Dienstag , 25. April 2017
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Mein Besuch in Liechtenstein

Das Ländle, wie es von den Liechtensteiner selbst liebevoll bezeichnet wird, ist bisher nur als Finanzplatz wahrgenommen worden und hatte damit ein grosses Imageproblem. Dies soll sich gemäss Gerlinde Manz-Christ, Leitern der strategischen Kommunikation des Fürstentum Liechtensteins, ändern. Es wird auch höchste Zeit, denn die Finanztouristen, die Ihr Geld bisher besuchten, bleiben aus, aus lauter Angst vor selbsternannten Whistleblowers. Massive Einbrüche in der Gastronomie und Hotellerie sowie im Fachhandel sorgen für eine allgemeine Unzufriedenheit. Das Strassenbild in Vaduz erinnert nachts an eine Schlafstadt. Vereinzelt sieht man auch bekannte Uhren-Journalisten-Gesichter aus Zürich, Deutschland und Österreich, vorwiegend in alkoholisiertem Zustand, die ihre grosszügigen Kick-Backs bei den Banken abholen, die standesgemäss, seit es das legendäre Hotel Restaurant Real nicht mehr gibt, im naheliegenden 5-Sterne Luxushotel Quellenhof in Bad Ragaz von ihren Kunden mit Limousinenservice untergebracht wurden.

Tagsüber vormittags ist jedoch reger Betrieb in den Fachgeschäften, das Strassenbild ist geprägt von mehrheitlich asiatischen Touristen, ähnlich wie in Luzern und Interlaken, insbesondere vor dem Huber Fachgeschäft von Norman J. Huber, der drei Fachgeschäfte, zwei in Vaduz und eines in Lech besitzt, wo sich Menschentrauben befinden, um Erinnerungs-Selfies zu machen, die sich über die Websiten der Uhren-und Schmuckfachgeschäfte zuhause eingeloggt haben, um sich die Uhr oder den Schmuck zu stark reduzierten Tour operators Konditionen online vorzubestellen und dann persönlich abzuholen. Aus Bussen im 30-Minuten Rhythmus entsteigt die kostbare Fracht aus Asien, die Umsatz auf der Stirn geschrieben hat.

Ganz anders ist die Situation beim Juwelier Herzog Loibner in der Aeulestrasse 20. Die Parkplätze vor dem architektonisch beeindruckenden Geschäft sind alle leer, gemächliche Ruhe, im Fachgeschäft selbst eine entspannte einladende kaufbereite Atmosphäre, alles mit Stil und Bedacht. Individuelle Beratung wird hier gross geschrieben, Masse ist hier fehl am Platz. Das Geschäft ist in U-Form angelegt, vorne und links sind in geschmackvoll dekorierten Vitrinen der Marken wie zum Beispiel Girard-Perregaux, Corum, Zenith, etc. untergebracht, geht man vorne und dann vorne Montblanc, Mido, Oris, Jacques Lemans, Raymond Weil, etc. rechts kommt man in eine private Lounge, wo man sich diskret für Verkaufsgespräch zurückziehen kann.

Bianca Herzog empfängt mich freundlich. „Unsere Kernkompetenz ist der Schmuck“ und verweist hierbei sofort auf eine exklusive Schmucklinie aus dem eigenen Hause, die sie im Mai einführen werden. „Dass eine Frau ein elegantes Schmuckstück mit unserem Namen trägt, ist eine sehr schöne und äusserst erstrebenswerte Vorstellung, so Bianca Herzog, „die Marke Herzog Loibner mit dem Aldusblatt als Punze gibt es schon, denn seit unserer Eröffnung fertigen wir für unsere Kunden Unikate an“. „Der Prozess zur eigenen Schmuckkollektion war daher kein so grosser Schritt mehr“. Susanne Loibner stösst zu unserem Gespräch: „Ganz klar werden Farbsteine im Vordergrund unserer Kollektion stehen. Farbsteine sind Persönlichkeitssteine, sie sind so individuell wie ihre Trägerin, unterstreichen ihren Charakter, ihre Sinnlichkeit und Weiblichkeit“. „Die Prototypen entstehen hier bei uns. Gefertigt werden die Stücke dann in Italien“, erklärt Susanne Loibner.

Wir werden durch potentielle Kunden aus China, die das Fachgeschäft betreten, in unserem Gespräch unterbrochen. Bianca Herzog kümmert sich sofort um diese drei Kundinnen aus Shanghai und switcht sofort in ein perfektes Mandarin um. Mit Erfolg, sie verkauft innert Minuten eine Zenith Armbanduhr. „Wir verkaufen Zenith bei uns am Besten, gefolgt von Oris“, meinte Sie zu dem Verkauf mit den Chinesinnen. „Zenith ist auch deshalb für uns interessant, da sich die LVMH Marke sehr stark in der Oldtimer Szene engagiert, wir haben sehr viele Kunden, die einen Oldtimer besitzen“ so Bianca Herzog. „Das passt auch hervorragend in unser Eventkonzept“.

Da wird man sicher noch einiges von Herzog Loibner hören, ich bleibe am Ball.

Weiterführende Informationen

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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