Sonntag , 16. Dezember 2018
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Paukenschlag: Swatch Group verlässt Baselworld 2019

Nach der Halbierung der Ausstellerzahl auf die Ausführung im vergangenen Frühling springt mit der Swatch-Gruppe jetzt auch noch der grösste Aussteller ab. Hat die Baselworld noch eine Zukunft?

Mit der Swatch Group verlässt der bisher grösste Aussteller die Baselworld. Das Unternehmen mit einem Messebudget von über 50 Millionen Franken habe beschlossen, ab 2019 nicht mehr an der Uhren- und Schmuckmesse präsent zu sein, erklärte Konzernchef Nick Hayek der «NZZ am Sonntag».

Die traditionellen Uhrenmessen seien für Swatch nicht mehr sinnvoll, begründete Hayek den Rückzug. Sein Unternehmen hatte während Jahren mit fast allen seinen 18 Marken – dazu gehören etwa Omega oder Longines – teilgenommen. Zuvor hatten sich bereits Hermès, Ulysse Nardin und Girard-Perregaux der SIHH-Uhrenmesse in Genf angeschlossen.

Messe vor dem Aus?

Kritische Stimmen aus der Branche verlangen unter anderem neue Ansätze bei der Organisation und der Durchführung der Basler Messe (TICK-TALK berichtete).

In Basel waren dieses Jahr im März mit 650 Ausstellern nur noch halb so viele wie im Vorjahr dabei.

Mit dem Rückzug von Swatch steht dem Bericht zufolge auch die Zukunft der Messefirma MCH auf dem Spiel, die sich zur Hälfte im Besitz der drei Kantone Basel-Stadt, Basel-Land und Zürich befindet. «Es ist klar, dass sich die Messe neu erfinden und sich dem 21. Jahrhundert anpassen muss», forderte etwa Jean-Claude Biver, Chef der LVMH-Uhrendivision, im März im Gespräch mit CNN Money. Vielleicht will Biver die Messe kaufen, das könnte ein Lösungsansatz sein.

Der designierte Messechef Michel Loris-Melikoff will die Messe 2019 «möglichst attraktiv in einem neuen Stil und in einer neuen Denkart durchführen». Er lasse dabei nichts unversucht, Swatch doch noch zu halten. Wesentliche Neuerungen seien für 2020 vorgesehen.

Börsenwert tiefer als Immobilien

Das ist für die Messe Schweiz zentral, denn die «Baselworld» wirft unter allen Ausstellungen und Aktivitäten am meisten Gewinn ab. Doch die Einnahmen schwinden. Letztes Jahr sanken die Einnahmen der MCH mit Schweizer Ausstellungen um 46Mio.Fr. auf noch 238 Mio. Fr. Doch unter dem Strich resultierte ein Jahresverlust von 110 Mio. Fr., insbesondere aufgrund einer Wertberichtigung auf dem Messegebäude in Basel von 102 Mio. Fr. Grund dafür ist die ungenügende Auslastung des Prestigebaus, der vor fünf Jahren für stolze 430 Mio. Fr errichtet worden war. Die Summe übersteigt bei weitem den Unternehmenswert von 270 Mio. Fr., der sich aus dem Aktienkurs errechnen lässt. Daran haben auch mehrere Zukäufe der MCH im Ausland nichts geändert.

«Wir sind nicht dazu da, eine teure Halle von Herzog & de Meuron zu amortisieren», kritisiert Hayek in der NZZ am Sonntag: «Das Unternehmen MCH Group beschäftigt sich zu sehr mit der Optimierung und Amortisierung seines neuen Gebäudes, statt den Mut zu echten Fortschritten und tiefgreifenden Veränderungen aufzubringen.»

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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