Donnerstag , 29. Juni 2017
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Die Krawatte entdeckt Weihnachten

Es ist November und somit Zeit an gerne zurückkehrende Weihnachtsgeschenke zu denken. Ich werde Ihnen über diese nächsten Wochen einige dieser typischen Artikel, wie Krawatten, Hemden oder Socken näher bringen. Es liegt mir am Herzen, dass Sie die wirkliche Qualität von kommerzieller Ware unterscheiden können und somit wissen, was, wem zu verschenken ist!

Gemäss Lexikon ist „die Krawatte ein längliches Stück Stoff, das um den Hals, mit einem Krawattenknoten gebunden, zu einem Hemd getragen wird. Sie entwickelte sich ursprünglich aus der Krawattenschleife („Fliege“), indem ihre Enden immer länger bis zum heutigen Langbinder geschnitten wurden.“

à la croateDer Langbinder, wie wir die Krawatte auf Deutsch nennen, geht gemäss der Legende auf eine Truppenparade im Paris von 1663 zurück. Louis XIV lud zu dieser Schau, vor dem sich im Bau befindlichen Schloss zu Versailles, auch ein kroatisches Ritterregiment ein. Die Reiter trugen der Erzählung nach ein geknöpftes Stück Stoff um den Hals, welches dem König sehr bekam. Er übernahm diese Cravate und machte sie zum zeitgenössischen französischen „must have“.
Das Wort „Krawatte“ geht somit auf das französische „à la cravate“, zu Deutsch „nach kroatischer Art“ zurück. Gewisse österreichische Herren nennen den Schlips auch heute noch einen Kroaten.

Krawatten gibt es heute aus verschiedensten Materialien; Sei es Leder, Hanf, Holz, Metall oder Glas, für mich, als sartoriellen Purist, gelten aber nur wenige klassische und typische Grundgewebe als krawattenwürdig. Englische Seide oder Wolle, sowie mongolischer Cashmere sind die einzigen akzeptablen Fasern um eine qualitativ hochstehende Krawatte zu weben und anschliessend zu falten.

Die Breite sowie die Länge des Langbinders ist nicht Mode-, sondern vom Körperbau des Trägers abhängig. Sie müssen in Einklang mit dem Anzug, dem Hemdkragen und dem jeweiligen bevorzugten Knopf stehen und sind somit eine sehr persönliche Angelegenheit.

In den 1920er Jahren entschied der New Yorker Schneider Jesse Langsdorf den Krawattenstoff diagonal zur Webrichtung zu verarbeiten. Dieses kleine Detail erleichtert das Binden und Lösen. Der Seidenstoff nimmt den ausgeübten Zug besser auf. Logischerweise erscheint das Krawattenmuster dadurch in einem 45 Grad Winkel.

Britische regimental KrawattenEs gibt hierbei ein kleines Detail zu beachten, welches Sie vor einer üblen Überraschung retten kann. Die Amerikaner (Brooks Brothers, Ralph Lauren, etc.) schneiden die Krawatte so, dass das Muster eine Diagonale von oben rechts nach unten links zeigt. Die Engländer schneiden die Langbinder 90 Grad gedreht, was das Muster diagonal von unten rechts nach oben links gehen lässt. Passen Sie auf, dass Britische Regiments Krawatten (diagonal gestreift) nur von Mitglieder des jeweiligen militärischen Regiments, der Privatschule oder Universität getragen werden dürfen. Wollen sie nicht ins sartorielle Fettnäpfchen treten, binden sie sich eine amerikanisch geschnittene regimental Krawatte um den Hals!

 

7fold Krawatte von proportiomenswearIch persönlich verkaufe meinen Kunden nur die in Neapel handgemachten und arbeitsaufwendigen „siebengefalteten Krawatten“, der einzig *echten“ Krawatte. Sie besteht aus einem einzelnen quadratischen Seidentuch, dessen Diagonale die Länge der Krawatte bestimmt. Dieses Tuch wird dann siebenfach gefaltet, bis es so schmal ist, dass man es als Krawatte binden kann. Die Faltung wird auf der Rückseite mit einer kleinen Naht fixiert. Diese sieht vielfach wie ein zu langer Faden aus, darf aber auf keinen Fall gekürzt oder abgeschnitten werden.

Die Einlage einer Krawatte wie ich sie proiduziere darf nur aus weicher und elastischer Schurwolle bestehen. Durch diese Einlage erhält die Krawatte eine leichte Polsterung, welche den Seidenstoff glättet und dem Knopf ein bisschen Volumen gibt.

 

In meinem nächsten Artikel, werde ich ihnen die vielfältige Art eine Krawatte zu binden näher bringen.

About Thomas Brigger

Geboren und aufgewachsen in der Zentralschweiz, hatte er immer schon ein klares Interesse für Bekleidung und Mode. Nach cum laude Abschluss am renommierten Istituto Marangoni in Mailand, arbeitete Thomas zuerst als Strickwaren Designer bei Ermenegildo Zegna, bevor er für mehrere Jahre die Anzug- und Hemdenkollektionen bei Dolce & Gabbana entwarf. 2007 zog er nach Paris und übernahm die Design Direktion für Sonia Rykiel's Herrenkollektion. Im Jahr 2010 gründete er sein eigene Marke proportio, welche den zeitgenössischen, internationalen Gentleman mit handgearbeiteter Massschneiderei und allen erwünschenswerten Accessoires einkleidet.

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