Montag , 20. November 2017
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HSH Prince Albert II of Monaco

Only Watch 2107: „Fürstliche“ Uhren für einen guten Zweck

Die alle zwei Jahre stattfindende Wohltätigkeitsauktion der Uhrenindustrie unter dem Patronat von HSH Prinz Albert II von Monaco zugunsten der Stiftung „Monegasque Association Against Muscular Dystrophy“ brachte am 11. November 2017 einen Gesamterlös von 10,8 Mio. Schweizer Franken, das Publikum bei Christie’s Genf war nicht mehr so spendabel, wie bei der letzten Only Watch, 2015, wo 11,2 Mio. Schweizer Franken eingespielt wurden.

Die Auktion der 50 Uhren-Unikate im Four Seasons – Hôtel des Bergues ging glatt über die Bühne, für mich viel zu glatt! Denn ohne Lobbyisten, die die Preise in die Höhe trieben, ging’s auch hier nicht. Zum zweiten Mal fand die Auktion in Genf statt, in einem sachlich sterilen Rahmen, nicht wie früher auf der Monaco Yacht Show in einem maritimen Ambiente. Ich fand die Yachtshow in Monaco konnte einen angenehmeren und exklusiveren Rahmen bieten.

Davide Cerrato, der neue Montblanc Managing Director, Luc Pettavino, Gründer der Only Watch, HSH Prinz Albert II von Monaco

Der Auktionssaal war mit 350 Bietern aus 45 verschiedenen Ländern gefüllt. Das Publikum, eine Mischung, aus Journalisten, Beobachtern aus aller Welt und vielen Pseudo-Spezialisten.  Im Auktionssaal sass kein einziger ernstzunehmender Sammler, – Sammler sind wie scheues Wild, die sich nicht sehen lassen – mehrheitlich sassen die bekannten Gesichter der Uhrenindustrie im Saal, die ihre Uhren für die Auktion eingeliefert hatten. Bei den Uhren handelte es sich um industriell gefertigte allgemein käuflich zu erwerbende Uhren, die meist in letzter Minute speziell für only watch „aufgepimpt“ respektive zum Unikat umgerüstet wurden.

Wie so immer bei solchen Veranstaltungen, waren auch die vielen „Möchtegerns“, unbedeutende Uhrenfachjournalisten sogenannte Trettbrettfahrer, die sich sehr wichtig nehmen und Präpotente Klientel, die immer auf dicke Hose machen, zu sehen.

Lot 12, die Patek Philippe, Ref. 5208T-010, in Titanium Version erzielte mit 6,2 Mio. Schweizer Franken den höchsten Preis der Auktion. Die Triple Complication wurde 2011 von Patek Philippe lanciert.

Wer nun die Auktionsergebnisse seriös analysiert, der kann sich selbst einen Reim daraus machen.

Wie nicht anders zu erwarten, erzielte Lot 12, die Patek Philippe, Ref. 5208T-010, in Titanium Version mit 6,2 Mio. Schweizer Franken den höchsten Preis der Auktion. Das entspricht über 60 Prozent des Gesamterlöses des Auktionsergebnisses. Der Käufer war wahrscheinlich wie so immer das Patek Philippe Museum mit einem unbeschränkten Budget. Solche Beträge werden in der Regel in den Firmen als Marken-Pflege abgeschrieben.

Lot 31, F. P. Journe Chronographe Monopoussoir Rattrapante Bleu für 1,15. Mio. Schweizer Franken

Für echte Überraschung sorgte das Lot 31, eine F. P. Journe Chronographe Monopoussoir Rattrapante Bleu, die für sage und schreibe 1,15 Mio. Schweizer Franken den Zuschlag erhielt. Der Schätzpreis der Experten lag zwischen 200’000 bis 400’000 Schweizer Franken, so können sich auch jahrelang erfahrene  Experten verschätzen.

Erwähnenswert auch Lot 47, eine Audemars Piguet Royal Oak Perpetual Calendar, die für 800’000 Schweizer Franken einem telefonischen Bieter zugeschlagen wurde.

Und Lot 6, die Tudor Black Bay Bronze One, die für 350’000 Schweizer Franken den Zuschlag erhielt.

Interessant auch Lot 16, die MB&F Horological Machine No. 8, die für 210’000 Schweizer Franken den Besitzer wechselte. Schätzpreis dieses Unikats: 80’000 bis 100’000 Schweizer Franken.

Wie schon erwähnt, war das Publikum dieses Jahr sehr zurückhaltend mit Geboten. Vielleicht lag es an der allgemein pessimistischen wirtschaftlichen Stimmung der Uhrenindustrie. Viele von der Uhrenindustrie eingelieferte Uhren erzielten wie zum Beispiel Lot 11, die Piaget Black Tie Vintage Watch, 28’000 Schweizer Franken (Schätzwert 30’000 bis 50’000 Schweizer Franken) oder Lot 13, die Moritz Grossmann Atum Homage, 40’000 Schweizer Franken (Schätzpreis 40’000 bis 60’000 Schweizer Franken) nicht einmal den Schätzwert oder gerade den Schätzwert. Das ist ein Parameter für den aktuellen Markenwert.

Aufgefallen ist mir bei den Auktionsresultaten,  dass all die Marken, die keine Lobby besitzen, bei der Auktion wesentlich schlechter abgeschnitten haben, als diejenigen Marken, die über eine starke Lobby verfügen.

Verlierer waren jene Marken, die dachten, sie werden bei der Auktion gross rauskommen. Czapek & Co., Chronoswiss, Christophe Claret, Armin Strom, Moritz Grossmann.

Absolutes Schlusslicht der Auktion war Maurice Lacroix, eine Marke die langsam in der Banalität versinkt. Die Auktion war ein gutes Barometer zur Beurteilung, welche Marken werterhaltend und welche Marken wertvermehrend sind.

Die zehn grössten privaten Uhren-Sammler, die mir alle persönlich bekannt sind, – sie erzielten mit ihrem gut strukturierten Uhren-Portfolio jährlich 30 Prozent Performance – waren an dieser Auktion nicht vertreten, sie hatten auch keine telefonischen Gebote abgegeben, da das angebotene Portfolio, nicht dem Pflichtenheft von professionellen Sammlern entsprach.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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