Dienstag , 18. Dezember 2018
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Aus für Publicitas?

Publicitas befindet sich in Nachlassstundung

Die Werbevermarkterin Publicitas befindet sich in provisorischer Nachlassstundung. Am Donnerstagnachmittag wurde in Opfikon vom Verwaltungsratspräsident der Publicitas die (übriggebliebenen) Verleger eingeladen. Die sich in Gründung befindende neue Konkurrenz fokussiert sich in der Zwischenzeit auf den Start ihrer neuen Abwicklungsplattform.

Der Antrag auf provisorische Nachlassstundung ist vom Bezirksgericht Bülach am Donnerstag bestätigt worden. Dies sagte Publicitas-Finanzchef Carsten Brinkmeier gegenüber der SDA. Gleichzeitig empfing die Publicitas am Donnerstagnachmittag die wichtigen Entscheidungsträger von Verlagen und Kunden der «P».

Die Einladung wurde vom Publicitas-Verwaltungsratspräsident Jörg Nürnberg höchstpersönlich unterschrieben. Neben Nürnberg unterzeichnete das Schreiben auch Carsten Brinkmeier. Wer dem angeschlagenen Unternehmen aktuell noch die Stange hält und der Einladung von Publicitas Folge leistete, ist unbekannt.

In den letzten Tagen, haben aber immer mehr Unternehmen der «P» die kalte Schulter gezeigt. Offiziell heisst es in der Einladung zum Verlegeranlass: «Aufgrund der Ereignisse der letzten Woche haben wir einen Sanierungsplan erarbeitet und heute beim Gericht eingereicht, dessen Entscheidung wir bis zum Verlegeranlass erwarten.» Über den Plan, «welcher die zukünftige Zusammenarbeit im Details aufzeigt», werde am Anlass informiert.

Was den Verlegern und Kunden im Publicitas-Hauptsitz am Donnerstag genau verklickert wurde, möchte Elisabeth Aubonney, Marketing- und Kommunikationschefin bei Publicitas, erst am Freitag offiziell bekannt geben, wie sie gegenüber dem TICK-TALK sagte.

Auf die Frage, ob Tamedia an dem Anlass teilnahm, antwortete Unternehmenssprecher Christoph Zimmer: «Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit der Publicitas, um den Schaden für die Branche so gering wie möglich zu halten.» Man wollte diese Kontakte aber nicht kommentieren und konzentriere sich in erster Linie darauf, gemeinsam mit den Partnern zeitnah eine offene Abwicklungsplattform zur Verfügung zu stellen.

Jürg Weber, der designierte Verwaltungsratspräsident der neuen Schweizer Werbevermarkterin, war nicht an der Infoveranstaltung der Publicitas dabei, weil er sich gerade im Ausland aufhält.

«Es entzieht sich meiner Kenntnis, wer von unserer Gruppe angeschrieben wurde und der Publicitas-Einladung folgt», so Weber gegenüber dem Klein Report.

In internen Kreisen herrscht ein Redeverbot: Den fünf Publicitas- Mitarbeitenden, die TICK-TALK kontaktierte, sind weder Stellungnahmen zum Sanierungsplan, noch Kommentare zu allfälligen Änderungen zu entlocken. Sie durften ebenfalls keine Auskunft zu möglichen Entlassungen geben.

up-date 09.05.2018

Publicitas kämpft gegen den Konkurs

Noch bis am kommenden Montag haben die Verleger Zeit, dem Sanierungsplan der Werbevermarkterin Publicitas zuzustimmen.

Bisher hat die «P» aber nur einen Bruchteil der benötigten Stimmen einholen können, wie TICK-TALK erfahren hat. Der Überlebenskampf geht weiter.

«Bisher haben wir viel zu wenig konkretes Feedback erhalten», sagt Elisabeth Aubonney, Kommunikationsverantwortliche der Publicitas, gegenüber dem Klein Report. Von den etwa 800 Verlagen, mit denen die Vermarkterin zusammenarbeitet, hat sich nur eine Handvoll gemeldet.

Die in Nachlassstundung stehende Publicitas braucht für die Erfüllung des Sanierungsplans aber mindestens 51 Prozent der Stimmen. «Wenn wir keine ausreichende Zustimmung seitens der Verlage erreichen, dann gehen wir Konkurs», sagt Aubonney unmissverständlich. «Wir haben festgestellt, dass unsere Partnerverlage das Konzept des Sanierungsplans wohl nicht korrekt interpretiert haben, weshalb wir nun alle Geschäftsleitungen unserer Kunden angeschrieben haben und nun noch per Telefon direkt angehen werden, um den `Deal` noch einmal kurz und bündig zu erklären.»

Und dies sind die Argumente, welche die «P» den Verlegern kommuniziert:

«Wenn die Publicitas keine ausreichende Zustimmung erhält, ist der Konkurs unaufhaltbar.» Erfahrungsgemäss liege der Foderungsausfall bei einem Konkurs gemäss dem Sachwalter der Publicitas «zwischen 95% bis 100%». Wenn die Verlage dem Sanierungskonzept zustimmen, würden sie demgemäss einen höheren Anteil der noch offenen Forderungen zurückerhalten.

Weiter will die Vermarkterin den Verlegern auch klar machen, dass sie bei einer Zustimmung zum Sanierungsplan nichts zu verlieren hätten: «Es handelt sich bei der Absichtserklärung um kein rechtlich verbindliches Dokument, sondern zeigt lediglich, dass sie diskussionsbereit sind», so ein weiteres Argument des Schreibens an die Verleger, welches dem Klein Report vorliegt.

Inzwischen hat die Publicitas unter der Nummer 058 680 93 00 auch eine Hotline für die Verleger eingerichtet. Es würde jede Stimme zählen, sagt Elisabeth Aubonney.

Vergangenen Donnerstag stellte die Publicitas den Verlagen einen Sanierungsplan vor. Darin wurden sie aufgefordert, dem Antrag bis am 10. Mai zuzustimmen. Nun wurde die Deadline aufgrund des dürftigen Rücklaufs auf kommenden Montag verschoben. Das Bezirksgericht Bülach möchte von der Publicitas dann bis zum 18. Mai wissen, wie viele Verlage die «P» für die Unterstützung des Sanierungsplans gewinnen konnte.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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