen gekauft, die sie transportieren», wiederholte der Swatch-CEO frühere Aussagen.

Er müsse zudem den Eindruck korrigieren, die Schweizer Uhrenindustrie habe den Anschluss verpasst, betonte Hayek. «In Sachen Automatisierung, Miniaturisierung, Standardisierung und Reduktion des Stromverbrauchs, innovative Materialien, Transmissions-Technologien und Navigation sind wir am Jurabogen weltweit führend.»

Noch in diesem Jahr werde Swatch zudem mit «Near Field Communication» die Uhr als Alternative zur Kreditkarte auf den Markt bringen. «Die Technologie funktioniert, wir regeln gerade noch letzte Details mit unserem Partner aus der Kreditkartenbranche», sagte Hayek. Auch zur Zugangskontrolle könne die Uhr eingesetzt werden.

Garantiert nicht vordringen werde sein Unternehmen in den Medizinbereich. Als Uhrenproduzent könne er nicht die Verantwortung dafür übernehmen, ob sein Gerät den Kunden etwa rechtzeitig vor einem Herzinfarkt warne. «Ich persönlich möchte nicht, dass meine Blutdruck- und Blutzuckerwerte in einer Cloud oder auf Servern im Silicon Valley gespeichert sind.»

«One More Thing.»

Im Battle Apple Watch vs. Swatch teilen die Schweizer Tiefschläge aus: sie beantragen Markenschutz für „One more thing“.

Steve-Jobs-One-More-Thing

„One More Thing“ war der Lieblingssatz von Steve Jobs, mit dem er an Special Events die Stimmung anheizte. Die Fans liebten den Spruch und so verwundert es nicht, dass auch Jobs‘ Nachfolger Tim Cook darauf setzte, als es darum ging, Apples Einstieg ins Uhrengeschäft anzukündigen.

onemorething

Als Vater von «One More Thing» gilt aber nicht der Apple-Gründer, sondern ein schrulliger Fernsehdetektiv. Schon in den 1970er-Jahren nervte Schauspieler Peter Falk in der Rolle als Inspector Columbo die Verdächtigen.

nick Hayek_one more thing

Und nun hat sich also Swatch den berühmten Spruch als Wortmarke rechtlich schützen lassen. Der Eintrag ins internationale Markenregister datiert vom 22. Mai 2015. Er lautet «SWATCH ONE MORE THING».

Der US-Techblog Patently Apple hat diese Woche darüber berichtet und international einige Reaktionen ausgelöst. Was Swatch mit der Marke vor hat, ist nicht bekannt. Das Unternehmen will sich nicht in die Karten blicken lassen. Auf Anfrage teilt die Medienstelle schriftlich mit: «Swatch lässt prinzipiell Uhrennamen (oder Namen von Kollektionen) in verschiedenen Kategorien schützen.» Im vorliegenden Fall sei der Name von Inspektor Colombos Zitat «Just one more thing» inspiriert – das Designer-Team plane offensichtlich eine Serie in der Art von «Film noir».

In der aktuellen Swatch-Kollektion fänden sich zum Beispiel Namen wie «Moitié-Moitié» oder «Centrino», die von kulinarischen Spezialitäten (dem berühmten Schweizer Fondue), oder von der Technik inspiriert wurden, heisst es. «Andere werden von Filmen inspiriert.»

Der Schachzug von Swatch soll also nichts mit Apple und dessen Einstieg ins Uhren-Business zu tun haben? Das mag glauben, wer will.

Aufschlussreich ist in jedem Fall die zeitliche Abfolge. Im September 2014 enthüllte Apple anlässlich der iPhone-6-Präsentation seine Smartwatch. Drei Monate später reichte Swatch ein Schutzgesuch für die Marke «Swatch One More Thing» ein. Im Februar 2015 ging Swatch-Chef Nick Hayek an die Öffentlichkeit und kündigte eigene Smartwatches innert drei Monaten an. Im März hiess es dann, die «Touch Zero One» komme im Sommer.

Dann brachte Apple im April seine erste Uhr heraus. Dazu sagte der unabhängige Schweizer Smartwatch-Experte Pascal König im Interview mit dem watson Nachrichtenportal, Apples Markteintritt habe «sicherlich bei der Entwicklung der Smartwatch von Swatch eine wesentliche Rolle gespielt».

Wir erinnern uns an die juristischen Geplänkel rund um die Marke iWatch, die sich Apple heimlich sichern wollte. Swatch ging weltweit gegen die Eintragung ins Register vor.

 

 *Anmerkung des Autors: Dazu kommt auch Nick Hayek’s gewöhnungsbedürftiges Outfit, er trägt „B“, nicht Brioni, gemeint ist der Brockenhaus-Look. Ich darf und kann so schreiben, da ich unabhängig und keiner dieser gekauften „Uhrenfachjournalisten“ bin! Mein Blog ist 100% frei von störender Werbung und banaler PR.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.