Mittwoch , 13. Dezember 2017
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Wie Raymond Fernand Loewy den Jaguar S-Type aufpimpte

Der Erfinder des Stromlinien-Designs: Raymond Fernand Loewy

Der französisch-amerikanische Industrie- und Produktdesigner Raymond Fernand Loewy erfand die Stromlinien-Form bei den Autos und setzte damit unter anderem ein Denkmal

Der legendäre US-Designer Raymond Loewy, gemeinhin als Erfinder der Stromlinie verehrt und eine Art Caravaggio der industriellen Formgebung, war ein gnadenloser Ästhet. Vor allem aber war er Realist. Die schönste Linie, die er kenne, beschied Loewy, sei eine steigende Umsatzkurve. Ein Verdikt, dem sich bis heute jeder Automobildesigner unterzuordnen hat, so er auf dem Massenmarkt bestehen will.

Den Jaguar E-Type, den der berühmte Designer Raymond Loewy nach seinem Geschmack modifizieren ließ, ist und bleibt ein Unikat, mehr noch er ist ein Stück Automobilgeschichte.

Über den Jaguar E-Type braucht man wohl keine Worte verlieren, seit seiner Premiere am Genfer Salon 1961 gehört dieser Sportwagen zu den begehrtesten Autos aller Zeiten.

Raymond Loewy hatte bereits Eigenkreationen auf Basis eines Jaguar XK 140, eines BMW 507 und eines Lancia Flaminia bauen lassen.

Im Gegensatz zu seinen berühmten Designs für Studebaker (Champion und Avanti), dem Scenicruiser Bus, diverser Stromlinienloks oder auch der Zigarettenpackung für Lucky Strike waren diese Fahrzeuge zumindest gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar hässlich.

Während der XK 140 bei Boano und die Flaminia bei Rocco Motto gefertigt wurde, entstanden der BMW und der E-Type bei der französischen Firma Pichon et Parat.

Am auffälligsten ist bei seiner eigenwilligen S-Type Interpretation sicherlich die Frontgestaltung, ein großer Lufteinlass wird von unter einer Streuscheibe liegenden Doppelscheinwerfern aus dem Panhard 24 flankiert, dadurch wird die Front etwas kantiger. Die Radausschnitte sind wesentlich größer, die stark abgeschrägten hinteren Seitenfenster und das Heck mit einzelnen Rücklichtern aus dem Chevrolet Corvair geben dem Loewy-E-Type eine eigene Linie. Accessoires wie der aussenliegende Tankdeckel, der gläserne Dachspoiler, dessen Funktion eher fragwürdig scheint und die ungewöhnliche Führung der Auspuffendrohre tun ein übriges. Schön muss man den Loewy-Jaguar sicherlich nicht finden, aber extravagant ist er schon.

Raymond Loewy hat das Auto selbst in Europa bewegt, bis ca. 1970 der Designer James Murry Hunt, der bei Loewy gelernt hatte, den Jaguar erwarb und ihn 40 Jahre wegsperrte.

Im August 2011 wurde er dann schließlich als Lot 39 für 128’000 US Dollar / 126’925 CHF inklusive Zuschlag von Bonhams versteigert.

In einer 2013 im TV gezeigten Dokumentation über Gunter Sachs taucht der E-Type plötzlich in St. Tropez auf.

Dies kann man auch auf der sehr empfehlenswerten Website Internet Movies Car Database nachprüfen.

Danach verliert sich die Spur, der Wagen ist bis heute nicht mehr auffindbar. Ein Phänomen, das ich im Internet-Zeitalter verstehen kann. Denn gerne wäre ich mit diesem Wagen gefahren.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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