Montag , 26. Juni 2017
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Luxusmagazin „L’Officiel“ Schweiz in Konkurs

Man nannte ihn „Ikarus de Medienbranche“ – keiner flog höher als er. Oliver Burger, Herausgeber des Hochglanz-Magazins „L’Officiel“ Schweiz, hatte, wenn man ihn traf, nur Positives zu berichten. Auflagezahlen, Inseratevolumen, Leserzahlen – alles war im grünen Bereich. Man konnte nur staunen (oder neidisch werden) – in einer für Printmedien schwierigen Zeit. Sandra Bauknecht, als Chefredaktorin mit einem Aktienpaket am Geschäft beteiligt, konnte die Champagnerkorken knallen lassen, so geschmiert lief das Geschäft: „Gemäss Bilanz ging alles gut, immer besser, alle freuten sich.“

Und dann der Knall. Am 3. August musste „L’Officiel Schweiz“ Konkurs anmelden. Die Zahlen, die Oliver Burger vorgelegt hatte, waren gefälscht. Wegen Bilanzfälschung muss sich der Tausendsassa jetzt verantworten. Oliver Burger gibt an, dass er „sich selber bei der Polizei angezeigt“ habe.

rechts im Bild, Oliver Burger mit seinen Buddies
Oliver Burger mit seinen Buddies (links im Bild)

Wie genau es lief: Oliver Burger hat fiktive Rechnungen ausgestellt, hat Bilanzen gefälscht, einen Gewinn angegeben, wo in Wirklichkeit ein Verlust war. Kurz: Er hat dem Verwaltungsrat falsche Zahlen präsentiert. Wie die sehr enttäuschte Sandra Bauknecht über ihren seit zwei Jahren engsten Kollegen sagt: „Dieser Mensch hat uns getäuscht“. Die Scheinrechnungen, die er gestellt hatte, bezahlte er schliesslich mit seinem eigenen Geld, um die Situation zu retten, in der Hoffnung, die allgemeine Lage (sprich Konjunktur) werde besser. Ein Verwaltungsrat: „Als die Situation schon katastrophal war, hat er nicht den Mut gehabt, es uns einzugestehen. Als wir vor vollendete Tatsachen gestellt waren, war es zu spät, um noch Massnahmen zu ergreifen.“ Alle haben Geld verloren (der Schaden-Verursacher selbst 382’000 Franken). Nach dem Konkurs wird „L’Officiel Schweiz“ von „L’Officiel Paris“ übernommen, die neue Chefredaktorin ist Odile Burger, erste Frau des verstorbenen PKZ-Chefs Philippe Olivier Burger.

Oliver Burger, der seine Tätigkeit als Verlagskaufmann beim Kulturmagazin „Du“ unter Oliver Prange startete (vorher war er Kaufmann, Werber und Galerist), gibt Fehler zu: „Das Gerücht geht um, ich hätte Geld unterschlagen. Das Gegenteil ist wahr – Ich wollte mit meinem eigenen Geld die Firma retten. Dass ich Bilanzen fälschte, war ein grober Fehler.“

Sandra Bauknecht mit ihrem neuen Lover
Sandra Bauknecht mit ihrem neuen Lover

Das „L’Officiel Schweiz“ startete mit grossen Hoffnungen – und viel Selbstbewusstsein. Im Mai 2014 mit grosser Party im „Kaufleuten“, Sandra Bauknecht wie immer märchenhaft angezogen. Da sie in ihrem Blog „sandrascloset“ über Luxusgüter berichtet, legen ihre die Designer die teuersten Klamotten vor die Tür und hoffen, dass sie sie anzieht und mit ihrem hübschen Äusseren gute Reklame macht. Bauknecht muss jetzt über „diese irre Enttäuschung“ hinwegkommen. Nach dem Drama mit „L’Officiel“ widmet sie sich weiter ihrem Blog. Wie es mit ihrer Menschenkenntnis steht, bleibt offen, aber sie hat ein Händchen für Männer, die den „Geruch des Geldes“ verbreiten. Zurzeit ist sie mit Patrik Liotard-Vogt liiert (Sohn eines ex-Nestlé-Präsidenten), der auch schon mal vor Gläubigern in die Karibik flüchten musste. Ihr ex-Mann ist Gero Bauknecht (Küchenmaschinen-Erbe); seine neue Freundin sieht aus wie eine jüngere Sandra.

Was macht Oliver Burger jetzt? „Konkrete Pläne habe ich keine. Ich ordne mein Leben neu.“

(Quelle: Schwaninger Post, Hildegard Schwaninger)

 

Update 20.10.2016

Der internationale Verlag Jalou Media Group, mit Sitz in Paris, übernimmt das Magazin «L’Officiel Schweiz», wie die Agentur Affinity-PrimeMedia in einer Mitteilung schreibt.

Seit seiner Gründung 1921 habe L’Officiel seinen Platz im Herzen des Luxus- und Modeuniversums. Die Schweizer Ausgabe wurde im Frühjahr 2014 durch den Verlag Blond Publishing als Lizenznehmer lanciert und seither unter der Leitung von Chefredaktorin Sandra Bauknecht publiziert.

Wie bislang werde das Magazin zweisprachig publiziert, für die Deutschschweiz und die Romandie. Bezüglich der Zusammensetzung des neuen Redaktionsteams sei die Jalou Media Group zurzeit im Gespräch mit einigen der Mitarbeiter des bisherigen Teams und werde im Verlaufe der nächsten Woche hierzu kommunizieren.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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