Dienstag , 25. April 2017
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Paukenschlag: Ronda baut wieder mechanische Uhrwerke

Nach 30 Jahren kehrt der Uhrwerkhersteller Ronda in Lausen BL wieder zur Produktion von mechanischen Werken zurück.

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Ronda Firmenchef Erich Mosset

Wie Firmenchef Erich Mosset an einer Medienkonferenz an der Baselworld informierte, seien die ersten 1000 Werke bereits produziert worden – in aller Heimlichkeit in Lausen. In Stabio TI werden die künftigen Produktionslinien aufgebaut. Lausen wird ein Standort für den Komponentenbau bleiben, für Quarzuhren. Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen werden, sei noch nicht klar.

„Wir haben eine so gute Kundschaft auf dem Quarzsektor, dass wir eine sehr gute Ausgangslage haben.“, sagt Mosset. Die Rede ist von Tag Heuer, Victorinox, Fossil, Gucci: „Wir wurden von Kunden angefragt, ja sogar bestürmt.“ Im Visier steht der Massenmarkt im mittleren Preissegment. Das Werk wird an die Uhrenmarken zu 66 Franken das Stück verkauft. „Ein Marktpreis“, sagt Mosset. Geplant ist ein Jahresvolumen von 100’000 Stück – und mehr. Die Investition beträgt 25 Millionen. Es sei ein langfristiges Projekt. Auch das Knowhow wurde und wird aufgebaut.

Für gewisse Sachen haben wir auch Zeit gebraucht, erklärt Daniel Schirmer, Technik-Chef von Ronda. Vier Jahre hat Ronda an der neuen Entwicklung gearbeitet. Die allerersten Testserien von ein paar hundert Stück wurden in Lausen montiert.

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Das Ronda Kaliber Mecano R150

In den 1980er Jahren stoppte der Hersteller die Produktion von Mechanik zugunsten von Quarzwerken. Jene finden breiten Einsatz in zahlreichen Uhrwerken und zählen neben den ETA-Werken zu den besten der Schweiz. Der Jahresausstoss der batteriebetriebenen Kaliber beträgt 20 Millionen Uhrwerke. Auch die Mechanik soll schnell sechsstellig werden.

Neben Sellita, Soprod und einigen anderen Herstellern, reiht sich also auch Ronda in die Riege derer ein, die der durch die ETA herbeigeführten Verknappung der ETA-Werke entgegen wirken. Viele kleine Uhrenhersteller werden dankbar für jede Schweizer Alternative sein, da es für sie immer schwieriges wird, ETA-Werke einzukaufen. Sie decken sich heute schon zunehmend in Asien ein, etwa bei Miyota in Japan oder Sea-Gull in China. So wird das mecano R150 auch direkt als Alternative zum ETA 2824-2 positioniert, ist aber aufgrund einer um 0,2 mm geringeren Höhe nicht einbaukompatibel.

Das Dreizeiger-Automatik-Werk hat 11 1/2 Linien (26 mm) Durchmesser, 25 Steine, 28.800 A/h, eine Gangreserve von etwa 40 Stunden, ein Datum und Sekundenstopp. Auch das Ronda R150 kommt nicht ohne ETA-Teile aus – die Stosssicherung und die Zugfeder stammen aus den Regalen der Swatch Group. Weitere  Teile der Komponenten werden in Asien hergestellt, etwa in Thailand, die Montage erfolgt aber in der Schweiz.

Daniel Vogt
Optimierung des Kalibers per CAD

Mit ersten lieferbaren Exemplaren des Werkes ist wohl nicht vor Anfang des Jahres 2017 zu rechnen. Wenn dieser erste Wurf gelingt, dürfte Ronda die mecano-Familie nach und nach um weitere Werke ergänzen. Ab 2019 ist die Marktchance immens: Bis genau zu diesem Jahr hat die Schweizer Wettbewerbskommission WEKO die ETA noch zur Lieferung verpflichtet

Vielleicht sehen wir in einigen Jahren sogar ein Chronographenwerk von Ronda. Oder gar eine Wiederbelebung der Ronda-Werke mit Mikrorotor wie zum Beispiel das Ronda Harley 2358 mit 21.600 A/h und 22 Steinen, die bis Mitte der 1980er hergestellt wurden. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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