Sonntag , 23. September 2018
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Michael Kors: Flucht von der Bahnhofstrasse

Die Firma Michael Kors bezahlt 8 Millionen Schweizer Franken, um ihren teuren Mietvertrag vorzeitig loszuwerden. Eine Trendwende?

Ist die Züricher Bahnhofstrasse so teuer, dass sie kippt? Diesen Eindruck vermittelt die Meldung. Der Modedesigner Michael Kors will die Luxusmeile nach nur zwei Jahren wieder verlassen – und sei bereit, zur Beschleunigung des Abschieds 8 Millionen Schweizer Franken zu zahlen. So viel Geld erhalte der Nachmieter, der den langjährigen, kostspieligen Mietvertrag übernehme. Hierbei handelt es sich um die Bekleidungsmarke Lacoste, die deshalb zum Schnäppchenpreis an eine Toplage komme. Die Firma Lacoste, die den 200-Quadratmeter-Laden an der Bahnhofstrasse 54 übernimmt, kriegt als von Kors während acht Jahren eine Million Schweizer Franken an Jahresmiete bezahlt. Laut Insidern zahlt der Luxusgüterhersteller zwei Millionen Schweizer Franken Miete. Zusätzliche Büroräume kosten 300‘000 Schweizer Franken. Faktisch könne der Nachmieter also mit einem jährlichen Zins von einer Million durchkommen, wenn er die Büros weitervermieten würde. Ein Schnäppchen

Negatives Schüsselgeld: Nervosität an der Bahnhofstrasse macht sich breit

Während Firmen früher ein Schlüsselgeld in Millionenhöhe zahlten, um Mietverträge für die begehrten Verkaufslokale an der Bahnhofstrasse von alten Mietern zu übernehmen, wäre dies das gegenteilige Phänomen: ein negatives Schlüsselgeld. Manche sehen darin einen Trend, Branchenkenner, die selber Geschäftslokale an der Bahnhofstrasse vermitteln und deshalb auf Anonymität pochen, winken jedoch ab und fangen an zu relativieren. Es handle sich um einen Einzelfall – sofern es überhaupt zutreffe. Die beiden am Deal beteiligten Unternehmen haben diesen bisher nicht offiziell bestätigt. Es sei anzunehmen, dass eine solche Summe gezielt von Immobilienhändlern gestreut wird, damit sie an den negativen Schlüsselgeldern mitverdienen wollen. Nachdem sie vorher das Gegenteil machen und die Preisspirale mit überhöhten Angaben zum Mietzinsniveau noch oben drehten.

Michael Kors: Filialnetz zu schnell gewachsen

Der Auszug soll noch vor dem Sommer erfolgen und ist Teil einer grösseren Bereinigungsaktion. Das Filialnetz ist viel zu schnell gewachsen – in sechs Jahren von 180 auf fast 1000 POS. Im Schnitt öffneten weltweit pro Woche zwei Läden. Gleichzeitig bot das Unternehmen seine einst so begehrten Taschen – made in China – auf immer mehr Schnäppchenportalen an.  Die Budgetstrategie machte das Filialnetz weitgehend obsolet. Im Juli 2017 – wir berichteten darüber  – kaufte Kors der Investmentholding JAB der deutschen Familie Reimann die Schuhmarke Jimmy Choo ab und erwartete sich damit einen Imagetransfer.

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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