Dienstag , 15. Oktober 2019
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Management-Querelen bei Uhrenhersteller Corum

Im Management der krisengeplagten Uhrenfirma Corum aus La Chaux-de-Fonds soll es zu einer massiven Schrumpfung gekommen sein.

Offenbar wurde der ursprünglich aus acht Mitgliedern bestehende Vorstand auf vier Positionen reduziert. Das berichtet eine interne Quelle gegenüber der «TICK-TALK.CH».

Hon Kwok Lung, Eigentümer der Citychamp Group

Die Verkleinerung des Managements, das auch für die Geschicke der Uhrenmanufaktur Eterna verantwortlich ist, soll auf Anweisung des chinesischen Besitzers, der Citychamp Watch & Jewellery Group, geschehen sein. Corum wollte sich dazu nicht äussern. Ein Citychamp-Sprecher bestätigte, dass es ein Treffen gegeben habe, es sei zu einer Reduzierung im Management gekommen.

Zuletzt machte die ebenfalls zur Citychamp-Gruppe gehörende Uhrenmarke Eterna mit einem drohenden Konkurs von sich reden. Dieser wurde aber abgewendet. Wer bei Corum derzeit das Ruder in der Hand hält, ist unklar.

In kurzer Zeit verheizten die Chinesen drei Schweizer Top CEO’s aus der Uhrenindustrie, das zeigt dass die Chinesen für Luxus-Marken kein Händchen haben.

 

Im Dezember wurde bekannt, dass Corum-Chef Jérôme Biard abtritt. Er wird per 1. April 2019 die Führung bei Roventa-Henex übernehmen, wie das PR-freie Uhrenportal «TICK-TALK.CH» erfuhr.

Wer aber in La Chaux-de-Fonds derzeit das Ruder in der Hand hat, ist unklar. Laut Branchenkennern soll Teguh Halim, Vorstandsmitglied von Citychamp, momentan eine führende Rolle im Management spielen. Halim ist Schwiegersohn von Citychamp-Präsident Hon Kwok Lung und bereits seit Jahren als Abgesandter seines Schwiegervaters regelmässig bei Corum und Eterna, um nach dem Rechten zu sehen, sagt ein Insider. Doch unklar bleibt, was Hon mit Corum und Eterna vorhat. Citychamps Pläne weiter rätselhaft. Sicher ist: Hon glaubt weiterhin an seine Schweizer Uhrenmarken und will  weiter investieren. So äusserte er sich in einer Pressemitteilung Ende Januar. Die Schuld der Misere bei den beiden Uhrenmarken sieht er im Missmanagement der lokalen Führung.

Robert Dreyfuss, war Interims CEO bei Eterna. Irgendetwas verstand er falsch an seinem Auftrag, während des Verkaufs seines Familienunternehmens – der Dreyfuss Gruppe – versuchte er mit dem noch vorhandenen Eterna Budgets seine Gruppe aufzuhübschen. Als die Dreyfuss Gruppe von der City Champ Group übernommen wurde, hat es Dreyfuss sehr schnell mit dem Abschied.

Wer sich bei ehemals Involvierten über die Intention der Chinesen umhört, der erhält stets dasselbe ambivalente Bild: Kaum einer zweifelt an der Leidenschaft Hons für Schweizer Uhren. Doch immer wenn man kurz vor dem Break-even stehe, drehe China aus unerklärlichen Gründen den Geldhahn zu. Die Folge: Zulieferer würden nicht bezahlt, Uhren nicht produziert und demzufolge nicht verkauft. Ein Ehemaliger drückt es so aus: «Jeder, der einen Monat innerhalb von Corum verbringt, kann nur zu einer Schlussfolgerung kommen: Was hier passiert, ist einfach verrückt.»

Ein ehemaliger CEO einer Uhrenmarke meinte zu TICK-TALK.CH, «dass ihn die Zählerei und Rapportiererei von verbrauchten Toilettenpapier aufreibt, und dass es nicht zu seinem Reportoire gehöre.»

 

 

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.