Freitag , 20. Oktober 2017
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Luxusuhr Arachnophobia

Luxusuhr Arachnophobia: kollektive Spinnerei …

Die Manufaktur MB & F stellt jetzt gemeinsam mit der Manufaktur Swiza eine knapp zwei Kilo schwere, dick vergoldete, mechanische Spinne her. Als Tischuhr, für knapp 18.000 Euro, mit mechanischen Beißwerkzeugen. Durch Drehen des Spinnenkörpers kann man die Beine verstellen, damit die Spinne sich duckt, aufrichtet oder in Angriffshaltung positioniert: „Das lässt den Eindruck entstehen, als würde die Spinne jemanden beißen wollen“, freut sich Arnaud Nicolas, dessen Firma Swiza für die Mechanik verantwortlich zeichnet. Man könnte auch sagen: Der, der Uhrenindustrie Beine gemacht hat.

Die Vorrichtung zum Aufziehen sitzt am Spinnenbauch, und der Hersteller freut sich geradezu arachnisch über diesen klugen Zug: „Der Eigentümer muss mit der Uhr auf enge Weise interagieren, um sie aufzuziehen und die Uhrzeit dieses Präzisionsinstruments zu stellen. Er baut förmlich eine enge Beziehung zu ihr auf“, verrät mir Maximilian Büsser von MB & F in Genf.

Inspiriert wurde der Achtbeiner übrigens von einer anderen Spinne, der Riesenskulptur „Maman“ von Louise Bourgeois. Im kritischen Direktvergleich ist dazu zu sagen, dass das Kunstwerk zwar viel größer ist, aber, wie das mit Kunst so ist, auch vollkommen unnütz, weil es noch nicht mal die Uhrzeit anzeigen kann. Eine enge Beziehung zu einer neun Meter hohen, statischen Metallspinne wäre irgendwie auch schwierig, weil so wenig zurückkommt, nicht wahr? Andererseits gibt es Beziehungen, bei denen man sich noch viel mehr wundert, also jedem Tierchen sein Pläsierchen.

PhotoDesk__20110725-200713_detail_popupTrotzdem dürfte auch zur tickenden Tischspinne eine Beziehung eher einseitig sein. Wozu also das Ding? Man kann ja noch verstehen, dass man sich eine knapp kiloschwere, mehrere Millionen teure Patek Philippe, wenn schon nicht ans Bein, so doch an den Arm bindet. Zwar leidet die Attraktivität des Trägers durch die daraus resultierende Bizeps-Asymmetrie, aber das dürfte durch die zur Schau getragene Solvenz mehr als wett gemacht werden.

Wozu also, fragen wir nochmal, wozu ausgerechnet eine Spinne? Und da sind wir wieder bei der Smartwatch-Industrie mit all ihren Trackern: Wenn unsere Handys uns ausspionieren und der Laptop durch emsiges Datensammeln eher weiß als man selbst, ob man sich von seinem Partner trennen, erkranken oder eine Pizza bestellen wird, dann möchte die Luxusuhrenindustrie zeigen: Das können wir auch ohne digitale Technik. Dann machen wir eben Spinnen.

Spinnen, die in steter Angriffshaltung auf unseren Tischen und an unseren Wänden lauern, die leise vor sich hin ticken, ein ständiges, unausweichliches memento mori. Die aber eine viel bedrohlichere Stille verbreiten, wenn man ihnen nicht rechtzeitig den Bauch krault.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.