Donnerstag , 18. Juli 2019
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Vom 21. Bis 26. März fand die diesjährige Ausgabe der Baselworld statt, an die schon niemand geglaubt hat.

Neuausrichtung: Baselworld soll Show werden

Der Baselworld laufen seit Jahren die Aussteller und die Besucher wegen Missmanagement davon. Stabil sind lediglich die Zahlen der Medienvertreter, die die Baselworld besuchen. Das hat damit zu tun, dass bei der Akkreditierung wenig Sorgfalt herrscht, Hinz und Kunz bekommt einen Media Badge, Hostessen bieten als akkreditierte Journalistinnen ihre horizontalen Dienste für teures Geld den Meistbietenden an.

«Die Baselworld will als Erlebnisplattform zurück an die Spitze», so Michel Loris-Melikoff, neuer Managing Direktor der Baselworld seit Juni 2018 an der heutigen Medienorientierung in Basel.

Horrende Standmieten, bezahlbare Hotels und eine Messeleitung, die kaum zuhöre. Die Ressentiments gegenüber der Baselworld haben in den letzten Jahren massiv zugenommen. Tiefpunkt der Messe: Nick Hayek und seine Messe verzichten 2019 gar auf eine Teilnahme. Eine Baselworld ohne Swatch – vor wenigen Jahren noch undenkbar heute jedoch Realität. Die Folge: Köpferollen bei der MCH-Gruppe. Neben Baselworld Barbie (Chefin) muss auch MCH-Group-Ceo René Kamm den Hut nehmen. Der neue Messeleiter Michel Loris-Melikoff will die Messe mit dem heute vorgestellen Konzept 2020+ nun wieder auf Kurs bringen.

Die Baselworld will nicht mehr nur Messe sein, sondern eine Erlebnisplattform. Will heissen: Einfach nur Stände vermieten war gestern. Neu gibt es Konferenzen, Talks und Showeinlagen. Wichtigste Neuerung für die Bevölkerung: Die Messe orientiert sich erstmals explizit am Publikum. «Gewisse Brands brauchen längst keine Zwischenhändler mehr. Die möchten sich an der Baselworld direkt an den Endkonsumenten richten. Das werden wir ermöglichen», sagt Neo-Messechef Michael Loris-Melikoff gegenüber Tick-Talk.

Das Publikum ist aber nicht die einzige neue Zielgruppe: «Es wird spezielle Programme für Journalisten, Sammler aber auch Influencer geben. Gerade für letztere haben wir schon schon in diesem Jahr vieles ausprobiert. Das ist sehr gut angekommen», so Neo-Messeleiter Michel Loris-Melikoff. Man wolle die ganze Community ansprechen. Die Händler seien zwar noch immer wichtiger Teil der Veranstaltung. In einer digitalen Welt seien Sammler, Journalisten und Influencer aber eben auch wichtig.

Eine der häufigsten Vorwürfe an die Baselworld war, dass sie die Anpassung an die Digitalisierung verpasst habe. Dem möchte man vehement Entgegentreten sagt Loris-Melikoff. Dafür sorgen sollen spezielle Start-Up Plattformen und  sollen aktiv behandelt werden. Shows und Seminare sollen in die ganze Welt gestreamt werden. Ohnehin sei die Messe nur noch Höhepunkt einer ganzjährigen Show, die vor allem im Internet stattfinde. Mit Webseminaren, Podcasts, etc..

Neben klassischen Uhren sollen neu auch vermehrt Smartwatches gezeigt werden. Sogar Themen wie Zeitmessung an Sportveranstaltungen sollen Platz haben. Wenn immer möglich durch Augmented Reality oder Virtual Reality in Szene gesetzt und an speziell für Influencer eingerichteten Instagram Spots besprochen werden. Die Zielgruppen werden also massiv ausgeweitet. Für alle Community-Teilnehmer sollen ihre Bedürfnisse befriedigt werden. «Das ist wahrscheinlich der Hauptwechsel: Es sind nicht mehr wir, die den Firmen sagen, wie sie ihr Geschäft machen sollen. Die Firmen kommen jetzt mit ihren spezifischen Zielen zu uns, und wir machen alles dafür, dass sie diese Ziele erreichen können», sagt Loris-Melikoff gegenüber Tick-Talk.

Was den Standort anbelangt bekennt sich die Baselworld weiterhin klar zur Stadt Basel. Man werde sich aber vorbehalten, mit weltweiten Pop-up-Messen auch international Stellung zu beziehen, wie das die Art Basel beispielsweise schon lange vormache. Die Messe sei am Ende also weder einzig auf einen Standort fokussiert noch auf eine Woche im Jahr. «365 Tage im Jahr, weltweit» wolle man präsent sein, sagt Messeleiter Michel Loris-Melikoff.

Schauen wir ob die Rechnung wirklich aufgeht.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.