Sonntag , 20. August 2017
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Kann die neue TAG Heuer Modular 45 den Erfolg bringen, den das Unternehmen dringend braucht?

TAG Heuer hatte mit seiner ersten Smartwatch nur mässigen Erfolg beim Fachhandel und beim Konsumenten. Mit der Luxus-Smartwatch Connected Modular 45 soll sich gemäss TAG-Heuer-CEO Jean-Claude Biver alles ändern. Biver versteht sich gemäss eigener Aussage als Revolutionär der Schweizerischen Uhrenindustrie. Er eifert seinem Idol, dem verstorbenen Swatch-Chef Nicolas G. Hayek, den viele vermissen, nach.

Die Medien überschlagen sich mit Vorschuss-Lorbeeren. Zuvorderst die Handelszeitung – ein Springer-Ringier Blatt – das die komplette Pressemitteilung von TAG Heuer abdruckt und auch noch vom stellvertretenden Chefredakteur gezeichnet wurde, dies obwohl er vom Uhrenbusiness keine Ahnung hat. Die anwesenden vorwiegenden C-Medien – nicht zu vergessen die bekannten Vertreter der „PR-Uhren-Journaille“ – waren „eingeladene und somit gekaufte“ Gäste des Presseevents in Brunnen SZ, denn für die Anreise- und Übernachtungskosten plus allen Extras kam TAG Heuer auf. Auch die Vertreter der NZZ hatten ihre Nase vorne und liessen sich von dieser Masche einseifen. Das TOURBILLON meidet in der Regel solche Massenevents, wo Journalisten „gekauft“ werden, denn mit der Akzeptierung der Einladung werden auch die bekannten Spielregeln des Gastgebers goutiert.

Doch zurück zur „Chamäleon Smartwatch“, wie die schweizerische Boulevard-Zeitung „BLICK“ treffend titelte. Ursprünglich, so Marketing-Genie Biver, sei die Veranstaltung auf der „Rütli-Wiese“ geplant gewesen, dort wie die Schweiz gegründet wurde. Biver erhielt jedoch einen Korb von den Behörden, die eine Kommerzialisierung der Rütli-Wiese – “Wiege der Schweizerischen Eidgenossenschaft” wird das stille Gelände am Urnersee genannt – strikt nicht zuliesen.

Arthur Touchet, European Editor von Hodinkee, einem Online-Uhrenmagazin, führte durch die Veranstaltung und versuchte eine Struktur reinzubekommen, was ihm jedoch nicht gelang, weil er laufendend den „Faden“ verlor. Alphatier Biver funkte ihm laufend drein.

Die traditionsreiche TAG Heuer sei gut ins Smartwatch-Geschäft gestartet: 2016 hatte der Uhrenhersteller gemäss eigenen Angaben alle 60’000 Stücke seines Einsteigermodells verkauft. Auf zwei Events in der Schweiz und in Kalifornien hat Schweizerischen Uhrenhersteller TAG-Heuer seine neue Luxus-Smartwatch vorgestellt: Die Connected Modular 45 ist der Nachfolger der Carrera Connected, die Tag Heuer vor zwei Jahren präsentiert hatte. Die neue Connected Modular 45 hat Tag Heuer im schweizerischen La Chaux-de-Fonds „konzipiert, entwickelt und montiert“.

Die Luxusuhr ist mit dem Wearable-Betriebssystem Android Wear 2.0 ausgestattet und wird von einem Atom-Prozessor von Intel angetrieben (genauer: der Z34XX). Der Akku der Smartwatch soll bei „normaler Nutzung“ einen Tag lang durchhalten. In knapp zwei Stunden ist sie wieder vollständig aufgeladen.

Wie schon der Name vermuten lässt, ist die Uhr modular aufgebaut: Auf Wunsch kann man Armbänder, Schnallen und Laschen austauschen, womit sich die Connected Modular nach eigenen Wünschen personalisieren lässt. Sogar ein Austausch der Smartwatch-Einheit ist möglich – dann wird aus der schlauen eine normale Uhr mit Mechanikwerk und Handaufzug. Es ist auch möglich einen Tourbillon einzubauen. Bis zu 16.500 Euro kann der Kunde für seine individuell zusammengestellte Armbanduhr ausgeben. Los geht es ab 1600 Euro für das Basis-Modell. Das Gehäuse der Uhr hat einen Durchmesser von 45mm und ist bis zu 50 Meter wasserdicht.

Die Connected Modular hat 4 GByte Speicherplatz und verfügt über WLAN B/G/N, Bluetooth BLE 4.1, einen GPS-Empfänger und einen NFC-Sensor fürs schnelle Bezahlen. Ein 1,4 Zoll großes Amoled-Display zeigt die anpassbaren Ziffernblätter mit einer Auflösung von 400 × 400 Pixeln (287ppi). Per Fingerstreich lassen sich die digitalen Ziffernblätter auswechseln – insgesamt stehen davon 330 zur Auswahl. Die Uhr weiß nicht nur die Uhrzeit, sondern informiert etwa auch über zurückgelegte Schritte, verbrauchte Kalorien oder den aktuellen Dollarkurs. Wie bei Android Wear 2.0 üblich wartet sie zudem mit Sprachsteuerung, Smartphone-Benachrichtigungen und Googles Assistant auf. Die smarten Optionen der Uhr lassen sich mit der Companion-App für Android nutzen. Eine iOS-Version folgt „in Kürze“.

Der höhere Preis soll Käufer nicht abhalten. Vom neuen Modell will TAG Heuer 150’000 Stück produzieren, vom alten Modell wollte TAG Heuer ursprünglich 250’000 Stück (produziert wurden lediglich 60’000 Stück) verkaufen. Biver ist denn auch vorsichtig opitmistisch, was den Geschäftsverlauf 2017 betrifft. Die Verkäufe sollen um 8 bis 10 Prozent steigen. Zuversichtlich stimmt den TAG-Heuer-CEO angeblich die Entwicklung in China und auch Europa erhole sich langsam.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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