Dienstag , 15. Oktober 2019
Home / Allgemein / Ist die Baselworld wirklich am Ende?

Ist die Baselworld wirklich am Ende?

Für mich war es 2019 die 43. Baselworld, eine Ausgabe die ich mit einem weinenden und lachenden Auge besucht habe.  

Als ich persönlich und exklusiv vor Messebeginn das neue Messedesign besichtigen durfte, war ich ziemlich geschockt. Dort wo die Swatch-Group jahrzehntelang Hof hielt und Nicky-Boy (Hayek Jun.) seine schreibenden Buddies pamperte, insbesondere AL und GLB, war auf der rechten Seite gähnende Leere, das Pressezentrum, eingeklemmt wie in einem Sandwich von Chopard, Gucci und Breitling. Auf der linken Seite sind Chanel mit doppeltem Standvolumen und Bell & Ross (Bell & Ross gehört zur Chanel Gruppe).

Breitling war der grosse Gewinner der neuen Situation in der Halle 1.0, denn linksseitig gab es ein Breitling Restaurant, das auch von Medienvertreter gerne benutzt wurde. Wobei auch nicht sicher ist, ob Breitling noch 2020 an der Baselworld teilnehmen wird.

Auch Gucci hat von diesen Neuerungen immens profitiert und fuhr gleich mit zwei Messeständen auf.  Dem Greenhaus, wo die Gucci Grip Kollektion eindrücklich präsentiert wurde sowie dem Hauptstand.

Trotz Vergrösserung des Pressezentrums war es um die Mittagszeit immer überfüllt. Bei den Mahlzeiten hatte man sich qualitativ bemüht, jedoch wurde auch dort von der Quantität gespart. Highlight war der Brotsalat von dem einem übel wurde. Wer 15 Minuten nach Zwölf kam, hat schon nichts mehr vorgefunden. Die Uhren-Journaille insbesondere die Deutsche, Österreichische und Schweizerische hatte sich wieder gratis verköstigt. Das Problem lag vielleicht daran, dass wiederum Hinz und Kunz einen Presse-Badge erhalten, vor allem Anzeigen-Aquisiteure vor allem aus dem grossen Kanton, insbesondere die Ebner Presse, die wirklich nicht auf die Messe gehören, oder Chefredakteure und Journalisten die Anzeigen akquirieren. Oder Blogger, Instagramer, und sonstiges «Kommunikationsgesindel», die nur zum «Uhren abgreifen» kommen. Auch die Aussteller beschweren sich zunehmend dass diese mediale Nichtsnutze mit einer Aggressivität und Penetranz vorgehen die Beispielslos ist.

In der Halle 1.1 war Jacob & Co wie seit Jahren dominant präsent. Jacob & Co ist ein ganz eigener Kosmos von Jacob Arabo, wobei es dort die besten Blinis – meist noch warm – mit Caviar und Sauerrahm gibt. Und selbstverständlich Moet Chandon Champagner. Vor dem Messestand wurde ein Hypersportwagen, der «La Voiture Noire», eine Einzelanfertigung für 11 Millionen Euro angefertigt zur 110 jährigem Geburtstag der Marke Bugatti – ohne Steuern – platziert, passend zum Schmuck und zu den Uhren, die alle ab 500’000 Euro beginnen. Jacob & Co steuerte die Armbanduhr zum uniken Boliden vor. 1,2 Mio. Euro kostet die Uhr noch dazu.

Dort wo in der Vergangenheit der Swarovski Stand war, war wiederum ein Futtertrog. Jedoch nicht gratis auch hier musste man ordentlich bezahlen. Aus Ständen wurden somit Profit-Centers kreiiert.

In Halle 1.2 haben sich die Aussteller beschwert, dass es zu dunkel ist. Flux hat die Messeleitung zusätzliche Spots installiert. Stefanie Mändlein von der Inhorgenta hat sich auch sehr nett um diese Aussteller gekümmert.

«Les Ateliers», die unabhängigen Uhrmacher, waren in der ehemaligen Halle 4 die heute die Halle 1 Süd ist. im oberen Stock, dort war jahrelang das Pressezentrum war wurde der Watch Incubator plaziert, Start-Up-Unternehmen, für die ein Tisch und ein paar Stühle installiert wurden.

Michel Loris-Melikoff hatte sich angestrengt, in kürzester Zeit die Messe zu transformieren, ob es nicht zu spät war, werden die Ergebnisse der Aussteller zeigen. Wie jedes Jahr konnte Hublot, Zenith, TAG Heuer und Bulgari wiederum Rekordergebisse erzielen. Die Rekordergebnisse mussten dann immer nach einem halben Jahr nach unten korregiert werden.

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.