Dienstag , 19. September 2017
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Kunstobjekt von Richard Hutten, „coffee table book“

Auf „The Watch Book“ hat niemand gewartet!

Neu im Bücherregal ist jetzt “The Watch Book”, erschienen bei teNeues. Wir haben es uns angesehen.

The Watch Book
„The Watch Book“, von Gisbert L. Brunner und Christian Peiffer-Beeli, erschienen bei teNeues

Erster Eindruck: Ein Coffee table book wie ich es schon Dutzende Mal in meiner über 40 jährigen Zeit, in der ich mich mit Uhren beschäftige, gesehen habe. Auf 256 Seiten wird die Geschichte der Marken Audemars Piguet, Breguet, Breitling, Cartier, Chopard, Glashütte Original, Hublot, IWC, Jaeger-LeCoultre, A. Lange & Söhne, Montblanc, Omega, Panerai, Patek Philippe, Piaget, Rolex, Vacheron Constantin und Zenith gebetsmühlenartig lieblos heruntergeleiert. In drei Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch) erfährt der Leser Wissenswertes rund um die jeweilige Marke und deren Meilensteine. Dass bei 18 Manufakturen und 256 Seiten kein Platz ist, tief in Details der Marken oder gar einzelnen Modelle zu gehen, versteht sich von selbst. Doch schafft “The Watch Book” mehr als nur einen allerersten Überblick. Dies gelingt auch durch die reichhaltige Bebilderung (ca. 740 Fotos sollen es sein) des Buches.

Zweiter Eindruck: Wer die Branche kennt, kennt auch die beiden Autoren und weiss:  es sind immer wieder dieselben Uhrenmarken und recycelten Uhrengeschichten – Uhrenmarken von denen die beiden Herren immer wieder eingeladen werden – Uhrenmarken die die beiden Herren auch bevorzugt tragen – über die das geschäftstüchtige Duett Gisbert L. Brunner und Christian Pfeiffer-Beeli seit Jahrzehnten in allen Medien publiziert. Es sind auch immer wieder die selben Texte, die man von den Autoren kennt. Man wird den Verdacht nicht los, dass es sich hierbei immer um reine Auftragsarbeiten respektive um nicht deklarierte Public Relations handelt.  Ansonsten lässt sich die Akordarbeit, in der die beiden über 50 Bücher bereits publiziert haben, worüber sie sich auch noch brüsten, nicht erklären.

Dritter Eindruck: Wer sich die Zeit nimmt und das Buch aufmerksam durchblättert, dem fällt auf, dass sämtliches Bildmaterial ausschliesslich von Herstellerseite stammt, man es insofern weitestgehend auch bereits schon dutzendmale irgendwo in einem Prospekt oder Herstellermagazin gesehen hat.

“The Watch Book” misst stattliche 25 x 32 Zentimeter, ist äußerst hochwertig verarbeitet und ein Geschenk für den nicht anspruchsvollen Uhrenfan, der sich gerne in die Materie, die verschiedenen Marken und deren Geschichte kurz einlesen möchte.

Mit 69,90 EUR ist “The Watch Book” noch dazu recht fair kalkuliert. Der Preis entspricht dem „mageren“ PR-content.

Fazit: mir fehlt in diesem Buch die ansteckende und ehrliche Leidenschaft der Autoren, der Funke, der auf den Leser überspringen soll sowie die Marken-Vielfalt. Die Marken, die im Buch beschrieben worden sind, lese ich jeden Tag in allen Medien, – immer wieder von denselben beiden Autoren Tandem Brunner und Pfeiffer-Beeli.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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