Montag , 21. August 2017
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Indien: Luxusmarkt boomt trotz Krise

Indien und China gehören beide zur bedeutenden Gruppe der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), welche die am schnellsten wachsenden wichtigen Volkswirtschaften der letzten zwanzig Jahre darstellten. Beide haben eine Bevölkerung von jeweils rund 1,3 Milliarden, mehr als ganz Nordamerika und Europa zusammen – und damit enden bereits die Gemeinsamkeiten.

maharaja-express---schmuckstuecke-indiens-2Die renommierte Unternehmensberatungsfirma A.T. Kearney und der indischen Industrieverband CII (ein Pendant zum deutschen BDI) haben kürzlich in einem gemeinsamen Bericht für den indischen Luxusmarkt im Jahre 2017 ein Volumen von fast 12 Milliarden Euro prognostiziert. Dies wäre im Vergleich zu 2015 ein Anstieg um fast 80 Prozent. Zwar bremst die starke Inflation auch ein wenig die Kauflaune, vor allem die der gutsituierten Mittelschicht, doch vor allem Luxusgüter werden sich in den kommenden Jahren steigender Nachfrage erfreuen, da die Zahl der Einkommensmillionäre immer noch stetig steigt. Wenn man den beiden Institutionen A.T. Kearny und CII glauben kann, ist hier mit Fug und Recht von einem Boom zu sprechen.

Dabei konzentriert sich der Luxusmarkt schon lange nicht mehr nur auf die großen Metropolen wie Delhi oder Mumbai, auch kleinere, in Europa oft unbekannte Städte wie Surat, Jammu, Indore, Ludhiana oder Chandigarh wurden inzwischen von internationalen Luxusmarken als interessante Standorte ausgemacht. Denn inzwischen leben dort Kunden, die Wert auf Qualität legen und über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, sich diesen Anspruch auch leisten zu können. Nobeleinkaufsstraßen fehlen in den genannten Städten heute zwar noch, aber durch die Shoppingmöglichkeiten im Internet haben potenzielle Käufer von Luxusmarken auch in Indien Zugang zum schönen Konsum gefunden – und die Händler haben über das Internet oder auch über das Fernsehen einen hervorragenden Weg zu ihren Konsumenten gefunden.

tour2-1Noch bis zur Jahrtausendwende war das Verhalten der Konsumenten in Indien ganz anders. Damals waren Inder eher sparsam und nicht so sehr konsumorientiert. Der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung, die gute Entwicklung der Gehälter in einige Branchen und die Tatsache, dass die wohlhabende indische Mittelschicht etwa zwischen 25 und 25 Jahre alt ist – ein an und für sich sehr konsumfreudiges Alter – haben zu einem Wandel geführt. Dabei sind die Konsumenten in Indien auch heute noch sehr preis-leistungsbewusst. Sie investieren bevorzugt in langlebige Produkte wie Autos, Uhren, Schmuck oder Möbel mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis.

Inzwischen eröffnen die Luxusanbieter in den drittrangigen Städten Indiens auch vermehrt Einzelhandelsgeschäfte. Genesis Luxury, die Luxusmarken wie Burberry, Canali oder Armani in Indien vertreiben, sucht sich gerade Einzelhandelsflächen in Surat, Chandigarh, Jaipur und Ludhiana. Auch Reliance Brands und Kimaya gehen verstärkt in die kleineren Städte Indiens. Vergessen sollte man natürlich nicht, dass diese kleinen indischen Städte alle mindestens 1 Million Einwohner haben.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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