Montag , 26. Juni 2017
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Sascha Moeri (CEO Carl F. Bucherer) und Arnold Schwarzenegger Baselworld 2012 (c) Alexandra Pauli

Mit Arnold Schwarzenegger im Gespräch

Auf welche Weise haben Ihre österreichischen Wurzeln Ihr Leben beeinflusst? Welche Bedeutung hat Ihre Heimat für Sie?

Man darf nicht vergessen, dass Österreich der Ort war, an dem meine Vision geboren wurde. Dort entwickelte ich Disziplin und den Willen, erfolgreich zu werden. Aus diesem Grund wird Österreich immer meine Heimat bleiben und einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen. Oft erkläre ich den Menschen, dass ich zwei Persönlichkeiten habe – meine österreichische und meine amerikanische. Ich sehe alles aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln, und ich denke, dass mir das immer einen grossen Vorteil im Leben verschafft hat.

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Mister Universe

Was sind Ihre Hobbys?

Alle meine Berufe sind Hobbys für mich. Denn ich hätte all diese Dinge – Bodybuilding, Schauspielerei und meine Tätigkeit als Gouverneur – auch gemacht, ohne dafür bezahlt zu werden. Das ist ja das Wundervolle, wenn man seinen Leidenschaften folgt: Wenn du das, was du tust, wirklich liebst, dann ist auch deine Arbeit ein Hobby.

Ausserdem spiele ich gerne Schach und Pool und sammle neben Kunst und Uhren, wie Sie wissen, auch Schuhe, Gürtelschnallen, Flaschen sowie Zigarren-Humidore, -anzünder und -abschneider … und überhaupt alles. Ausserdem schätze ich Handarbeit, darum liebe ich es, eine schöne Uhr anzusehen und mir dabei vorzustellen, wie der Uhrmachermeister Jahr um Jahr damit verbracht hat, sein Handwerk zu perfektionieren.

Gab oder gibt es eine «best time of your life»?

Ich würde behaupten, dass das die Geburt meiner Kinder war. Das Gefühl, Vater zu werden, ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen. Abgesehen davon, ist es meine Lebensphilosophie, stets hungrig auf Neues zu bleiben. Deshalb glaube ich fest daran, dass die beste Zeit meines Lebens schon im nächsten Moment beginnen könnte. Ich denke selten zurück und geniesse den Moment im Jetzt, denn es ist um Längen spannender, der unbekannten Zukunft entgegenzugehen.

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Mit „The Terminator“ schrieb Schwarzenegger Filmgeschichte. Bis heute gilt der Film als Kult.

Sie sind stark in gemeinnützige Projekte eingebunden. Welche Organisationen bevorzugen Sie dabei?

Etwas zurückgeben zu können ist so befriedigend, dass es zur Sucht wird. Ich mag einige eher traditionelle Organisationen, wie zum Beispiel das Rote Kreuz. Ich schätze daran, dass sie 90 Prozent ihres Budgets in ihre Wohltätigkeitsprojekte investieren. Vor kurzem habe ich an das «Wounded Warrior Project» gespendet, denn meiner Meinung nach ist es wichtig, unsere echten Actionhelden zu unterstützen, nachdem sie zurückgekehrt sind. Zudem habe ich eigene Initiativen gegründet. Vor mehr als 20 Jahren habe ich «After-School All-Stars» gegründet, ein Projekt, das bedürftigen Kindern nach der Schule ein Programm bietet, in dem sie nicht nur sicher sind, sondern sich auch verwirklichen können.

Nach meiner Karriere als Gouverneur in Kalifornien rief ich das Programm R20 ins Leben, um gegen den Klimawandel vorzugehen. Es umfasst unterschiedliche Regionen, die Aktionen für den Klimaschutz durchführen und es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihre regionalen Denkansätze weltweit zu verbreiten.

Ausserdem gründete ich kürzlich das «USC Schwarzenegger Institute». Damit werde ich die Anliegen, die mich bereits als Gouverneur beschäftigt haben, auch in Zukunft weiterverfolgen.

Wer waren Ihre Vorbilder, und wie wurden Sie von ihnen beeinflusst?

Ich hatte das Glück und die Möglichkeit, alle meine Idole persönlich zu treffen und von deren direkter Lebenserfahrung zu lernen. Einer meiner frühen Helden war der Bodybuilder Reg Park, welcher zuerst zum Mr. Universe gewählt wurde und dann als Herkules in die Kinos kam. Ich hatte das Gefühl, einen Entwurf für mein Leben gefunden zu haben, als ich in einer Zeitschrift in Österreich seine Geschichte las.

Ein anderes Vorbild war Joe Wieder, der Herausgeber jener Zeitschrift, die mich sehr inspirierte. Den Ideen seiner Zeitschrift verdanke ich die Träume und Visionen meiner Kindheit und Jugend, die mich schliesslich nach Amerika brachten. Auch Muhammad Ali zählt zu meinen Idolen, nicht nur, weil er der beste und erfolgreichste Kämpfer aller Zeiten war, sondern auch der grosszügigste.

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„Ich werde auch weiterhin Druck auf andere Regionen ausüben, damit wir weitere Schritte hin zu einer sauberen grünen Wirtschaft innerhalb der R20 machen.

In Ihrem Leben haben Sie viele professionelle Stationen durchlaufen. Was haben Profisport, Showbusiness und Politik gemeinsam?

Fünf Prinzipien, unabhängig vom jeweiligen Beruf, haben mir geholfen, in meinen verschiedenen Karrieren erfolgreich zu sein.

1. Habe einen Traum.

2. Denke in grossen Dimensionen.

3. Ignoriere die, die nicht an dich glauben.

4. Arbeite hart.

5. Gib zurück, was dir gegeben wird.

All diese Regeln durfte ich beim Bodybuilding lernen. Ich habe sie in jeder neuen Rolle angewandt und von ihnen Gebrauch gemacht. Es ist nicht wichtig, was du tust:

Diese fünf Regeln sind universell. In meiner Bodybuilding-, Film- und Politikkarriere haben sie alles möglich gemacht. Deshalb möchte ich sie gerne näher ausführen.

Habe einen Traum! Alles beginnt mit einem Traum. Sobald man seine Vision gefunden hat, weiss man, wohin es einen zieht, und die Vision macht den harten Weg dorthin leicht. Absolut irrelevant, ob ich damals ein Bodybuilding-Champion werden oder meine erste Wahl gewinnen wollte – ich habe meinen Traum immer vor mir gesehen.

Denke in grossen Dimensionen! In kleinen Dimensionen zu denken wird einem immer Grenzen setzen. Es ist wichtig, diese Grenzen zu vergessen. Als ich Gouverneur war und die Infrastruktur ausbauen wollte, haben die Abgeordneten gedacht, ich meine damit, hier und da eine Strasse zu bauen. Aber ich dachte an Brücken, an eine Schnellstrasse, an neue Universitäts- und Schulgebäude, an bezahlbares Wohnen, neue Gefängnisse, an ein komplett neues Transportsystem und an viele andere Infrastrukturprojekte. Und das ist genau das, was wir umgesetzt haben – weil wir nicht in kleinen Massstäben gedacht haben.

Ignoriere diejenigen, die nicht an dich glauben! Immer dann, wenn man eine grosse Vision hat, werden Menschen an dir zweifeln. Aber es ist wichtig, trotzdem dranzubleiben. Als ich ein Filmstar werden wollte, haben die Leute gesagt: «Ein übermässig entwickeltes Monster namens Schwarzenschnitzel mit Akzent wird niemals ein Hauptdarsteller sein.» Gut, dass ich nicht geglaubt habe, was die Leute sagten, weiter hart gearbeitet habe und ihnen das Gegenteil Mr. Universe und die Schauspielerin Sally Field. beweisen konnte.

Arbeite hart! Wiederholungen sind das A und O – im Fitnessstudio und im Leben. Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen. Ich habe früh gelernt, meine Arbeit zu lieben, weil mir das dabei geholfen hat, meine Träume zu verwirklichen. Schau niemals nach einer Abkürzung. Arbeite, bis du an deine Grenzen gelangst. Gib zurück, was dir gegeben wird! Das ist die wichtigste der fünf Regeln. Verlasse die Welt als einen besseren Ort, als du ihn vorgefunden hast. Man muss sich nicht zur Wahl aufstellen lassen, aber man kann ganz einfach an einer armen Schule ein Kind unterrichten oder im Sportunterricht helfen.

Uhrenliebhaber unter sich: Dolph Lundgren, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme.
Uhrenliebhaber unter sich: Dolph Lundgren, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme.

Wie war es für Sie, mit Ihrem Freund Sylvester Stallone die «Expendables»-Filme und «Escape Plan» zu drehen?

Ich liebe es, mit Sly zu arbeiten. Wir sind über die Jahre sehr gute Freunde geworden, und er ist ohne Zweifel ein fantastischer Schauspieler und ein wunderbarer Mensch. Er ist wirklich ein ausserordentlicher Mann – ein grosser Produzent, Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, der zudem ein hervorragender Maler ist. Sly verkauft seine Gemälde für mehrere hunderttausend Dollar. Trotzdem haben wir uns nach wie vor ein bisschen von unserem alten Konkurrenzdenken bewahrt und motivieren damit den anderen jedes Mal, wenn wir zusammen arbeiten, zu Höchstleistungen. Das funktioniert perfekt, sowohl für uns beide als auch für die Fans. Apropos Konkurrenz: Die hört bei uns nicht einmal bei unseren Armbanduhren auf. Wenn wir einander fragen, wie viel Uhr es ist, sagen wir: «Warte ab, bis du siehst, was ich heute an meinem Handgelenk trage.»

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Vom Schauspieler zum Staatsmann – Schwarzenegger als Gouverneur von Kalifornien gemalt von Gottfried Helnwein

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Wenn man in ein neues Land zieht und dort mit offenen Armen empfangen wird, verspürt man den Drang, etwas zurückgeben zu wollen. Also startete ich mit Special Olympics, dann übernahm ich den Sitz des Präsidenten im Gremium für «Körperliche Fitness und Sport», vor 20 Jahren begann ich mit den Nachmittagsprogrammen und schliesslich ergab sich für mich die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu dienen. In der Zeit, als Kalifornien grosse Probleme hatte, beschloss ich, hauptberuflich Angestellter im öffentlichen Dienst zu werden. Diese sieben Jahre als Gouverneur waren mit die erfülltesten meines Lebens. Die Möglichkeit zu haben, mit seiner Arbeit jeden Tag den Menschen von Kalifornien bei ihren Problemen zu helfen, das war eine wirkliche Freude.

Was kommt für Sie als Nächstes – im Hinblick auf die R20, Ihr Engagement für die Umwelt und Ihre weitere Beteiligung an Bodybuilding und Fitness?

Ich habe immer gesagt, dass ich mit dem Ende meiner professionellen Bodybuilding-Karriere nicht mein Interesse und Engagement für den Sport verlieren werde. So wie mein Interesse, den Menschen zu dienen, nicht mit dem Ende meiner Zeit als Gouverneur beendet war. Deshalb habe ich nie aufgehört, für die Nachmittagsprogramme und gegen den Klimawandel zu kämpfen. Die Arbeit endet nie. Jetzt habe ich noch zwei «Kreuzzüge» – mein Fitness-«Kreuzzug» und mein «Kreuzzug» für grüne Energien. Ich werde auch weiterhin Druck auf andere Regionen ausüben, damit wir weitere Schritte hin zu einer sauberen grünen Wirtschaft innerhalb der R20 machen. Ausserdem werde ich mit Hilfe der «Arnold Classics» weiterhin weltweit auf die Bedeutung von Gesundheit und Fitness hinweisen, wobei mich der Posten des Chefredakteurs des «Muscle and Fitness Magazine» und meine neue Ergänzungslinie, die «Arnold Schwarzenegger Series» mit «Musclepharm», unterstützen. Wir dürfen nie nachlassen, sondern müssen immer weitermachen.

Es ist Zeit …

sich weiterzuentwickeln, Schritt für Schritt. In diesem Fall bedeutet das: arbeiten.

(Quelle: Insight Nr. 9, März 2014)

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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