Dienstag , 19. September 2017
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Rendezvous mit Cartier

Ein elegantes, grosszügiges, feudales dreistöckiges Appartment im 8. Pariser Arrondissement wurde kurzerhand in einen Pop-up Store umfunktioniert und diente als Bühne für die aktuelle Cartier-Kollektion. Für einen Tag, den 29. September 2016.

Von aussen sieht das Haus in der Avenue Hoche Nr. 15 eher unscheinbar aus, lediglich die muskelbepackten Männer mit dem obligaten Knopf im Ohr, sind das Indiz, dass hier etwas „los“ ist. Auch die schweren Limousinen zeugen davon, dass es hier „nach Geld riecht“. Die Sicherheitsmassnahmen auch im Haus sind enorm. Anscheinend können die Journalisten Cartier nicht widerstehen.

Im Eingangsbereich sind eine Gelbgold Halskette sowie ein Rose-Gold mit Diamanten besetztes Armband drappiert. Beide Stücke sind aus der Cartier-Kollektion Juste un Clou.

Das Wohnzimmer stand unter dem Thema Panthiére de Cartier, Trinity Ruban de Cartier, Love, Maillon Infini de Cartier und unter Ballon Bleu.

Im Büro des ehemaligen Hausherr wurden Stücke der Kollektionen Drive de Cartier, Rotonde de Cartier, L’envol de Cartier, Santos de Cartier, Santos Dumont de Cartier, Ballon Bleu de Cartier, Panthere Pavee, Trinity de Cartier, C de Cartier, visibel gemacht.

Im Bad hatten die Kollektionen C de Cartier, Tank Solo, ihren Auftritt.

Das Schlafzimmer wurde der Kollektion Must C gewidmet. Im Ankleidezimmer hatte die Kollektionen Cactus de Cartier ihr Debut.

Hochwertige Lederwaren, Schreibgeräte, Brillen, Uhren und Schmuck sowie Haute Joaillerie und Haute Horlogerie, waren die Stars dieses Pop up Stores. Wobei die Haute Horlogerie nicht mehr rund läuft. Für Cartier, traditionell vor allem für Frauen-Schmuck bekannt, war der Eintritt in die Männer-Welt der Komplikationen ein gewagtes Unterfangen.  „In der Connaisseur-Welt für Männer wurde Cartier nicht ernst genug genommen“, sagt Analyst Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank.

„Wir werden auf dem Genfer Uhrensalon im Januar 2017 eine neue Kollektion an femininen Uhren vorstellen, die weniger kompliziert und preiswerter sind“, so der seit 1.1.2016 im Amt wirkende neue Cartier CEO Cyrille Vigneron, der die undankbare der „Kurskorrektur“ seiner Vorgänger auf sich nehmen musste.

„Cartier hat einen sehr klassischen Stil. Und das allein wird bereits als ein Statussymbol wahrgenommen“, erklärt Manfred Abraham, Partner beim Beratungsunternehmen Brandcap in London. „Kunden erzielen noch immer dieselbe Wirkung mit einer 2000-Pfund-Uhr wie mit einer 8000-Pfund-Uhr. Denn die Leute werden noch immer sagen: „Oh mein Gott, das ist eine Cartier!“.

An die Avenue Hoch 15 wurde die internationalen Journalisten Meute der Lifestyle Presse, vorwiegend bekannte in die Jahre gekommene weibliche Gesichter auch aus Zürich, mit dem Flieger oder Hochgeschwindigkeitszug TGV eingeladen. Gesichter, die man auch an Mode- und Kosmetik-Presse Events sieht. Die völlig überbewerteten und hochgejubelten Vertreter der deutschen Uhren-Journaille waren nicht anwesend, was niemand ernsthaft bemerkte. So bleib man unter sich.

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Cartier Manschettenknöpfe zum Verlieben

Die Veranstaltung war mangelhaft organisiert, denn der Besucher-Ansturm war gross, die meisten Medienvertreter wollten sich nicht entgehen lassen Cartier Devotionalien mitgehen zu lassen.

Getränke wie zum Beispiel der legendäre Rose-Champagner von Cartier (GLB ist ein Freund diese Sprudelwassers!) wurden auf der Mini-Terrasse im dritten Stock serviert, für das Catering sorgt Lenotre (Gründer und Patron Gaston Lenotre, den ich noch persönlich kannte, ist leider verstorben), wobei man das Flying Buffet mit der Uhrmacherlupe suchen musste. Für einen Lunch reichte das Budget von Cartier leider nicht. Jeder musste sich individuell in irgendwelchen Fast-Food Ketten verpflegen (Lenotre befriedigt das Auge aber nicht den Magen), auch für den Transport von der Avenue Hoch 15 zur Gare Lyon – die Bahnhöfe in Paris sind von Militär und Polizei besetzt – mussten die Medienvertreter sich ein teures Taxi entern, obwohl ein gepflegter Limousinen-Service von Cartier vorhanden war, die Presse-Damen waren völlig überfordert.

Fazit: den ernsthaften Journalisten wurde von Cartier ein Arbeitstag gestohlen. Der Informationswert dieser Veranstaltung lag bei Null. Die abgegebenen Unterlagen waren unprofessionell, eine Auflistung der Exponate ohne detaillierte Beschreibung – vor allem die Preise fehlten – und von hochauflösenden Bildern, weit und breit keine Spur.

Gerne denke ich an die Zeit zurück, wo Gigi Sutter das PR-Zepter bei Cartier führte, wo so etwas nie vorgekommen wäre, denn Gigi ist für mich heute noch die Grand Dame der Public Relations Szene, dies obwohl sie sich in den Unruhestand versetzt hat.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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