Dienstag , 19. September 2017
Home / Uhren / Chopard Co-Präsident reanimiert „Ferdinand Berthoud“
Chronmètrie FB 1 in Weissgold Ausführung

Chopard Co-Präsident reanimiert „Ferdinand Berthoud“

First-Chronométrie-Ferdinand-Berthoud-launched-at-the-Yacht-Club-de-France-in-Paris-September2015
Karl-Friedrich Scheufele, bei seiner enthusiastischen Präsentation

Die Chopard-Gruppe hat ab sofort auch ganz offiziell ein neues Mitglied. Es handelt sich um die „La Chronométrie Ferdinand Berthoud SA“ mit Sitz in Fleurier, wo die Werkefertigung des Hauses Chopard angesiedelt ist. Dazu Karl-Friedrich Scheufele, der Co-Präsident des Familienunternehmens: „Der Kauf des Namens erfolgte bereits im Jahr 2006″.

Gestern wurde die Marke offiziell in Paris von Karl-Friedrich Scheufele lanciert.  Der Filius und Co-Präsident des weltgrößten familiengeführten Uhren- und Schmuckimperiums präsentiert damit eine Herzensangelegenheit. Die Premiere ist laut Scheufele „eine moderne Uhrenversion, die der Meister heute vermutlich erschaffen würde, wenn er in unserer Zeit lebte“. Daher auch der Name für die Uhr: „Chronomètre Ferdinand Berthoud FB 1“. Die Armbanduhr wurde ausschliesslich den Mitgliedern des umstrittenen Syndikats WWMG World Watch Media Guild vorgestellt. Drei Jahre Entwicklungszeit sowie 1120 Komponenten stecken in der Armbanduhr; sie geht mit vier Patentanmeldungen an den Start. Dazu gehören zum Beispiel ein Tourbillon mit Zentralsekunde, ein Regulierungsantrieb über Kette und Schnecke sowie ein mobiler Kegel für die Gangreserveanzeige.

Die erste Kollektion besteht aus 100 COSC-zertifizierten Chronometern, aufgeteilt auf zwei Versionen: 50 Exemplare verfügen über ein Gehäuse aus Roségold und schwarzer Keramik, weitere 50 werden in Weißgold und Titan geschalt. Die 44 Millimeter großen, achteckigen Gehäuse sind nicht nur mit einem Saphirglas-Schraubboden, sondern auch mir vier entspiegelten Saphirgläsern an den Gehäuseflanken ausgestattet. Die Saphirgläser eröffnen faszinierende Einblicke auf den Mikrokosmos des Handaufzug-Manufakturkalibers FB-T.FC, das mit 21,600 A/h (3Hz) für die heutige Zeit langsam getaktet ist und gewährleistet eine Autonomie von 53 Stunden. Sowohl die ausgefallene Säulenarchitektur als auch der konstante Antrieb über Kette und Schnecke gehen dabei auf Konstruktionen von Ferdinand Berthoud in seinem Marinechronometer MM Nr.6 von 1777 zurück. Der Antrieb ist eine „hängende“ Konstruktion, also nur auf der Platine gelagert. Federhaus und Schnecke sind über eine 28 Zentimeter lange Kette verbunden, deren 474 Glieder und 316 Sperrstifte komplett von Hand montiert werden. Damit das Uhrwerk beim Aufziehen nicht stehen bleibt, ist das Aufzugssystem mit einem Differenzialgetriebe ausgestattet. Weitere technische Leckerbissen sind die Gangreserveanzeige mit hängendem mobilem Kegel und die Tourbillon-Hemmung. Die damit in Verbindung stehende zentrale Anzeige der Sekunde sucht ihresgleichen. Sie wird über ein Rad angetrieben, das auf der gleichen Achse wie das Antriebsrad des Torbillonkäfigs sitzt. Die Transmission lässt sich durch eine lang gestreckte Zifferblattöffnung erkennen. Die Anzeige der Sekunde erfolgt auf einem transparenten Saphirglas-Rehaut am Zifferblattrand. Stunde und Minute werden dagegen dezentral auf einem weiß lackierten Hilfszifferblatt bei zwölf Uhr dargestellt. Die Anzeige der Gangreserve erfolgt bei neun Uhr über eine auf die Platine gravierte Skala. Der Mechanismus ist über ein Antriebsrad direkt mit dem Federhaus verbunden.
Die Ferdinand Berthoud FB 1 wird am Alligatorlederband mit Sicherheitsfaltschließe inklusive Längenverstellung getragen und kostet in beiden Versionen 220 000 Euro (239 000 Schweizer Franken) liegen. Drei bis vier Uhren werden monatlich hergestellt. Äusserst selektiv wird auch die Distribution sein, 7 – 8 Fachhändler weltweit werden in den Genuss dieser Marke kommen.

Bisher wurden 1,25 Mio. Schweizer Franken in das Projekt „Ferdinand Berthoud“ investiert.

Mehr demnächst in der Print Ausgabe TOURBILLON Nr. 43, Herbst 2015 oder TOURBILLON Nr. 44, Winter 2015/2016 (SIHH 2016) Ausgabe! Mit einem Jahres-Abonnement sichern Sie sich auch diese Ausgabe.

Ferdinand Berthoud
Ferdinand Berthoud

Ferdinand Berthoud (* 18. März 1727 in Plancemont bei Neuchâtel, Schweiz; † 20. Juni 1807 in Groslay bei Montmorency) war ein Schweizer Uhrmacher des 18. Jahrhunderts, der zahlreiche Schriften zur Uhrmacherei veröffentlichte. Sein Hauptverdienst lag in der Entwicklung eines besonders robusten Marinechronometers. Im Jahr 1745 ging er nach Paris, wo er vor allem mit Julien Le Roy zusammenarbeitete. Er entwickelte und baute Uhren, Taschenuhren und Chronometer, deren Zeitgenauigkeit und Präzision er perfektionierte. Hervorzuheben sind hierbei seine Verbesserungen der Schwingungsergebnisse der Spiralunruh und des Chronometerganges. U.a. wurde Berthoud deswegen auch zum Hoflieferanten Königs Ludwig XV. und dessen Enkel und Nachfolger Ludwig XVI. bestellt.
1807, im Alter von 80 Jahren, starb Ferdinand Berthoud in Groslay bei Montmorency (Val-d’Oise) in der Nähe von Paris.

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

Schreibe einen Kommentar