Montag , 26. Juni 2017
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Durch den Tourbillon Hype wird der „After Sales Service“ vernachlässigt.

Ist die Wartung und Reparatur von hochpreisigen Uhren in Gefahr?

Während die bezahlte Uhren-Journaille den Tourbillon Armbanduhren Verkauf weltweit seit Jahrzehnten künstlich anheizt, stellt sich die berechtigte Frage, welche Uhrmacher die Zehntausenden von verkauften Tourbillon Armbanduhren der letzten 20 Jahre in den nächsten 20 Jahren warten und reparieren werden. Investitionen der Uhrenindustrie werden einseitig ausschliesslich in die Produktionskapazität getätigt, der Kundendienst wird jedoch gänzlich vernachlässigt.

Zeitmesser – zumindest solche, die bei den Sammlern begehrt sind – sind mechanische Gegenstände. Und alles, was mechanisch ist, muss gewartet werden. Die Zahnräder, Triebe und Federn müssen gelegentlich gesäubert und geölt werden. Das sollte von einem Uhrmacher durchgeführt werden. Eine sachgemäße Wartung erfordert vor allem Zeit und zwar nahezu so viel Zeit wie für die Montage und Regulierung eines von Grund auf neuen Uhrwerks erforderlich ist (und dies beinhaltet nicht die Fertigung).

Im Laufe des nächsten Jahrzehnts müssen alle diese teuren, komplizierten Zeitmesser gewartet werden. Was wird passieren? Bereits heute ist die Wartung einer Luxusuhr teuer. Die Wartung einer Uhr, deren Preis weniger als 10 000 Schweizer Franken beträgt, kostet einige Hundert Schweizer Franken. Bei einer Uhr, deren Preisschild einen sechsstelligen Betrag aufweist, kostet die Wartung hingegen mehrere Tausend Schweizer Franken. Das ist nicht nur teuer, sondern nimmt zusätzlich auch sehr viel Zeit in Anspruch. Die Wartezeit beträgt üblicherweise mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate. Auch wenn das eine absurd lange Zeit ist, fügen sich die Sammler demütig. Denn die Uhrmacher, welche die meisterhaften Zeitmesser hervorbringen und auch professionell warten und reparieren können, arbeiten in ihrem eigenen entschleunigten Rythmus.

Die Folgen sind vorhersehen. Weil die Beschäftigungssituation in der Uhrenbranche angespannt ist, – wie bei Michel Parmigiani und Christophe Claret zum Beispiel – werden die Kosten für eine Wartung steigen und die Wartezeiten immer länger. Momentan ist es so, dass die meisten Uhrenhersteller viel mehr Ressourcen in die Produktion stecken als in den Kundendienst. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Arbeitskräfte als auch der Investitionen.

Uhrenmarken verkünden häufig umfassende Investitionen für die Produktionskapazität (Ausbau der vertikalen Diversifikation, um so Abhängigkeiten von Zulieferern zu minimieren). Der Kundendienst hingegen wird nur selten gewürdigt. Die Kundendienstabteilungen, auch als After Sales Service bezeichnet, verblassen beim Besuch einer Uhrenmanufaktur schon heute angesichts der Größe des Produktionsbereichs.

Im vergangenen Jahrzehnt wurden mehr Luxusuhren als je zuvor verkauft. In den kommenden zehn bis 20 Jahren müssen diese gewartet werden. Die Schweiz exportierte 2014 fast 29 Millionen Zeitmesser, darunter mehrere Zehntausend hochpreisige, komplizierte Uhren. Insgesamt werden in den kommenden Jahrzehnten mehrere Hunderttausend solcher Uhren in Umlauf sein.

Das Ungleichgewicht zwischen Produktion und Kundendienstkapazität ist ein Problem, das in die nahe Zukunft verschoben wird. Die Besitzer edler Zeitmesser werden schließlich die Folgen zu spüren bekommen, sofern die Uhrenmarken nicht bald etwas unternehmen.

Deshalb, durch eine regelmässige Wartung steigt der Werterhalt und die Funktionalität der Sammler Uhr. Jedoch auch hier schon sind Wartezeiten von 10 bis 20 Wochen keine Seltenheit, da es an personellen Kapazitäten mangelt. Zudem ist der Fachhandel nicht in der Lage, die Uhren selbst zu warten und zu reparieren, da die Uhrenhersteller, die dafür erforderlichen Teile dem Fachhandel nicht liefert, um so  auch von der Wertschöpfungskette nochmals zu profitieren.

 

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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