Donnerstag , 17. August 2017
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Luzi Bernet, Chefredaktor NZZ am Sonntag per 1. Oktober 2017

Luzi Bernet: «Wir werden einen Schwerpunkt im Digitalen setzen»

Bei der «NZZ am Sonntag» steht im Oktober ein grosser Wandel bevor, vielleicht sogar der grösste seit der Gründung 2002: Erstmals heisst der Chefredaktor dann nicht mehr Felix E. Müller, sondern Luzi Bernet. Der Wechsel wird am 1. Oktober 2017 vollzogen. Im Interview erklärt der designierte NZZaS- Chef, weshalb er nach sieben Jahren bei der «Neuen Zürcher Zeitung» wieder zum Sonntagstitel zurückkehrt. Zudem spricht er über die Wirtschaftlichkeit der publizistischen Eigenständigkeit und über Sparmassnahmen der «NZZ am Sonntag».

Wie viele Gespräche haben Sie geführt, bevor Sie wussten, dass Sie Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» werden wollen?

Luzi Bernet: «Es gab einige Gespräche – und am Ende einen Entscheid, über den ich mich sehr freue.»

Für Sie persönlich ist es eine Rückkehr, nachdem Sie bereits zum Gründungsteam der NZZaS gehörten: Weshalb haben Sie sich entschieden, von der Tageszeitung NZZ wieder zurück zur Sonntagszeitung zu wechseln?

Bernet: «Ich war acht Jahre bei der ´NZZ am Sonntag` und gut sieben Jahre bei der ´Neuen Zürcher Zeitung`. In beiden Redaktionen habe ich mit hervorragenden Journalistinnen und Journalisten gearbeitet. Chefredaktor der ´NZZ am Sonntag` zu werden, ist eine einmalige Chance. Im Moment kann ich nur sagen:

Ich freue mich riesig auf diese Aufgabe. Die Herausforderungen, die ein solches Amt natürlich auch mit sich bringt, kommen dann noch früh genug.»

Die Mediengruppe betont in ihrer Mitteilung die publizistische Eigenständigkeit der NZZaS, während die Tendenz in der Branche eher in Richtung Konsolidierung der Redaktionen geht: Können Sie erklären, inwiefern sich die NZZaS von anderen Titeln unterscheidet?

Bernet: «Die ´NZZ am Sonntag` hat ein eigenständiges publizistisches Profil. Das sehen Sie nur schon daran, dass sich ihre Leserschaft nur zu etwa einem Drittel mit derjenigen der ´Neuen Zürcher Zeitung` deckt. Wir können also in der Summe mehr Leserinnen und Leser erreichen, wenn sich die Tageszeitung vom Sonntagstitel unterscheidet. Das soll so bleiben.»

Werden Sie bei der NZZaS Sparmassnahmen durchführen müssen?

Bernet: «Jedes Unternehmen muss immer sparen. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Die Frage ist, wie man das tut. Wir sparen da, wo es die Qualität der Publizistik nicht tangiert. Gleichzeitig – und da unterscheiden wir uns von anderen Medienunternehmen – haben wir auch die Möglichkeit, zu investieren, wenn wir damit unsere Angebote verbessern und mehr Leserinnen und Leser gewinnen können. Was ich sehr schätze bei uns: Journalisten werden nicht als Kostenfaktor, sondern als Ressource angesehen.»

Was können Sie über Ihre redaktionellen Vorstellungen sagen?

Bernet: «Das publizistische Profil der ´NZZ am Sonntag` soll sich nicht ändern. Sie soll keine siebte Ausgabe der Tageszeitung werden. Wir pflegen diese Vielfalt bewusst – auch weil sie ökonomisch Sinn macht.»

Wo sehen Sie das grosse Potential und die Zukunft der «NZZ am Sonntag»? Was möchten Sie mit der Zeitung erreichen?

Luzi Bernet: «Ich fange erst im Herbst bei der ´NZZ am Sonntag` an. Es ist also zu früh, um über Zukunftsvisionen zu sprechen.

Was ich jetzt schon sagen kann: Wir werden sicher einen Schwerpunkt im Digitalen setzen.»

Luzi Bernet, neuer Chefredaktor der NZZ am Sonntag ab 1. Oktober 2017

Luzi Bernet Vita

Geboren 1963, wuchs Luzi Bernet in Volketswil auf. Er studierte Geschichte und Staatsrecht an der Universität Zürich. 1990 trat er in die Redaktion der „Zürichsee-Zeitung“ in Stäfa ein. von 1992 bis 1994 war er für verschiedene Schweizer Regionalzeitungen Europa-Korrespondent in Brüssel. 1994 erfolgt die Rückkehr zur „Zürichsee-Zeitung“, wo er 1998 zum Chefredaktor gewählt wurde. 2002 wechselte er zum Gründungsteam „NZZ am Sonntag“, wo er 2004 die Leitung des Ressorts Schweiz übernahm und 2006 zum stellvertretenden Chefredaktor wurde.

Seit 2010 ist Luzi Bernet Nachrichtenchef und Mitglied der Chefredaktion der NZZ:

 

 

 

 

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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