Montag , 26. Juni 2017
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Die erste Hybrid-Watch von Kairos

Kommt nach der Smart- nun die Hybrid-Watch?

Die Zukunft der Schweizer Armbanduhr liegt in der Verbindung zwischen der guten alten Mechanik und der modernen Elektronik in einem Uhrwerk. Heisst die Zukunft Hybrid-Uhr?

Vor knapp einem Jahr gehörte Xavier Comtesse, der Gründer der Reflexionsgruppe „Watch Thinking“, zu einer Reihe von Beobachtern, die das Nicht-Interesse der Schweizer Uhrenbranche für die intelligenten Uhren kritische beurteilte. Heute zeigt er sich beruhigt: „Alle Chefs, oder fast alle, haben ihre Meinung geändert. Dahinter steckt kein Bluff. Sie stellten im Lauf der letzten Monate schlicht fest, dass die Schweiz über gewaltige technologische Errungenschaften verfügt und viel besser ausgerüstet ist als Kalifornien, sich auf diesem Markt durchzusetzen.“

Auch am Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) in Neuenburg, wo seit mehr als 15 Jahren an der Miniaturisierung von Technologien gearbeitet wird, die vom Menschen in verschiedensten Bereichen genutzt werden sollten, herrscht diese Stimmung. „Medien und Analysten unterschätzen die Reaktionsfähigkeit der Schweizer Uhrenindustrie. Die Schweiz hat alle mikrotechnischen und elektronischen Kompetenzen, um intelligente Uhren zu produzieren, die qualitativ hochstehend sind und ästhetisch überzeugen“, sagt Jens Krauss, der beim CSEM für dieses Forschungsprojekt zuständig ist.

Der als konservativ geltende Mikrokosmos der Uhrenbranche hatte es vorgezogen, zunächst abzuwarten, um zu sehen, welche Konturen dieser Markt annehmen würde, der zur Zeit erst eine kleine, technophile Gruppe der Bevölkerung anspricht, bevor sich mit voller Kraft darauf zu stürzen. Eine Haltung, die Jens Krauss als „eher intelligent“ einschätzt.

Denn ungeachtet all der sensationellen Ankündigungen der Elektronik-Riesen hat es bisher keine der intelligenten Uhren geschafft, die Nutzer wirklich zu überzeugen. „Das von Apple und Samsung bisher definierte Produkt ist nichts anderes als ein Smartphone, das am Handgelenk getragen wird. Es hat nichts Revolutionäres an sich, und die Funktionen dieser Uhren werden den Bedürfnissen der Konsumenten nicht wirklich gerecht“, schätzt der CSEM-Ingenieur.

Nachdem er zwei Monate lang eine ganze Reihe von Unternehmen in der Uhren- und der Digitaltechnologie-Branche in den USA besucht hat, hat Xavier Comtesse einen besseren Eindruck, wie die intelligente Uhr der Zukunft beschaffen sein sollte. „Es wäre eine Art Fernbedienung für die Dinge, die uns nahe liegen, wie das Auto, der Computer oder die Haustechnik, aber auch ein Instrument, mit dem man Bankzahlungen erledigen oder im Supermarkt bezahlen könnte“, sagt er.

Und genau in diese Richtung scheint sich Swatch zu orientieren. Das Unternehmen hat angekündigt, es führe mit Coop und Migros, den zwei grossen Detailhändlern der Schweiz, Gespräche über eine Partnerschaft für digitales Bezahlen. Jean-Claude Biver hingegen bleibt rätselhaft, was seine Absichten angeht. „Unsere intelligente Uhr wird sich von jenen der Konkurrenz abheben müssen, indem sie andere Funktionen anbietet, dabei aber der DNA der Marke Tag Heuer treu bleibt“, ist alles, was er dazu sagt. Anfang November wurde die mithilfe von Google und Intel gebaute Edel-Smartwatch mit viel Pomp und Prominenz in New York vorgestellt. Nur einen Monat später zeigt sich: Die Uhr ist ein Erfolg. „Es liegen 100’000 Bestellungen vor, es werden Sonderschichten bei TAG Heuer gefahren und der offizielle Verkauf soll nun vorgezogen werden“, so Jean-Claude Biver.

Angesichts der Finanzkraft der Giganten des Web 2.0, hat die Schweizer Uhrenbranche nach Ansicht von Xavier Comtesse drei Trümpfe in der Hand: Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Kenntnis der Luxusindustrie. „Man muss Apple den 2CV überlassen und einen intelligenten Ferrari anbieten. Die Leute sind es leid, Dinge zu haben, die sie immer wieder neu laden und ersetzen müssen“, sagt Comtesse.

Was die zentrale Frage des Energieverbrauchs angeht, zeichnen sich in der Schweiz verschiedene Lösungen ab. Bei Vaucher Manufacture, einem auf die Produktion von Uhrwerken spezialisierten Unternehmen, schätzt man, dass die Zukunft in der Verbindung zwischen einem mechanischen Uhrwerk und einer digitalen Schnittstelle der Uhr liegt. Damit könnte das einzigartige Wissen der Schweizer Uhrenindustrie bewahrt werden, und die Uhr würde wieder ihren herkömmlichen Zweck als Werkzeug erhalten.

„Wie ein Velodynamo würde das automatische Uhrwerk, angetrieben durch das Handgelenk, fast ununterbrochen eine Batterie oder Zelle laden, mit deren Energie die Software-Schnittstelle der Uhr funktionieren würde. Das Problem der geringen Betriebszeit der Smartwatch wäre damit gelöst“, sagt Takahiro Hamaguchi, der bei der Neuenburger Firma für den Bereich Entwicklung zuständig ist.

Solche Energiegeneratoren seien bei Vaucher Manufacture bereits entwickelt worden, bekräftigt Takahiro Hamaguchi. „Wir müssen nur noch interessierte Partner finden, in der Schweiz oder im Ausland, um eine solche Hybrid-Uhr zu produzieren.“

(wird fortgesetzt)

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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