Montag , 23. Oktober 2017
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PwC-Studie: Medienindustrie setzt digital erstmals mehr Geld um als analog

Die Musikbranche hat im vergangenen Jahr mit Streaming, Downloads und Mobile Music erstmals mehr Geld (10,7 Milliarden Dollar) als durch den Verkauf physischer Tonträger (8,5 Milliarden Dollar) erlöst. Zugleich waren die Umsätze mit Streaming zum ersten Mal höher als mit Downloads. Das ist nur ein Ergebnis einer Studie zur Entwicklung der weltweiten Medienindustrie von der Beratungsgesellschaft PwC, die am 8. Juni veröffentlicht wird. Die Erkenntnisse des „Global Entertainment and Media Outlook“ belegen die langfristig überlegene Kraft digitaler Geschäftsmodelle, legen aber auch gravierende Probleme der Branche offen.

Das Internet laufe den klassischen Medien „endgültig“ den Rang ab, sagt Werner Ballhaus, der Leiter der Sparten Technologie, Medien und Telekommunikation in Deutschland. Wobei Ballhaus in diesem Punkt so tut, als hätten klassische Medien nicht längst selbst digitale Geschäftsmodelle entwickelt, die sich nicht streng getrennt voneinander betrachten lassen. Die Botschaft des PwC-Experten ist ungeachtet dessen gültig:  „Wer sein Geschäftsmodell nur halbherzig digitalisiert, wird in den kommenden Jahren den Anschluss verlieren….Nur die Anbieter, die es schaffen, sich für ihre Kunden unverzichtbar zu machen, werden überleben.“

Eine identische Entwicklung hat PwC bei Videos ausgemacht. Video-on-Demand-Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime dürften demnach in diesem Jahr höhere Umsätze erwirtschaften, als die Videoindustrie durch den Verkauf von DVDs und Blue-rays einnimmt, heißt es im „Outlook“ für die Medien- und Unterhaltungsindustrie. Mit Online-Werbung werde inzwischen mehr Geld umgesetzt als mit klassischer TV-Werbung.

Weil nun die Rückgänge der klassischen Erlöse in vielen Unternehmen und Segmenten noch höher ausfallen als die Zuwächse durch digitale Erlöse, hat die Studie, die Branchendaten aus 54 Ländern ausgewertet hat, einen eher warnenden Charakter. Demnach wachse die Medienindustrie weltweit bis 2021 nur noch mit jährlich um 4,2 Prozent – weniger stark als die Weltwirtschaft insgesamt.

Die Vorhersage für Deutschland falle demnach „besonders mau“ aus. Die Zuwachsraten lägen hierzulande nämlich nur bei 1,8 Prozent. Zeitungs-, Zeitschriften und Buchverlage müssten gar mit Rückgängen von minus 0,7 bis minus 1,8 Prozent rechnen. Bis 2021 lägen die Erlöse, die Zeitungsmarken mit Abonnements erzielen, über den Werbeerlösen – eine zwar absehbare, aber dennoch einschneidende Zäsur.

Weltweit bevorzugten Konsumenten „eindeutig“ werbefreie Angebote, sagt PwC-Mann Ballhaus. Wobei auch in diesem Punkt zumindest offen bleibt, ob mit Werbung auch vergleichsweise neuartige Werbeformen wie Native Advertising, also in journalistische Angebote „eingebettete“ und entsprechend gekennzeichnete Markenbotschaften gemeint sind.

Die höchsten Wachstumsraten sieht PwC in Schwellenländern wie Indien (10,6 Prozent), Indonesien (9,6 Prozent) und China (8,3 Prozent). Bezogen auf einzelne Segmente sehen die Analysten großes bis gutes Entwicklungspotenzial für Virtual Reality (77,0 Prozent), E-Sports (21,7 Prozent), Internetvideos (11,6 Prozent), Internetwerbung (9,8 Prozent) und Videospiele (8,2 Prozent). Das Rezept: „Es geht darum, das Produkt zum Erlebnis zu machen.“ Was natürlich leichter gesagt ist als getan.

Takeaway: Die Konsequenzen der Digitalisierung für Unternehmen der Medienindustrie sind exakt so, wie bereits vor Jahren skizziert. In einzelnen Segmenten ist nun der „tipping point“ erreicht. Das sind gute Nachrichten für die Firmen, die konsequent auf Digitalisierung setzen. Sie werden zwar dennoch mit sinkenden Wachstumsraten kalkulieren müssen. Das ist aber besser, als unterzugehen.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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