Donnerstag , 29. Juni 2017
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Patek Philippe war wie zu erwarten mit 7,3 Mio. Schweizer Franken der Gewinner der Auktion

Only Watch 2015: „Schummeln“ für einen guten Zweck

Aurel Bacs
Shooting-Star, Aurel Bacs

Die alle zwei Jahre stattfindende Wohltätigkeitsauktion der Uhrenindustrie zugunsten der Monegasque Association Against Muscular Dystrophy brachte einen Gesamterlös von 11,2 Mio. Schweizer Franken ein. Die Auktion der 43 Uhren unter der Leitung von Aurel Bacs ging glatt über die Bühne, für mich zu glatt! Denn ohne Lobbyisten gings auch hier nicht.

Erstmals fand die Auktion in Genf und nicht wie bisher in Monaco während der Monaco Yacht Show statt. Erstmals wurde auch die Auktion von Bacs & Russo im Auftrag von Philipps durchgeführt. Wer Aurel Bacs, den Shooting Star der Auktionsszene kennt, so wird er von der deutschen Uhren-Journaille bezeichnet, weiss auch, dass Bacs auf vielen Hochzeiten tanzt. So ist er auch Präsident der Jury des Grand Prix d’Horlogerie de Geneve. Wer sich die Jury Mitglieder genauer ansieht, erkennt die Mitglieder des umstrittenen Uhrenjournalisten Syndikats WWMG World Watch Media Guild. Wer die Medien analysiert sieht auch, dass sich Aurel Bacs gerne mit den Mitgliedern des WWMG schmückt, die wiederum Mitglieder des Star Awards, dahinter steht der Ebner Verlag, sind.

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Das Publikum, eine Mischung, aus Journalisten und vielen Möchtegerns

Im Auktionssaal des Hotel La Reserve – respektive im Philipps Bacs & Rossi Zelt auf dem Areal des Hotels – sass kein einziger ernstzunehmender Sammler, – Sammler sind wie scheues Wild, die sich nicht sehen lassen – mehrheitlich sassen die bekannten Gesichter der Uhrenindustrie im Saal, die ihre Uhren für die Auktion eingeliefert hatten. Bei den Uhren handelte es sich um allgemein zugängige käufliche zu erwerbende Uhren, die meist in letzter Minute speziell für only watch aufgepimpt wurden.

Im Publikum zu sehen waren auch die vielen „Möchtegerns“, unbedeutende Uhrenfach-Journalisten sogenannte Trettbrettfahrer, die sich sehr wichtig nehmen und Präpotente Klientel, die immer auf dicke Hose machen.

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7,3 Mio. Schweizer Franken für die Patek Philippe Ref. 5016A-010, Lot 16

Wer nun die Auktionsergebnisse analysiert, der kann sich selbst einen Reim daraus machen. Wie nicht anders zu erwarten, erzielte die Patek Philippe Ref. 5016A-010, Lot 16,  mit 7,3 Mio. Schweizer Franken den höchsten Preis der Auktion. Die Edelstahlversion erzielte den zehnfachen Preis der Platinversion. Nicht nur dies, es handelte sich um den höchsten Preis, der je für eine Armbanduhr an einer Auktion generiert wurde. Aurel Bacs wird dieses Auktionsergebnis geschickt als neuen Philipps Weltrekord vermarkten. Beim Käufer könnte es sich um einen Patek Philippe Mitarbeiter – es ist Usus dass Vertreter des PP Uhren Museums sitzen – handeln, um so den Preis für Patek Philippe Uhren künstlich zu stützen. Solche Beträge werden in der Regel in den Firmen als Marken-Pflege abgeschrieben.

Das Richard Mille Tourbillon RM27-02 Rafael Nadal ging für 650‘000 Schweizer Franken über den Tisch und F. P. Journe Tourbillon Souverain Bleu erzielte 550‘000 Schweizer was nicht anders zu erwarten war.

Für echte Überraschung sorgte jedoch die Tudor Heritage Black Bay, die erstmals an dieser Auktion teilnahm,  deren Schätzwert bei 3500-4500 Schweizer Franken lag, die aber bei 375‘000 Schweizer Franken zugeschlagen wurde. Sie erzielte praktisch das Hundertfache des regulären Kaufpreises. Wobei es für mich keine Überraschung war, denn Tudor hat in der Deutschen Uhren-Journaille sprich Ebner Verlag eine sehr ausgeprägte Lobby.

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Tudor Heritage Black Bay überraschte mit 375’000 Schweizer Franken

Apropos Schätzwerte: Die Schätzwerte von Aurel Bacs lagen meistens bei den zugeschlagenen Resultaten. „Welch‘ein Zufall“, doch Zufälle gibt es nicht, sagte mir damals mein Mathe-Professor.

Deutlich über dem Schätzwert lagen zum Beispiel Voutilainen mit der GMT-6, die Vacheron Constantin Métiers d’Art Mécaniques Ajoureés und die Hublot Classic Fusion Only Watch Britto und die Louis Vuitton Escale Worldtime Only Watch „The world is a Dancefloor in Collaboration with Paul Pettavino.

Aufgefallen ist mir bei den Auktionsresultaten, dass die Ergebnisse, im ersten und zweiten Drittel, es handelte sich um Marken wie zum Beispiel Carl F. Bucherer die keine Lobby haben, wesentlich schlechter abgeschnitten haben.

Verlierer waren Marken wie Van Cleef & Arpels, Chronoswiss, IWC, Maurice Lacroix, Perrelet, Zenith und Chopard. Diese Marken hatten auch keine Lobby.

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Der Verlierer: Armin Strom Skeleton Pure

Die absoluten Verlierer waren im letzten Drittel zu finden. De Grisgono mit der New Retro Blackstripes für 18‘000 Schweizer Franken, Armin Strom mit der Skeleton Pure Only Watch Edition 2015 für 15‘000 Schweizer Franken sowie die Horological Smartwatch von Frédérique Constant für läppische 14‘000 Schweizer Franken waren das Schlusslicht, die nicht einmal annähernd an den Schätzpreis rankamen. Auch bei diesen drei Marken war keine Lobby weit und breit nicht in Sicht.

Die Gewinner waren wie immer die Lobbyisten, die Marken hat das Einsehen.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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