Samstag , 25. März 2017
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Man’s World in Zürich: keine Kerle in Sicht

Die Man’s World findet vom 2. bis 5. Februar 2017 neu in der ehemaligen ABB-Halle StageOne beim Bahnhof Oerlikon statt. „Entdecken, geniessen, degustieren, ausprobieren und networken“ hiess das diesjährige Motto. Gestandene Kerle hatte ich keine gesichtet, vorwiegend Weicheier.

James Browns „This Is a Man’s World“ schallt durch die Stände, es duftet nach Moschus, und in der Eingangshalle steht ein Hubschrauber – die Man’s World öffnete am Donnerstag  in Zürich-Oerlikon zum zweiten Mal die Türen, und es strotzt nur so vor Testosteron. Die Messe richtet sich an Männer, die auf Massanzüge, Massschuhe, Whiskey-Tastings und Bartpflege stehen. So jubelt das Schweizer Boulevard Blatt „Blick“ die Man’s World, die zum zweiten Mal stattfand,  in ihrem Blatt hoch.

Boulevard, Blender und Blogger

Weiters fährt die Autorin Carolina Küstermann des Schweizer Boulevard Blatts „Blick“ bewundernd und undifferenziert fort. Einer, der diesen Lifestyle verkörpert, sei der Zürcher Ralph Widmer (31). Der selbsternannte  «Gentleman», besitzt rund 30 Anzüge (die er nicht bezahlte sondern sich schenken liess) und schreibt auf seinem Blog agentlemans.world über Luxusmode, teure Uhren und schnelle Autos, von allem versteht er wenig. Ein Gentleman könne aber jeder sein zitiert die Blick Autorin den influencer Widmer. «Du kannst dich cool kleiden, ohne viel Geld zu besitzen. Eine teure Uhr macht noch keinen Gentleman.» Viel wichtiger, sagt der gelernte Kaufmann, sei eine positive Einstellung. «Man sollte immer anderen den Vortritt lassen, denken, bevor man spricht, und mit viel Leidenschaft arbeiten.» Was sich gar nicht gehört, seien aber weisse Socken und Sneakers unter dem Anzug – die gehören laut Widmer ins Fitness-Studio. Alles sinnloses Blabla. Widmer gehört zu jener modernen kurzlebigen Zeiterscheinung „Blender und Blogger“, die auf Kosten anderer leben, – er durfte sich an der Man’s World gratis durchfuttern, durchtrinken, durchrauchen – der nie etwas produziert oder geleistet hat und wie  meine Eltern sagen würden, nichts „Richtiges“ gelernt hat. Tick-Talk hatte schon mehrmals über diese Spezies berichtet.

Ohne Passion und ohne Seele

Die Realität der Man’s World sah jedoch völlig anders aus: auf über 2000m2 präsentierten sich improvisiert 100 wild zusammengewürfelte Marken, eine konzeptlose „Chilbi“ für Männer, die man nicht Ernst nehmen konnte. Der Empfang am Pre-Opening war unfreundlich und unprofessionell. Das Einchecken der Gäste war umständlich und zeitraubend. Parkplätze waren keine für die Medienvertreter vorhanden.

Im provisorisch eingerichteten Casino im ersten Stock auf der Veranda konnte jeder sein Glück versuchen. Zu gewinnen gab es einen Satz Spielkarten „made in China“. Nostalgiker hantierten an Flipperkästen, Pacman, Billiard, Tischfussball, Mini Ping Pong, Darts und weiteren Games auf dem Hallengelände. Wer sich für Mode interessierte, konnte Massanzüge – ich korregiere die Blick Autorin Masskonfektionsanzüge und Massschuhe – ich korregiere die Blick Autorin Masskonfektionsschuhe made by Dominik Risch – für sich ordern. Beim Rundgang entdeckte ich auch einen Barbier, eine Zigarren-Lounge – zu empfehlen ist jedoch der Besuch des Stands „Nüesch Humidore“ aus St. Gallen, denn Nüesch hat ein einzigartiges, unschlagbares Befeuchtungssystem in seinen Humidoren eingebaut – und ein Renn-Simulator. Man konnte sich in ein Helikopter-Cockpit sitzen und sich von drei-dimensionalen retrofuturistischen Steampunk-Erfindungen von Jan Henrik Hansen inspirieren lassen. Übrigens: Die Uhrenmarken Zenith (eine LVMH Marke) und Ingersoll (billigste Chinaware) waren auch an der Man’s World!

Am Pre-Opening wurde eine „Man’s World“ Charity-Auktion vom Sotheby’s Schweiz Geschäftsführer durchgeführt. Dabei konnte man einen Helikoperflug, eine Limited Edition von Zenith oder ein kleines Offroadfahrzeug ersteigern. 17 Auktions-Lots wurden versteigert, deren Erlös einer Stiftung für gesundheitsfördernde Projekte für Männer zufloss.

Enttäuscht habe ich die Veranstaltung, in die ich grosse Erwartungen gesetzt hatte, ziemlich früh verlassen. Eine Man’s World sieht für mich anders aus.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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